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"Ich habe Wunderdinge erwartet" Neureuther hadert - und kämpft weiter

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Will das Denken wieder abstellen: Felix Neureuther.

(Foto: imago/GEPA pictures)

Sein Comeback hat sich Skirennfahrer Felix Neureuther anders vorgestellt. Erfolg will sich nicht einstellen. Vielleicht verläuft ja das Rennen in Kitzbühel besser? Neureuther jedenfalls scherzt aufgrund des wetterbedingt veränderten Zeitplans, "dass nur 50 Prozent der Zuschauer besoffen" sein werden.

Die Laune von Felix Neureuther war schon mal schlechter in den vergangenen Wochen. Da schwankte er zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt, zwischen "was kostet die Welt?" und Weltuntergang, Tendenz zuletzt eher zu Letzterem. In Kitzbühel aber wirkte Neureuther im Vergleich zum Rennen am vergangenen Sonntag in Wengen wie verwandelt: Seine sportliche Lage ist kurz vor der Beginn der WM in Are/Schweden (5. bis 17. Februar) zwar stark verbesserungswürdig - aber das Kind im Manne ist noch da. Und das ist bei Neureuther ein gutes Zeichen.

Gleich nach seiner Ankunft in Kitzbühel machte sich Neureuther einen Spaß aus der Vorverlegung des Slaloms vom Sonntag auf den sonst für die Abfahrt reservierten Samstag. "Es ist das erste Mal in der Geschichte von Kitzbühel, dass nur 50 Prozent der Zuschauer besoffen sind und nicht 90 Prozent noch Restalkohol haben am Sonntag", sagte er mit gespieltem Ernst, grinste dann aber sein spitzbübisches Neureuther-Grinsen. Kurze Zeit später schickte er aus seinem Hotelbett ein lustiges Video zur Verlegung in die Sozialen Netzwerke. Das Kind im Manne hatte seinen Spaß.

Fokus liegt jetzt auf WM

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Ernst wird Neureuther freilich, wenn er auf seine sportliche Situation zu sprechen kommt. Da erwähnt er erst mal seine Vorgeschichte: Kreuzbandriss im November 2017, Trainingspausen im Sommer wegen einer Allergie, Rückenprobleme, Daumenbruch und Trainingssturz mit Gehirnerschütterung und Schleudertrauma. Die unangenehme Begleiterscheinung: Wer nicht Ski fahren kann, kann auch kein Material testen, kann Schuhe, Bindung, Bindungsplatte und Skier nicht auf die eigene Fahrweise und die Bedingungen abstimmen, die sich im Laufe eines Winters ergeben. "Ich konnte mich nicht weiterentwickeln", erklärt Neureuther, und dann hat er sich auch noch blenden lassen vom ersten Lauf im Slalom von Saalbach-Hinterglemm wenige Tage vor Weihnachten, seinem ersten seit November 2017: Er fuhr die viertbeste Zeit, fiel im Finale aber auf Platz 27 zurück. In den folgenden Rennen belegte er die Ränge 8, 8, 15 und 17. Ja, gibt er zu, "auch ich habe von mir Wunderdinge erwartet".

Aber weil das Comeback eben nicht wundersam war, begann Neureuther nachzudenken. Aber: Wer im Slalom nachdenkt, ist immer zu spät dran. Es kommt hinzu: Schlechte Platzierungen resultieren in höheren Startnummern und damit schlechteren Pistenbedingungen. Aus der Startgruppe der besten Sieben der Welt ist Neureuther schon rausgeflogen, weiteres Abrutschen droht. "Und dann fängst du schon das Denken an, was eigentlich Blödsinn ist, weil ich schon so viel erlebt habe, und dann wirst du immer passiver."

Und so geht's halt nicht mehr, wenn er konkurrieren will mit den jungen Wilden, "die attackieren wollen". Einfach "solide runterfahren ohne Fehler bringt dir heute nichts mehr". Sein Fokus, sagt Neureuther, liege jetzt "natürlich auf der WM". Dort, bekräftigt er, "soll und will ich abliefern". Aber: "Der Weg dorthin ist nicht einfach, wenn du so viele Probleme gehabt hast." Noch aber lebt das Kind im Manne.

Quelle: n-tv.de, Thomas Häberlein, sid

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