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Proteste gegen Skandalschwimmer Sun siegt und rastet bei Siegerehrung aus

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Der Brite Duncan Scott reiht sich in den öffentlichen Protest gegen Sun Yang ein.

(Foto: REUTERS)

Beim Chinesen Sun Yang schwimmt bei der Weltmeisterschaft die Aufregung um eine zerstörte Dopingprobe mit. Starten darf er trotzdem und gewinnt über 200 Meter Freistil seine zweite Goldmedaille. Bei der Siegerehrung meidet ihn ein Konkurrent, er erntet Buhrufe - und rastet aus.

Er gewann dank Disqualifikation seines litauischen Gegners das nächste Gold und rastete dann bei der Siegerehrung aus: Sun Yang sorgte bei der Schwimm-Weltmeisterschaft im südkoreanischen Gwangju erneut für einen Eklat. Auf dem Siegerpodest reckte er die Arme in die Höhe, schritt dann in Richtung der beiden Drittplatzierten. Dem Russen Martin Maljutin gab er die Hand, in Richtung des Briten Duncan Scott brüllte der 27-Jährige etwas und ballte die Faust. Scott blieb cool - und drückte sein Missfallen auf andere Art aus. Beim Siegerfoto hielt er Abstand, die Ehrenrunde der Medaillengewinner machte er hinter den anderen dreien lieber alleine. Laute Buhrufe vor allem von der Athletentribüne begleiteten die Zeremonie. Wie zuvor schon der Australier Mack Horton wollte auch der Europameister nicht auf das obligatorische Foto mit dem Dopingsünder. Der Weltverband FINA entschied daraufhin, Sun Yang und Scott schriftlich zu ermahnen, wie er nach dem Rennen mitteilte.

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Bereits im Wasser hatte Sun nach seinem insgesamt elften WM-Gold viele Zuschauer gegen sich aufgebracht. Der Litauer Danas Rapsys hatte auf Paul Biedermanns Weltrekordstrecke 200 Meter Freistil als Erster angeschlagen. Auf der Anzeigetafel erschien zunächst der Name des Vizeeuropameisters als Sieger, doch Sekunden später blinkte "DSQ" (Disqualifikation) auf. Rapsys hatte nach Angaben des Weltverbands Fina vor dem Start auf dem Block gezuckt.

Sun jubelte demonstrativ mit ausgebreiteten Armen, Buhrufe der internationalen Zuschauer und der Schwimmer auf den Rängen mischten sich mit Jubelschreien der chinesischen Fans. "Mein Sieg war harte Arbeit", sagte der dreimalige Olympiasieger: "Ich habe weiter gekämpft und auch nicht aufgegeben, als ich Zweiter war." Die offizielle Pressekonferenz fiel danach aus, weil sich Suns Dopingkontrolle in die Länge zog.

"Opfer sind die ehrlichen Hochbegabten"

Suns WM-Start ist höchst umstritten, weil der Dopingsünder von 2014 in eine neue Affäre verwickelt ist. Nach der WM droht dem 27-Jährigen vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas eine nachträgliche Sperre. Einer seiner Gefolgsleute soll im Vorjahr eine Dopingprobe mit dem Hammer zerstört haben. Von der Fina war er dafür nur verwarnt worden. Der deutsche Leistungssportdirektor Thomas Kurschilgen kritisierte den Verband dafür. "Meiner Meinung nach trägt die Haltung der Fina derzeit leider so nicht zu einem glaubwürdigen Kampf gegen Doping und zu einem unumstrittenen sauberen Schwimmsport bei", sagte Kurschilgen. "Opfer sind dabei die ehrlichen Hochbegabten, denen immer weniger begeisterte Schwimmfans glauben, dass sie ihre Leistungen manipulationsfrei erbringen."

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Nach Suns WM-Sieg über 400 Meter Freistil hatte sein australischer Rivale Horton bereits aus Protest den Gang aufs Podium, den Handschlag und das gemeinsame Foto der Medaillengewinner verweigert. Von der Fina wurde der Olympiasieger dafür verwarnt. Aus dem Athletenkreis dagegen erfuhr er viel Solidarität. "Ich bin froh, dass endlich mal jemand ein Zeichen gesetzt hat", hatte der deutsche Athletensprecher Jacob Heidtmann gesagt. Zu Sun meinte er: "Dass der hier schwimmt, ist eine Frechheit für alle sauberen Athleten, für jeden, der für den sauberen Sport einsteht. Das ist ein Schlag ins Gesicht."

Auf seinem Instagram-Account erhielt Horton Morddrohungen gegen sich und seine Familie. "Sie waren ziemlich übel", sagte sein australischer Teamkollege Jack McLoughlin: "Die wünsche ich nicht meinem ärgsten Feind." Horton wählte seine Worte nach den Vorläufen über 800 Meter Freistil, bei denen sich die Wege der Rivalen erneut kreuzten, sorgfältig: "So sehr ich den Sport schützen möchte, ich muss auch das Team schützen. Der Fokus liegt jetzt auf den Leistungen der Mannschaft und darauf, dass wir durch diese Woche kommen."

Quelle: n-tv.de, ara/sid/dpa

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