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Neustart gründlich misslungen Kerber bleibt auch trainerlos erfolglos

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Im ersten Satz begeisternd, dann verließen Angelique Kerber Selbstvertrauen und Fitness.

(Foto: imago images / Icon SMI)

Auch das erste Match nach dem frühen Wimbledon-Aus geht verloren, Tennisspielerin Angelique Kerber findet derzeit einfach nicht mehr in die Spur. In Toronto fehlt aber nicht nur der Trainer, es fehlt viel mehr. So beflügelt Kerber nicht einmal ein begeisternder Auftakt.

Mit gesenktem Kopf ging Angelique Kerber zum Netz. Ein kurzes Nicken, ein Handschlag mit der Gegnerin, ein Gruß an den Schiedsrichter, dann verließ sie mit ausdrucksloser Miene den Centre Court von Toronto. 6:0, 2:6, 4:6 in der ersten Runde gegen die Russin Darja Kassatkina - Kerber ist auch nach der Trennung von Trainer Rainer Schüttler auf der Suche nach sich selbst.

Ihre Gegnerin, die in diesem Jahr bei 15 Turnier-Teilnahmen gerade mal zwölf Matches gewonnen hat, verriet anschließend ihr Erfolgsrezept, das so simpel klingt und doch Kerbers ganze Misere aufzeigt. "Ich habe einfach versucht, den Ball immer wieder zurückzuspielen und sie zu Fehlern zu zwingen", sagte Kassatkina. Das funktionierte, Kerber leistete sich in dem 1:57 Stunden dauernden Match 45 unforced errors und konnte selbst eine 4:2-Führung im dritten Satz nicht zum Sieg nutzen, das 5:5 verpasste sie trotz eines 40:15 bei eigenem Aufschlag.

Kontrollverlust trotz 6:0

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Wie so oft, wenn sie ein Match am Anfang dominiert, verlor Kerber auch gegen Kassatkina den Faden. Immer mehr machte sie den Eindruck, das Match nicht gewinnen, sondern irgendwie nicht verlieren zu wollen. Sie wich weit hinter die Grundlinie zurück, spielte defensiv, überließ Kassatkina die Kontrolle. "Ich habe im zweiten Satz gemerkt, dass was geht", sagte die Russin, die das 0:6 scheinbar unbeeindruckt weggesteckt hatte und einfach den Schalter umlegte.

Genau das schafft Kerber in kritischen Situationen nicht, auch gegen Kassatkina spielte sie das Match, ihr Match nicht fertig. Ihre Körpersprache verriet wie so oft das fehlende Selbstvertrauen, zudem wirkte sie in der zweiten Hälfte der Partie nicht so fit, wie sie es normalerweise ist. Die Beine schienen schwerer als sonst, oft kam Kerber einfach zu spät zum Ball.

Unbeständigkeit als "Teil meiner Geschichte"

Toronto war Kerbers erster Auftritt seit der frustrierenden Zweitrunden-Niederlage gegen die Amerikanerin Lauren Davis in Wimbledon. Danach folgten die einvernehmliche Trennung von Trainer Rainer Schüttler und der ersehnte Urlaub. Seit knapp zwei Wochen ist Kerber wieder im Wettkampfmodus, Toronto sollte auf dem Weg zu den US Open (26. August bis 8. September) das erste Erfolgserlebnis werden. Nun bleiben ihr in den nächsten beiden Wochen noch Cincinnati und das 250.000-Dollar-Turnier Bronx Open im unmittelbaren Vorfeld der US Open.

Kurz nach ihrem Aus in Wimbledon hatte sie sich via Instagram zu Wort gemeldet: "Egal, ob du das letzte Match gewonnen oder verloren hast, es ist vorbei, und du musst aus Sieg und Niederlage lernen. Es hat immer ein Auf und Ab in meiner Karriere gegeben, ich habe das als Teil meiner Geschichte akzeptiert. Mehr noch, ich habe daraus gelernt und die Herausforderungen angenommen." Leichter wird es nicht.

Quelle: n-tv.de, Angela Bern, sid

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