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Mit den Patriots beim Super Bowl NFL-Star Gronkowski ist noch nicht fertig

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"Als hätte man ihm ein Klavier auf den Rücken geschnallt": Rob Gronkowski.

(Foto: imago/Icon SMI)

Rob Gronkowski hat eine miese Saison hinter sich, die nun dennoch mit dem dritten Super-Bowl-Ring enden könnte. Der Tight End der New England Patriots könnte zu einem Faktor im NFL-Finale werden. Nicht nur sein Quarterback Tom Brady freut sich darüber.

Neun Jahre sind im Profisport eine lange Zeit. Und in der NFL, der härtesten Liga der Welt, zählt ein Profijahr wohl zwei, eher drei Menschenjahre. Die Belastung ist für die Spieler dermaßen groß, dass sich die durchschnittliche Karriere eines Footballprofis nur über 3,3 Jahre erstreckt. Dann ist er verbraucht, verletzt oder wird von einem der Jahr für Jahr aus den Colleges nachrückenden "Young Guns" verdrängt. Nicht nur deswegen ist Rob Gronkowski, 29 Jahre alt, in seinem zehnten NFL-Jahr ein überdurchschnittlicher Profi, der allerdings eine unterdurchschnittliche Saison spielt.

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"Er hat sich den Arsch abgespielt, so wie schon die ganze Saison über."

(Foto: imago/UPI Photo)

Aber das wichtigste Spiel der Saison kommt ja erst noch. In der Nacht zum Montag (ab 0.30 Uhr unserer Zeit im Liveticker bei n-tv.de) kämpft er mit den New England Patriots gegen die Los Angeles Rams im Endspiel der National Football League um den Titel. Und gegen alle Wahrscheinlichkeiten ist Gronkowski beim Super Bowl in Atlanta vor 75.000 Zuschauern wieder mittendrin. "Danke", antwortete der Modellathlet jüngst gespielt empört einer Journalistin. Sie hatte gefragt, wie er sich im AFC Championship Game, dem Halbfinale der US-Meisterschaft, gefühlt habe - und dann ergänzt: "Eine solche Leistung haben wir von Ihnen schon lange nicht mehr gesehen."

Es war ein typischer Gronk, doch dieser Moment erzählt viel über seine Situation. Gronkowski habe den größten Teil der Saison gespielt, "als hätte man ihm ein Klavier auf den Rücken geschnallt", stand auf nfl.com. Die Nummer 87 der Patriots rackert sich in der Tat durch eine schwierige Saison, die meisten Pässe landen inzwischen woanders, zum Beispiel bei Wide Receiver Julian Edelman. Anstatt selbst angespielt zu werden, muss der 1,98 Meter große Gronkowski immer öfter seine gut 120 Kilo einsetzen, um den Running Backs, die per Laufspielzug Raumgewinn erzielen sollen, den Weg frei zu blocken. Darunter leiden seine Statistiken: Er fing nur Pässe für 682 Yards, drei Touchdowns sind die schwächste Ausbeute in der langen Laufbahn des Spielers, den die Patriots 2010 im Draft an 42. Stelle ausgewählt hatten. Tom Brady, der Superstar der Liga, ordnet das Jahr seines Freundes so ein: "Er hat sich den Arsch abgespielt, so wie schon die ganze Saison über", adelte der Quarterback seinen langjährigen Weggefährten nach dem 37:31 im Halbfinale gegen die Kansas City Chiefs. "Er ist da draußen und was immer wir von ihm verlangen, tut er mit großer Überzeugung."

Der Mann für den Unterschied

Nur 47 Mal spielte Tom Brady seinen Freund in der regulären Saison an, seltener kam das in Jahren mit mindestens zehn Partien nur in Gronkowskis erster Spielzeit 2010 vor. Und doch könnte die Achse mit Brady und Gronkowski gegen die Rams um ihren Quarterback Jared Goff noch einmal den Unterschied machen. Die Defense des Teams aus Los Angeles ließ in dieser Saison pro Spiel 67 Yard Raumgewinn durch die gegnerischen Tight Ends zu, das ist der viertschlechteste Wert der Liga. Schon im Spiel bei den Kansas City Chiefs suchte Brady seinen Tight End elfmal für sechs Completions. Als es drauf ankam, war Gronk wieder der "Go-to-guy": Während der letzten zwei Pats-Ballbesitzphasen holte er zwei First Downs für 25 und für 15 Yards Raumgewinn - beide Male endete der Drive mit einem Touchdown.

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Freund des Helfers: Tom Brady.

(Foto: USA TODAY Sports)

Die Zeiten, in denen Gronkowski Verteidiger einfach abschütteln konnte, sind zwar vorbei, aber der Passempfänger ist nach wie vor bereit für ein paar Schlüsselmomente. Und davon gibt es in einem Finale einige. Es dürfte sich lohnen, die Nummer 87 der Patriots in den entscheidenden Situationen des Super Bowl LIII im Auge zu behalten. Das weiß Brady, das wissen aber natürlich auch die Verteidiger der Rams.

Still here!

"We're still here" - das Motto, das Quarterback  Brady nach dem schon angestimmten Abgesang auf das erfolgreichste Team der letzten Dekaden leicht trotzig ausgegeben hat, gilt am offensichtlichsten für seinen Tight End. Nach der 2017er-Saison, das bestätigte Gronk im Herbst, stand er kurz vor dem Karriereende. Und das nicht etwa wegen einer der zahlreichen Verletzungen, die ihm in den letzten Jahren das Leben schwer machten, sondern weil die Verantwortlichen mit dem Gedanken gespielt hatten, den Spieler loszuwerden. Aber nicht mit Gronk: "Brady ist mein Quarterback. Ich gehe nirgendwohin ohne Brady." Er werde erst aufhören, wenn man ihn wegschickt. Damit war die Sache vom Tisch, stattdessen wurde der Vertrag des Routiniers leistungsbezogener und nicht zu seinem Nachteil gestaltet. Und so stehen sie nach einer harten Saison doch zum fünften Mal gemeinsam im Super Bowl.

Abschied nach dem Super Bowl?

Gronk ist einer der beliebtesten Spieler der NFL, die Fans lieben seine Selbstironie. Mal taucht er in Musikvideos auf, mal im Wrestlingring, mal liefert er sich ein Luftgitarrenduell mit Paul McCartney oder ein Dancebattle mit Ex-Basketballstar Shaquille O'Neal. Wenn es aber um das Spiel der Spiele geht, wird der Mann aus New York ernst. "Es geht darum, fokussiert zu bleiben. Überall lauern so viele Ablenkungen, rund um die Uhr gibt es Events. Aber wir fahren nur für einen Grund nach Atlanta: Um zu gewinnen!"

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"I don´t know."

(Foto: imago/Icon SMI)

Auf Fragen zu einem Karriereende nach dem Endspiel gibt er sich bedeckt: "I don't know", lautete die einfache Antwort Gronks beim Opening Event zu Super Bowl LIII, "ich weiß es nicht". Gut möglich aber, dass das nicht die ganze Wahrheit ist. Oder eher: Quatsch. Denn so locker und entspannt sich der Angreifer auch immer gibt, ein Hallodri ist er nicht: Seinen jüngeren Teamkollegen gibt er Finanztipps, von sich selbst sagte er in seiner 2015 erschienenen Autobiografie "It's Good to Be Gronk", er habe noch nie auch nur einen Cent seines Gehalts angerührt, stattdessen lebt der Multimillionär von seinen Sponsoreneinnahmen. Der Signing Bonus in Höhe von acht Millionen Dollar, den der damalige College-Spieler nach dem Draft schon vor seinem ersten NFL-Spiel erhalten hatte, liegt noch unangetastet auf der Bank. Statt auf Luxusklamotten und "Bling-bling" setzt der bald vielleicht dreifache Super-Bowl-Gewinner auf bequeme Hosen und Schuhe, seine Lieblingsjeans trägt er auch gerne sieben Tage am Stück. "Ich werfe sie natürlich mal in die Waschmaschine, so am dritten Tag etwa", sagte Gronkowski im August lachend auf CNBC.

Nach einem eher früher als später bevorstehenden Karriereende wird auch der sparsame Superstar aber mal ordentlich prassen: "Ich würde sagen: Ich werde vielleicht mal ein bisschen mehr ausgeben, wenn ich mal ein ganzes Jahr Zeit habe." Prassen im Gronk-Style eben. So oder so: Die lange Karriere des Rob Gronkowski geht ihrem Ende entgegen. Gut möglich, dass er sie mit seinem Quarterback Tom Brady im letzten Spiel der Saison mit einem grandiosen Finish abrundet. Und sich dann die Zeit nimmt, auf eine überragende Laufbahn zurückzuschauen.

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Quelle: n-tv.de

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