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15-jährige Gauff stürzt Williams Erst Klassenarbeit, dann Idol schocken

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Unfassbar: Cori Gauff kann nicht glauben, dass sie gerade Venus Williams besiegt hat und sagt, dass sie bei Wimbledon "ihren Traum lebt".

(Foto: imago images / Icon SMI)

Cori Gauff lebt ihren Traum: Die 15-Jährige schlägt beim Tennisturnier in Wimbledon ihr Idol Venus Williams. Seit sie acht ist, trainiert der Tennis-Teenie, um "die Größte" zu werden. Aufgrund ihres Alters darf Gauff nur wenige Turniere spielen - und dann kommt noch die Schule dazwischen.

Matchball. Starker erster Aufschlag von Cori Gauff, die von allen nur "Coco" gerufen wird. Venus Williams ist direkt in der Defensive und haut den dritten Ball mit der Vorhand ins Netz. Gauff sackt in sich zusammen und lässt den Schläger fallen. Schockiert hält sie sich die Hände vors Gesicht. Die Teenagerin steht auf, kann es immer noch nicht fassen, wen sie hier besiegt hat. Entgeistert schießen ihr Tränen ins Gesicht. Auf dem Weg zum Netz fängt Coco sich wieder, bedankt sich beinahe bewundernd bei ihrem Idol. Gauff ist 15 Jahre alt und hat eben glatt in zwei Sätzen 6:4, 6:4 die große Venus Williams in der ersten Runde des Rasenturniers in Wimbledon geschlagen.

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Gauff (Nummer 272 der Welt) ist die jüngste Spielern seit Jennifer Capriati 1991, die ein Spiel in Wimbledon gewann. Williams, Nummer 44 der Welt, ist mit 39 Jahren die Seniorin im Turnier. Vier ihrer neun Wimbledon-Finals erreichte sie, bevor Gauff überhaupt geboren wurde. Der Sieg des Tennis-Teenies wird nun als Wachablösung im US-amerikanischen Tennis angesehen - wenngleich Venus Williams schon länger nicht mehr das Niveau ihrer Schwester Serena hat.

"Erstes Mal nach einem Match geweint"

"Ich würde liebend gerne einmal mit Serena oder Venus auf dem Court stehen", sagte Gauff, nachdem sie sich als jüngste Spielerin aller Zeiten durch die Qualifikation ins Hauptfeld von Wimbledon gekämpft hatte. "Ich bin immer noch schockiert und gegen die Top-Spielerinnen anzutreten, wird sicher ein anderes Gefühl." Gauff sollte Recht behalten. Als dann Williams als ihre erste Gegnerin gezogen wurde, gab sich die 15-Jährige bescheiden aber selbstbewusst: "Ich habe gegen eine der größten Spielerinnen aller Zeiten nichts zu verlieren und es ist einfach eine Ehre für mich, mit ihr auf dem Platz zu stehen." Serena und Venus Williams sind schon immer Gauffs Vorbilder. "Sie sind der Grund, warum ich überhaupt einen Tennisschläger in die Hand nehmen wollte."

Coco ist nervenstark: Im Erstrundenmatch gegen Williams macht sie besonders in längeren Ballwechseln ihre Punkte. Die 39-Jährige geht im ersten Satz sogar zu Boden. Symptomatisch für die Wachablösung. "Come on", pusht sich Gauff immer wieder lautstark und pumpt mit beiden Fäusten in die Luft. Das Publikum jubelt frenetisch. Nach vielen Fehlern steigert sich Williams im zweiten Satz, aber Gauff erläuft fast jeden Ball. Beim Stand von 4:4 schafft sie das entscheidende Break gegen ihr Idol. Wieder der lautstarke Doppel-Faust-Jubel. Auf der Tribüne jubeln die Eltern lautstark mit. Im Interview mit ESPN nach dem Sieg sagt Vater Corey, der seine Tochter trainiert: "Nachdem Coco ein paar Matchbälle vergeben hatte, hab ich gedacht: 'Mach einfach weiter, gib nicht auf.' Und dann hat sie es geschafft."

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Mit ihren erst 15 Jahren gibt sich Gauff nach dem Sieg bereits sehr professionell. "Es war das erste Mal, dass ich nach einem Match geweint habe", sagt sie der BBC. "Ich kann das alles gar nicht erklären, ich lebe sprichwörtlich meinen Traum. Das können nicht viele von sich behaupten." Ihrem Idol Williams habe sie am Netz einen Dank ausgesprochen, weil sie ohne Venus nicht dort wäre, wo sie jetzt sei. Auch ihr Vater bestätigt, dass die Williams-Schwestern die Familie Gauff inspiriert hätten: "Es gab vorher wenig farbige Spieler und besonders in unserem Land spielten afro-amerikanische Mädchen selten Tennis."

Serena erkennt sich in Coco wieder

Mit acht Jahren beginnt Coco das Tennisspielen, schon zwei Jahre später fliegt sie zu den Try-Outs der französischen "Mouratoglou-Akademie". Gründer Patrick Mouratoglou, seit 2012 Trainer von Serena Williams, ist sofort von Gauffs Athletik und Zähigkeit beeindruckt. Serena, die in der Akademie immer wieder trainiert, erkannte in den Gauffs schon ihre eigene Familie wieder. "Wenn ich sie mit ihrem Dad trainieren sehe, dann erinnert mich das an meine Zeit mit meinem Vater da draußen." Coco wurde schnell bekannter, gewann einen großen Sportartikelhersteller als Sponsor und wird mit 13 von Roger Federers Agentur "Team8" unter Vertrag genommen.

Schon im vergangenen Jahr machte Gauff von sich reden, als sie die Junioren-French-Open gewann. Ein Jahr zuvor erreichte sie bereits das Finale der US Open der Junioren, als jüngste Spielerin aller Zeiten. Dieses Jahr gewann Coco - natürlich wieder historisch jung - bei den French-Open ein Qualifikationsmatch. "Ich habe sie immer herausgefordert, seit wir mit Tennis angefangen haben", sagt Trainer-Vater Corey, "und ich habe ihr gesagt, dass sie mit ihrem Tennisschläger die Welt verändern kann." Damit bezieht er sich nicht nur auf den Tenniscourt, sondern auch auf soziale Themen. Die 15-Jährige veröffentlichte so zum Beispiel auf ihrem Instagram-Kanal eine Story zum US-amerikanischen Juneteenth-Feiertag, der an die Emanzipation der Sklaven erinnert.

Schulprüfung vor dem finalen Spiel

Erst im nächsten März wird Gauff 16. Wie es bis dahin weitergeht, ist unklar. Denn nachdem Teenager Jennifer Capriati Anfang der 1990er die Tenniswelt rockte, entschied sich die Women's Tennis Association (WTA), dass man Teenager vor zu viel Druck schützen wolle. Deshalb darf Gauff vor ihrem 16. Geburtstag nur noch an fünf WTA-Turnieren teilnehmen. An Profi-Turnieren dürfen bereits 14-Jährige teilnehmen, aber nur acht Events im Jahr bestreiten. Mit 16 sind es dann zwölf und mit 17 sind es 16 Turniere.

"Ich will die Größte werden", sagte Cori Gauff, die noch die High School besucht, als 13-Jährige gegenüber CNN. Würde sie dieses Jahr Wimbledon gewinnen, wäre sie die jüngste Siegerin aller Zeiten, aber nicht die erste 15-Jährige: Charlotte Dod schaffte das schon 1887. Egal wie weit Cocos Weg beim Rasenturnier geht, sie muss hoffen, dass ihr keine Schulprüfung dazwischen kommt. In der Nacht vor dem finalen Quali-Match legte sie noch einen Naturwissenschaft-Test ab. Am nächsten Tag fegte sie ihre Gegnerin mit 6:1, 6:1 vom Platz - und lebt seitdem ihren Traum.

Quelle: n-tv.de

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