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Bullen blockieren Büffelherde Leipzigs Fans proben den Block-Aufstand

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Die "Bullen" zeigen gegen Frankfurt die besser Leistung, doch einige Fans sind trotzdem sauer auf den Verein.

(Foto: imago/opokupix)

RB Leipzig ist im Duell mit Eintracht Frankfurt um die großen Fleischtöpfe der Fußball-Champions-League trotz des Unentschiedens das klar bessere Team. Frankfurts "Drei-Mann-Büffelherde" findet nicht statt. Trotzdem bricht sich bei den RB-Fans viel Unmut Bahn.

Rein sportlich betrachtet, war die Nullnummer im Duell um Champions-League-Platz vier in der Fußball-Bundesliga zwischen Rasenballsport und der Eintracht an diesem Samstag schnell zusammengefasst. Leipzigs Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick bezog gleich seinen Frankfurter Kollegen gleich mit ein, als er bilanzierte: "Adi Hütter ist mit dem Ergebnis zufrieden, nicht mit der Leistung. Ich bin mit der Leistung zufrieden, aber nicht mit dem Ergebnis." In der Tat waren die Leipziger viel besser, als sich ein torloses Remis anhört.

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Schwach, weil geschwächt: Timo Werner, RB Leipzig.

(Foto: imago/opokupix)

Vor allem in der zweiten Hälfte entfalteten die Hausherren Dauerdruck auf das Eintracht-Tor. Bloß: Der Ball fand den Weg über die Linie nicht. Kapitän Willi Orban hätte das Tor seines Lebens erzielen können, als er nach einer zu flach geschlagenen Ecke einfach die Hacke hinhielt und Gelson Fernandes den Ball von der Linie köpfte (61.). Der Nachsetzer des schwachen, weil zuvor lange erkälteten Timo Werners per Kopf landete knapp neben dem Tor. Und ein Distanzschuss des präsenten und engagierten, aber glücklosen Marcel Sabitzer prallte vom Pfosten zurück an den Ellenbogen von SGE-Keeper Kevin Trapp (67.). Auch darüberhinaus hatten die Hausherren wie am Mittwoch im DFB-Pokal beim 1:0 gegen den VfL Wolfsburg durch enormen kämpferischen und läuferischen Einsatz genug Strafraumszenen für zwei Spiele, müssen sich aber mangelnde Präzision beim letzten Pass und im Abschluss ankreiden lassen.

Die Eintracht hielt kämpferisch und körperlich dagegen, agierte jedoch komplett defensiv, hatte im gesamten Spiel lediglich zwei Chancen. Filip Kostics Freistoß kratze Leipzigs Torhüter Peter Gulacsi von der Linie (25.). Der eingewechselte Mijat Gacinovic gab den einzigen Torschuss nach der Pause ab, der jedoch nur im Außennetz landete (88.). Frankfurts berühmte "Drei-Mann-Büffelherde" Ante Rebic, Luka Jovic und Sebastian Haller kam überhaupt nicht zur Entfaltung. Auch, weil das Trio in der ersten Hälfte von der neu formierten und sehr kompakten Dreierkette Nordi Mukiele, Stefan Ilsanker und Willi Orban höchst kämpferisch ausgebremst wurde.

Rangnick: "Ein bisschen mau"

"Spielerisch hat es mir nicht gefallen. Wir haben uns nach vorn überhaupt nicht durchsetzen können", räumte Hütter ein, der zu viele lange Bälle monierte. Gleichzeitig hatte er seiner Mannschaft allerdings befohlen, nicht durchs Zentrum zu spielen, wo die bissigen Leipziger auf Ballgewinne lauern. "Wir wollten kein Risiko eingehen", sagte Trapp. Weil RB angesichts des Patzers von Borussia Mönchengladbach einen entscheidenden Schritt hätte machen können, um sogar Rang drei ins Visier zu nehmen, fühlte sich das Ergebnis laut Rangnick "ein bisschen mau" an. Doch dem Trainer war die gute Leistung seines Teams wichtiger.

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"Wenn wir in den verbleibenden 13 Spielen plus Pokal weiter so spielen, werden wir unsere Ziele erreichen": Ralf Rangnick.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Wie zuvor gegen Düsseldorf, Hannover und Wolfsburg ließ RB die Gegner keinen Zentimeter zur Entfaltung kommen. Maximal ein, zwei gefährliche Torschüsse pro Spiel - mehr ist derzeit für die Kontrahenten nicht drin, während Rasenballsport eine Vielzahl von Chancen kreiert - aber zu wenig Vollstrecker-Qualitäten hat, wenn Werner nicht dabei oder in Topform ist, der ackernde Yussuf Poulsen nicht in Abschlusssituationen kommt oder Orban nach Standards nicht trifft. "Wenn wir in den verbleibenden 13 Spielen plus Pokal weiter so spielen, werden wir unsere Ziele erreichen." Frankfurt jedenfalls blieb den Beweis schuldig, dass sie Rasenballsport aus den Königsklassen-Rängen verdrängen können.

Fans protestieren nach Spielschluss weiter

Während im Bauch des Stadions in der Mixed Zone hinter dem Spielertunnel und dem Pressekonferenzraum das Spiel besprochen wurde, tönten immer wieder lautstarke Gesänge in die Katakomben. Auch eine Stunde nach Spielschluss waren immer noch etwa 300 Fans im Stadion, die lautstark skandierten: "Wir sind die Fans, die Ihr nicht wollt." Und: "Mintzlaff in den Block". Weil sich Vereinsvorstand Oliver nicht zeigte, versuchten sogar etwa zehn Anhänger, über den Zaun zu steigen und zum VIP-Raum zu gelangen. Ordner bezogen Stellung und hinderten sie daran.

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Mit dem Plakat bedanken sich die Leipziger Fans beim gekündigten Fanbeautragten.

(Foto: imago/Picture Point LE)

Während des Spiels hatten die Fans in Sektor B geschlossen auf Fahnen und Klubbanner verzichtet und ab der zwölften Minute Protestplakate gezeigt - eine Anspielung auf den zwölften Mann, als den sich die Supporter begreifen. Darauf stand adressiert an die Vereinsführung: "Wer viel verspricht, vergisst auch viel. Wir müssen reden - Dialog jetzt!" Und: "Capo weg, Timm weg. Ist es das, was IHR wollt?" Zudem forderten die ultraaffinen Fans: "Fanbetreuung neu besetzen!" Und es gab diverse Transparente mit der Aufschrift: "Danke Timm".

Hintergrund für die Fandemonstration ist die überraschende Kündigung des leitenden Fanbeauftragten Timm Merten, der in dieser Woche fristlos gekündigt hatte, weil er keine Perspektive mehr für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit gesehen hatte. Für viele aktive RB-Fans brachte die Personalie das Fass zum Überlaufen. In einem offenen Brief wurde von 24 Fanklubs und dem Fanverband so geschlossen und deutlich Kritik geäußert wie noch nie in der RB-Fanszene. Am Samstag wurde öffentlich, dass sich auch Capo Sebastian, seit neun Jahren Vorsänger im Block, eine Auszeit nimmt. Aus diversen Gründen, "aber das Thema Verein und Fans spielt dabei eine große Rolle", teilte er mit.

"Keine meinungslosen und stromlinienförmigen Konsumenten"

Die organisierten Anhänger fühlen sich in diversen Fragen nicht ernst genommen und "schon lange nicht mehr respektiert", wie es in dem Brief heißt. Und weiter: "Im eigenen Stadion werden wir uns ganz sicher nicht zu den meinungslosen und stromlinienförmigen Konsumenten machen lassen, als die uns andere Fanszenen gern verrufen." Dass in anderthalb Jahren drei Chef-Fanbeauftragte gehen mussten oder gehen wollten, ist Ausdruck der mangelnden Priorität, die Fanarbeit bislang im Klub hatte. Zudem hatte RB Leipzig Hausverbote unter anderem wegen Pyrotechnik-Vergehen ausgesprochen, ohne zuvor wie üblich eine Stadionverbotskommission einzuberufen. Unzufrieden sind die Fans auch wegen nicht genehmigter Transparente im Fanblock.

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Jede Menge aufgestaute Unzufriedenheit im Block.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Jede Menge aufgestaute Unzufriedenheit im Block, von der Klubboss Mintzlaff nichts weiß oder wissen will. Der "Mitteldeutschen Zeitung" hatte der Geschäftsführer gesagt: "Wir haben keinen Dissens mit den Fans. Ich habe nicht das Gefühl, dass es große Themen gibt, bei denen wir weit auseinanderliegen." Und: "Wir haben immer auf die Wünsche gehört, unseren Worten Taten folgen lassen, dennoch gibt es klare Spielregeln. Und die werden wir in unserem Wohnzimmer auch konsequent beibehalten." Für Montag hatte Mintzlaff bereits kurz vor Anpfiff des Spiels gegen Frankfurt Fanklubvertreter zu dem am Samstag verweigerten Dialog erneut ins Stadion eingeladen. Der Schwelbrand in der Leipziger Kurve wird sich jedoch sicher nicht durch ein Treffen löschen lassen.

Quelle: n-tv.de

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