DFB-Verlierer der Vorrunde

Klopp tritt kurz aus dem Schatten, Goretzka hat Pech

us-passbildVon Sebastian Schneider, New York/New Jersey
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In Houston vor dem ersten Spiel gab es viel zu bereden - und zu entschuldigen. (Foto: picture alliance / Matthias Koch)
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25.06.2026 | 17:13 Uhr

Zwei Spiele, zwei Siege: Besser konnte die Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann kaum in diese Fußball-Weltmeisterschaft starten. Die DFB-Elf entwickelt gerade einen neuen Teamgeist, einige stechen schon jetzt heraus. Vor dem dritten Gruppenspiel ein Blick auf diejenigen, für die es noch nicht die beste WM aller Zeiten ist.

Drei Quali-Stammkräfte

Für Leon Goretzka muss es eine seltsame Saison gewesen sein. Beim FC Bayern kam der 31-Jährige immer dann erst zum Einsatz, wenn es nicht (mehr) wichtig war. Und im DFB-Team? Da spielte Goretzka fast die gesamte WM-Qualifikation durch, war ein Fixpunkt im System von Julian Nagelsmann.

Der Kontrast verwunderte vor allem die Beobachtenden. Die Nachfragen beantwortete der Bundestrainer immer damit, dass Goretzka bei ihm eine andere, deutlich offensivere Rolle als bei den Münchnern spielt. Der Mittelfeldspieler durfte sich sogar die Hoffnung machen, ein zentraler Faktor bei seiner dritten Weltmeisterschaft zu sein.

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Doch es kam anders. Kurz vor dem Turnier (und vor allem noch rechtzeitig) gab Felix Nmecha sein Comeback nach langer Verletzungspause. Nagelsmann legte sich vor der WM fest, dass seine Doppelsechs aus Aleksandar Pavlovic und Nmecha bestehen soll. Obwohl beide vor der unmittelbaren Turniervorbereitung kaum Spielzeit miteinander hatten.

Zudem hat Jamal Musiala seinen Stammplatz im offensiven Mittelfeld zurück. Damit ist Goretzka seither außen vor. Immerhin hatte er seinen Moment in der Nachspielzeit gegen die Elfenbeinküste, als er einen gefährlichen Konter verhinderte.

Trotzdem steht Goretzka vor einem Sommer der Ungewissheit. Bei der WM bekommt er bislang nur wenig Aufmerksamkeit. Sein Vertrag bei den Bayern läuft in fünf Tagen aus. Einen neuen Arbeitgeber hat er (zumindest öffentlich bekannt) noch nicht gefunden.

Für David, vom Bundestrainer "Davide" genannt, Raum ist es ein bisschen das Goretzka-Szenario - nur ohne die Zukunftssorgen. Der 28-Jährige führt die DFB-Elf als Linksverteidiger durch die holprige WM-Quali, um dann auf den letzten Metern doch noch ersetzt zu werden.

Statt Raum spielt nun (wenn er fit ist) Nathaniel Brown auf der linken Defensivseite. Und wie: Der 23-Jährige ist vielleicht der auffälligste DFB-Spieler (mal abgesehen von Deniz Undav) der ersten beiden WM-Partien. Der FC Bayern hat das geahnt und sich laut Berichten schon während des Turniers für die kommende Saison seine Dienste gesichert.

Und Raum? Der nimmt die Rolle als Backup glaubhaft an. Für ihn sei es nicht schwer, sondern er versuche, daran zu wachsen, sagte Raum bei "t-online". Dem Bundestrainer will er es so schwer wie möglich machen, sagte er noch zu Turnierbeginn. Danach wartet die nächste Überraschung, wie er selbst in dem Interview sagte: Leipzig-Kapitän Raum hat in seinem Klub einen neuen Trainer bekommen. Martín Demichelis übernimmt bei RB für Ole Werner.

Nick Woltemade ist tatsächlich da, bei der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko. Er wurde schon mehrfach in den WM-Stadien gesichtet, auch auf den Social-Media-Kanälen des DFB-Teams. Nur auf dem Feld hat er (bis jetzt) noch keine einzige Minute bekommen. Klar, es waren erst zwei Spiele. Doch Nagelsmann scheint ihn nicht wirklich als Joker für Kai Havertz zu sehen, diese Rolle erfüllt Undav unnachahmlich.

Das bedeutet aber, dass der Angreifer, der der DFB-Elf zur WM-Qualifikation verhalf, bislang eine Rolle als Bankspieler fröhnt. Denn Havertz braucht nach seiner verletzungsreichen Rückrunde die Spielpraxis - was eine schlechte Nachricht für Woltemade ist.

Die Experten-Riege

Für einen Moment wagte sich Jürgen Klopp aus dem Dasein als Schattenbundestrainer hervor. Julian Nagelsmann mache "noch, noch" die Aufstellung, flachste er gemeinsam mit Thomas Müller vor dem WM-Eröffnungsspiel bei Magenta, als beide ihre Wunschaufstellung erstellten. Müller witzelte, dass Klopp gedanklich schon im September sei. Und alle haben einmal gelacht.

Viel zu lachen gab es allerdings nicht: Klopp kroch später zu Kreuze und entschuldigte sich lang und ausführlich bei Nagelsmann. Der fade Beigeschmack bleibt: Klopp wurde so oft mit dem Bundestrainer-Posten in Verbindung gebracht, dass er sich seiner Schattenrolle eigentlich bewusst sein muss. Man kann ihm auch nicht unterstellen, komplett medienunerfahren zu sein. Ein unglücklicher Auftritt. Immerhin reagierte Nagelsmann richtig - und sagte nichts dazu.

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Hinzu kommt, was sich gerade in Klopps eigentlichen Job derzeit abspielt. Als "Head of Football" wirkte er Berichten zufolge mächtig an der Demission von Ole Werner bei RB Leipzig mit. Der wiederum wunderte sich über den Zeitpunkt der Entlassung (keine Chance, sich zu verabschieden), seine Spieler ebenfalls (siehe David Raum). Und mögliche Nachfolger (Oliver Glasner, berichtet die "Sport Bild") soll Klopp mit seiner Aura auch noch verschreckt haben.

Seine Kritik an Julian Nagelsmann funkte Uli Hoeneß kurz vor dem Turnier über alle möglichen Kanäle: Er kenne die Mannschaft nicht, wer spielt da überhaupt? Die Startelf wechselt doch häufiger als die Werbereklamen am Times Square! Und siehe da: Der Bundestrainer schraubt, wenn es darauf ankommt, an der Startelf nicht mehr herum, sondern lässt ein funktionierendes Team weiter arbeiten. Bei der Qualifikation war das ja auch schwierig, zwischen den Länderspielpausen lagen meist Wochen - in denen sich Protagonisten verletzt haben.

Selbst in dem völlig egalen Ecuadorspiel (22 Uhr/ZDF, Magenta und im ntv.de-Liveticker) hält Nagelsmann an seiner ersten Elf fest - und verteilt die Belastung zumindest nicht schon zu Spielbeginn auf mehrere Schultern. Einen Tag vorher spricht er sogar die Hoeneß-Kritik (eines der "entscheidesten Themen" vor dem Turnier) an, ohne seinen ehemaligen Chef mit dem Namen zu nennen. Man könnte deshalb auch argumentieren, dass Hoeneß vielleicht ein Gewinner ist, weil er Nagelsmann seine Experimentierwut (fürs Erste) ausgetrieben hat.

Verwendete Quelle: ntv.de