Politik
Kreml-Chef Wladimir Putin will mit der Ausrichtung der Fußball-WM die russischen Weltmachtambitionen unterstreichen.
Kreml-Chef Wladimir Putin will mit der Ausrichtung der Fußball-WM die russischen Weltmachtambitionen unterstreichen.(Foto: imago/ZUMA Press)
Donnerstag, 14. Juni 2018

Politiker-Besuche bei Fußball-WM: Gönnt Putin diesen Triumph nicht!

Ein Kommentar von Christoph Rieke

Noch behält es sich Angela Merkel vor, zur Fußball-WM nach Russland zu reisen. Diesen Gefallen für Wladimir Putin sollte sich die Kanzlerin verkneifen.

Auf die Gesellschaft von Theresa May muss der russische Präsident Wladimir Putin bei der Fußball-Weltmeisterschaft verzichten. Die britische Regierungschefin hat wie ihre isländische Amtskollegin Katrín Jakobsdóttir deutlich gemacht: Sie wird nicht zum Turnier nach Russland fliegen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und die übrigen westlichen Regierungschefs täten gut daran, auf einen WM-Besuch zu verzichten.

Ob die Annexion der Krim, der Krieg in der Ostukraine oder der russische Anteil am schier nicht enden wollenden Leid in Syrien: Auf Putins jahrelange Provokationen und Aggressionen können Merkel und ihre Verbündeten nun mit einem deutlichen Zeichen antworten - vor den Augen der Weltöffentlichkeit. Bei der WM geht es Putin um Prestige und Anerkennung. Bleiben die westlichen Politiker dem Turnier fern, werten sie Putins große Bühne nicht zusätzlich auf. Das wird dem Kraftprotz aus dem Kreml mindestens nicht gefallen.

Gewiss, dem Dialog dürfen sich Politiker nie verschließen. Doch dafür ist die Show-Bühne in Russland der falsche Ort. Ein Fußballturnier eignet sich nicht, um viele offene Fragen zwischen Russland und dem Westen zu klären – die Hacker-Angriffe auf die Bundesregierung, den Abschuss von MH17, die Vergiftung des Ex-Agenten Skripal. Oder der Fall Hajo Seppelt, der in Russland offenkundig ein unerwünschter Gast ist.

Ein Besuch westlicher Regierungschefs bei der WM dagegen könnte als ein "Weiter so" verstanden werden. Das wäre ein fatales Signal - auch an andere Autokraten wie Erdogan und Xi. Vor allem aber wäre es ein Triumph für Putin. Und den hat er nicht verdient.

Dieser Text ist Teil der großen WM-Multimedia-Reportage von n-tv.de.

Quelle: n-tv.de