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Erst Doping, nun dreimal WM-Gold "Befremdliche" Johaug läuft allen davon

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Kann sich schon vor dem Ziel in aller Seelenruhe jubeln: Therese Johaug.

(Foto: www.imago-images.de)

Die deutsche Skilangläuferin Victoria Carl überrascht bei der Weltmeisterschaft im Rennen über 30 Kilometer positiv mit einem Top-Ten-Platz. Für negative Schlagzeilen sorgt die norwegische Siegerin Therese Johaug. Ihre Doping-Vergangenheit wirft große Schatten.

Der grandiose neunte Platz von Victoria Carl zauberte Peter Schlickenrieder ein Lächeln ins Gesicht, dieses fror angesichts der Dominanz von Therese Johaug aber schnell wieder ein. "Das finde ich schon befremdlich, das muss ich ganz ehrlich sagen. Es gibt halt bei Johaug diesen Hintergrund", sagte der Skilanglauf-Bundestrainer nach dem 30-km-Ski-Marathon, in dem die Norwegerin in überlegener Manier ihr schon drittes Gold der WM in Seefeld holte.

Schon nach fünf Kilometern schüttelte Johaug, die bei den Weltmeisterschaften 2017 und Olympia 2018 wegen einer Dopingsperre gefehlt hatte, den Rest der Weltspitze ab. Im Ziel hatte die 30-Jährige nach 1:14:26,2 Stunden 36,8 Sekunden Vorsprung auf ihre Teamkollegin Ingvild Flugstad Östberg. "Ich würde lügen, wenn ich sage, das ist ganz normal. Sie läuft ja wirklich meilenweit voraus. Es ist komisch", sagte Schlickenrieder. Es müsse weiter "mit den Leuten zusammengearbeitet werden, die diesen Anti-Doping-Kampf führen. Wichtig ist für diesen Sport, dass er sauber ist." Bronze ging an die erst 19 Jahre alte Schwedin Frida Karlsson (+44,0 Sekunden).

"Ich bin sehr begeistert"

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Peter Schlickenrieder zweifelt an der Überlegenheit von Johaug.

(Foto: imago/Oryk HAIST)

Viel lieber wollte Schlickenrieder über das Abschneiden des deutschen Trios sprechen. Vor allem Carl, neun Tage zuvor schon Fünfte im Sprint, überzeugte erneut: "Ich bin sehr begeistert. Wenn mir das vorher einer gesagt hätte, hätte ich gesagt: träum weiter. Das war spitzenmäßig, ihr bestes Resultat in der Distanz", sagte der Bundestrainer. Carl zeigte ein beherztes Rennen, hielt sich in der ersten Verfolgergruppe und verbuchte ihr zweites einstelliges WM-Ergebnis im Einzel. "Wir hatten richtig gute Ski, das waren Raketen unter den Füßen. Ich bin total stolz. Meine WM-Bilanz ist mega", sagte die 23-Jährige, die auch in der Staffel mit Rang vier überzeugt hatte. Katharina Hennig auf Rang 21 und Pia Fink auf Platz 25 zeigten ebenfalls ordentliche Leistungen.

"Ich bin sehr stolz auf meine Athleten. Wir wehen hier nicht die weiße Fahne, sondern kämpfen uns durch", sagte Schlickenrieder. Das deutsche Langlauf-Team wird dennoch aller Voraussicht nach zum vierten Mal in Folge bei einer WM ohne Medaille bleiben. Beim abschließenden 50-Kilometer-Lauf am Sonntag sind die DSV-Männer klare Außenseiter.

Johaug läuft einsames Rennen

Johaug rückt derweil mit ihrer insgesamt zehnten Goldmedaille in der Liste der erfolgreichsten WM-Teilnehmer der Geschichte auf Rang fünf vor. An der Spitze liegt weiter ihre ehemalige Teamkollegin Marit Björgen mit 18 Titeln. Für Norwegen war es zudem die elfte Goldmedaille in Seefeld, die Skandinavier stellten damit den eigenen WM-Rekord von Falun 2015 ein.

Vor 15.000 Zuschauern gab Johaug von Beginn an das Tempo vor: Schon nach einem Kilometer hatte sich eine achtköpfige Spitzengruppe ohne DSV-Beteiligung vom Rest des Feldes abgesetzt, wenig später löste sich Johaug auch von ihren Mitstreiterinnen und lief fortan ein einsames Rennen. Carl hielt sich in der ersten Verfolgergruppe glänzend - auf die überragende Norwegerin fehlten ihr am Ende aber mehr als zwei Minuten.

Quelle: n-tv.de, Eric Roos und Christoph Leuchtenberg, sid

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