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Hintertür fällt krachend zu Hambüchen lässt das Turnen endgültig sein

"Den Absprung wagen": Den Titel seiner erst vor sechs Wochen erschienenen Autobiografie setzt Deutschlands Turnlegende Fabian Hambüchen beim letzten Wettkampf seiner Karriere in Ludwigsburg um - zum bereits zweiten Mal binnen eines halben Jahres.

Diesmal kommt Angela Merkel nicht als Ehrengast. Der zweite und letzte Karriere-Abschied von Fabian Hambüchen heute in Ludwigsburg ist eher kleines Kino: Bundesliga-Finale, MHP-Arena. Ein Insider-Termin, die Turnerfamilie wird weitgehend unter sich bleiben. Aber ein mit 55.000 Turnern gefülltes Olympiastadion als große Bühne für den anerkennenden Handschlag der Bundeskanzlerin durfte der Reck-Olympiasieger von Rio de Janeiro ja schon im Juni beim Deutschen Turnfest in Berlin beim ersten Farewell nutzen.

Aber niemals in den folgenden Monaten ging der einstige Reck-Weltmeister so ganz. Immer wieder wurde über ein Comeback bei der WM 2019 in Stuttgart spekuliert. Hambüchens Hintertür war noch nicht krachend ins Schloss gefallen, sie war nur sachte angelehnt und öffnete sich nach diversen Interviews immer wieder einen Spalt. Nun aber doch der unwiderrufliche Schlussstrich nach 40 deutschen Meistertiteln und 27 internationalen Medaillen. "Ich habe sportlich alle meine Träume erreicht und freue mich jetzt sehr auf meine weitere Zukunft", sagte der 30-Jährige der "Bild"-Zeitung. Er wolle jetzt weiter studieren und dabei vielleicht "beruflich etwas finden, was mich genauso inspiriert wie das Turnen".

"Möchte schmerzfrei mit meinen Kindern spielen"

Dass er nach seiner Schulteroperation zu Jahresbeginn im Herbst wieder richtig gut in Form kam, schürte die Angst vor der eigenen Courage - und vor weiteren Verletzungen, denn: "Gerade am Reck kann man nicht nur halbes Programm turnen." Zwar war der sechsmalige Europameister auch nach einem Achillessehnenriss stärker denn je zurückgekommen, aber da war der Wetzlarer erst 24 Jahre alt. Und für den Familienmenschen ist Turnen sehr viel, aber eben auch nicht alles. "Ich möchte später schmerzfrei mit meinen Kindern spielen können", sagte der Hesse kurz vor den Spielen von Rio.

Wer Hambüchens vor sechs Wochen erschienene Autobiografie gelesen hat, macht sich um den weiteren Lebensweg des zweimaligen Sportler des Jahres keine Sorgen. Noch aber ist der "Turnfloh", der schon vor einiger Zeit in Koblenz mit dem Abtrainieren begonnen hat, in seiner ganz persönlichen Probierphase. Studium, ein Job als rasender Eurosportreporter im Deutschen Haus bei Winter-Olympia im südkoreanischen Pyeongchang, Praktikantenarbeit in der Agentur seines Managers Klaus Kärcher - jede Herausforderung lässt Hambüchen aktuell an sich heran.

Mit dem Deutschen Turner-Bund hat der gern streitbare Hambüchen mittlerweile seinen Frieden gemacht, daher könnten auch eine Trainerkarriere und/oder eine Funktionärslaufbahn ein Thema werden. Spannend zu beobachten war kürzlich, wie der gerade neu gewählte FIG-Weltverbandspräsident Morinari Watanabe dem Ausnahmeathleten japanisch-formvollendet seine Visitenkarte überreichte. Und damit vielleicht einen möglichen Nachfolger adelte. Irgendwann wäre Deutschlands Vorturner dann vielleicht der erste Deutsche an der FIG-Spitze. Höhenangst kannte Fabian Hambüchen ja schon bei seinen Flugshows am Reck nie ...

Quelle: n-tv.de, Andreas Frank, sid

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