Politik

Nach dem Rezo-Video Youtuber wirft AKK Populismus vor

imago91547798h.jpg

Kramp-Karrenbauers Aussagen sind für Youtuber Yilmaz eine Katastrophe.

(Foto: imago images / photothek)

Mit einem Anti-CDU-Video sorgt Rezo für Aufsehen, mehr als 90 Youtuber solidarisieren sich mit ihm. Das kritisiert die CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer als "Meinungsmache". Einer der Youtuber, Oguz Yilmaz, antwortet jetzt auf AKK. Er sagt: Die Union war komplett überfordert.

Mehr als 90 Youtuber haben kurz vor der Europawahl zum Boykott gegen Union, SPD und AfD aufgerufen. Sie solidarisierten sich mit Youtuber Rezo, der mit einem Anti-CDU-Video für Furore - und mittlerweile über 13 Millionen Klicks gesorgt hatte. In dem Solidaritäts-Video positionierte sich auch Oguz Yilmaz für Klimaschutz und gegen CDU, CSU, SPD und AfD. In einem Interview mit "Neon" wirft er der CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer jetzt Populismus vor.

*Datenschutz

Denn Kramp-Karrenbauer hatte sich über den CDU-kritischen Wahlaufruf der Youtuber empört. Ob solche "klare Meinungsmache vor der Wahl" reguliert werden müsse, hatte sie gefragt. "Was sind eigentlich Regeln aus dem analogen Bereich und welche Regeln gelten eigentlich für den digitalen Bereich?", so Kramp-Karrenbauer. Daraufhin erntete die CDU-Vorsitzende einen Shitstorm, ihr wurde ein Angriff auf die Meinungsfreiheit vorgeworfen.

Für Yilmaz, der bis 2015 Mitglied des erfolgreichen Youtube-Trios Y-Titty war, ist diese Formulierung eine Katastrophe. "Schließlich reden wir hier über eine Frau, die Kanzlerin werden will. Von so einer Person hätte ich etwas anderes erwartet als Populismus. Nichts anderes ist das, was sie gesagt hat." Auch betont Yilmaz: "Natürlich haben wir Influencer nach Artikel 5 des Grundgesetzes das Recht, unsere Meinung frei zu äußern."

Auch das Verfassungsrecht widerspricht AKK

Nicht nur Medien, sondern auch Youtuber dürfen frei ihre Meinung äußern und auch Wahlempfehlungen aussprechen. Diese Freiheiten sind verfassungsrechtlich geschützt. Auch gesammelte Wahlempfehlungen von mehreren Zeitungen, wie sie Kramp-Karrenbauer auch angesprochen hatte, wären "völlig legal", sagt der Rechtsanwalt für Kommunikationsrecht, Simon Assion, n-tv.de. Verfassungswidrig wäre es vielmehr, wenn die betroffenen Parteien versuchen würden, dies zu verhindern.

In seiner Antwort auf AKK wirft der 28-jährige Yilmaz CDU, CSU und SPD außerdem vor, dass sie unter 30-jährige Wähler nicht für voll nehmen. "Sie reden mit jüngeren Wählern, als seien sie kleine Kinder. Nun haben sie dafür den Denkzettel bekommen", sagte er "Neon". Tatsächlich stimmten bei der Europawahl nur 14 Prozent dieser Altersgruppe für die Union und sogar nur neun Prozent für die SPD, so das Ergebnis einer Befragung der Forschungsgruppe Wahlen. Im Vergleich: Bei der Bundestagswahl 2017 hatten CDU und CSU bei den unter 30-Jährigen noch 25 Prozent erreicht, die SPD immerhin noch 19 Prozent.

Nach Ansicht des Youtubers Yilmaz hätten die Parteien der Großen Koalition mit mehr Verständnis auf die Videos reagieren müssen. Gerade bei der Union sei dies nicht der Fall gewesen: "Bei der Union hatte es den Anschein, dass sie mit der Situation komplett überfordert waren." Geschadet habe es dabei etwa, dass zunächst die Rede davon war, der 26-jährige CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor werde ein Antwort-Video veröffentlichen, die Partei jedoch zurückruderte.

"Es fehlt vor allem an Demut"

Yilmaz attestiert der Union zudem Überheblickeit. CDU und CSU müssten sich vor allem eigene Fehler eingestehen: "Sie haben versucht, den Fokus der Debatte zu verschieben - indem sie nicht auf unsere Kritik eingegangen sind. Daran merkt man doch, dass es den Christdemokraten vor allem an Demut fehlt."

Mit Blick auf soziale Medien hat der Youtuber, der sich als Digitalexperte bezeichnet, im Gespräch mit "Neon" Tipps für Union und SPD: Sie müssten diese Kanäle und den dortigen Dialog ernster nehmen. "Das bedeutet allerdings nicht: Ach komm', wir setzen da jetzt einfach mal zwei Praktikanten ran. Die machen da jetzt mal witzige Youtube-Videos."

Es brauche vor allem mehr Transparenz, Diskurs und Offenheit für Kritik. Yilmaz betont: "Ich meine damit jetzt nicht, dass über jedes einzelne Gesetz in Instagram-Stories abgestimmt werden soll - aber dass man zumindest mehr die Möglichkeit nutzt, die Community auch einzubinden." Dadurch könnten Politiker zudem direkt erfahren, was potenzielle Wähler - auch diejenigen unter 30 Jahren - tatsächlich bewegt.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema