Fußball

FC Bayern, Flick & Verwunderung Ein immer eigenartigeres Schauspiel

Münchens Trainer Hansi Flick guckt auf die Uhr. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa/archivbild

Zeit abgelaufen?

(Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa/archivbild)

Die sportliche Beziehung zwischen dem FC Bayern und Hansi Flick ist sehr erfolgreich. Niemand wird das bezweifeln. Atmosphärisch dagegen ist diese Beziehung eigenartig unharmonisch. Das liegt auch an einem nicht nachvollziehbaren Schlingerkurs.

Dieser Hansi Flick, das ist einer! Ein richtig Guter. So sagen sie beim FC Bayern. Und so einen gibt man freilich nicht einfach her. Auch nicht an den Deutschen Fußball-Bund, der natürlich immer interessiert ist, den besten Coach (aktuell wird das allerdings von vielen Seiten bezweifelt) für das wichtigste Team der Nation (aktuell wird das allerdings von vielen Seiten bezweifelt) zu beschäftigen. Aber in diesem Fall wird das nichts, wie es schon im Fall von Jürgen Klopp nichts wurde. Einzig einen Unterschied gibt es. Klopp hat persönlich erklärt, dass er nicht zur Verfügung steht. Die Absage von Flick kommt dagegen vom FC Bayern, seinem aktuellen Arbeitgeber.

Abermals erklärte nun Alphaboss Karl-Heinz Rummenigge, dass der DFB die Nachfolge von Joachim Löw ohne den Trainer des Rekordmeisters regeln müsse. Im Wortlaut gegenüber dem Magazin "The Athletic" heißt es dann so: "Sie werden ohne Hansi planen müssen. Meine Erfahrung sagt mir, dass Trainer, die bei Bayern gut arbeiten, gepflegt und langfristig gehalten werden müssen." Nun ist die Lage so: Die Münchner haben ihren überaus erfolgreichen Übungsleiter - sechs Titel in anderthalb Jahren - mit einem Vertrag bis 2023 am Haken. Von einer möglichen Klausel zu einem vorzeitigen Ausstieg ist nichts bekannt. Bedeutet also: Der bereits gut ausgetretene Titel-Pfad wird gemeinsam weiter bestritten. Tja, wenn das doch so einfach wäre.

Denn so zufrieden die Münchner mit der Arbeit des Trainers sind (wenig überraschend), so unzufrieden soll der mit den Bedingungen seiner Arbeit beim Klub sein. In der sich zu einem bizarren Schauspiel aufbauenden Epos legt die "Sport Bild" nun die Erkenntnis offen, dass sich Flick ernsthaftere Gedanken um seine Zukunft in der bayrischen Landeshauptstadt mache. Dabei soll es ihm aber weniger um das schon reizvolle Amt beim DFB gehen, als um das offenbar immer noch angespannte Verhältnis zu Sportvorstand Hasan Salihamidžić. Trotz medienwirksam verkündeter Versöhnung - inklusive Entschuldigung des Trainers.

Fakt ist: Ein unmissverständliches Bekenntnis zum Klub vermeidet Flick seit Wochen. So auch direkt vor dem Champions-League-Duell gegen Paris St. Germain an diesem Mittwochabend. Trotz mehrfacher Nachfrage, ließ der 56-Jährige eine klare Antwort zu seiner Zukunft bei Sky wieder offen. "Jedes Mal das Gleiche, sie können mich immer wieder fragen. Ich habe alles dazu gesagt." Nur eben kein "Ja, ich bleibe." Auch Salihamidžić konnte kurz danach die anhaltenden Zweifel nicht ausräumen. Im Gegenteil: Seine seltsamen und ausweichenden Antworten über ja bereits "bekannte Vertragslaufzeiten" und eine "sehr gute Zusammenarbeit" befeuerten weitere, wilde Spekulationen. Sky-Experte Lothar Matthäus ist sich derweil sicher, dass es zur Trennung kommen wird.

Am Wochenende hatte auch der designierte Bayern-Chef Oliver Kahn Aussagen zur Zukunft von Flick über die aktuelle Saison hinaus vermieden. "Ich habe in den vergangenen Wochen das eine oder andere Gespräch mit Hansi gehabt und konnte in diesen Gesprächen nicht feststellen, dass er da große Tendenzen hat, was die Nationalmannschaft anbelangt." Aber sonst?

Transfer- und Kaderplanung bleibt Zoff-Thema

Für Ärger sorgt das immer wiederkehrende Thema rund um die Transfer- und Kaderplanung. Dass sich Flick mehr Mitspracherecht wünscht, ist schon länger bekannt. Spieler werden ohne seine Expertise geholt und abgegeben. So wie Thiago in vergangenen Saison, David Alaba nach dieser Spielzeit und nun wohl auch Jérôme Boateng (auch nach dieser Spielzeit), zu dem der Trainer eine ganz besondere Beziehung pflegt. Nicht nur wegen des 2014 in Brasilien gemeinsam gewonnenen WM-Titels. Nicht nur wegen der erfolgreichen Wiederauferstehung des 32-Jährigen nach schwachen Jahren mit gewaltigen Entfremdungstendenzen zwischen Spieler und den Klub-Bossen um Rummenigge und Uli Hoeneß. Salihamidžić beharre derweil in der Transfer- und Kaderplanung unbeeindruckt auf seiner Hauptverantwortlichkeit, so die "Sport Bild".

Mehr zum Thema

Die Hauptverantwortlichkeit für alle Belange der Mannschaft und der Spieler hingegen beansprucht Flick ja derweil bereits länger für sich. Immer wieder hatte er unnötige Einmischungen beklagt. Besonders im Fall des frustrierten Ersatztorwarts Alexander Nübel, dem Einsätze versprochen worden sein sollen (vom Sportvorstand), die er nicht bekommt (vom Trainer). Zuletzt hatte sich auch Patriarch Hoeneß am RTL-Mikrofon eingemischt und nonchalant ein paar Spiele für Nübel gewünscht. Und Hoeneß, der den Aufstieg von Salihamidžić beim FC Bayern vorangetrieben hat, soll auch dessen Meinungsstabilität in der Transferplanung stützen. Der Trainer ist eben ein Angestellter und muss mit dem bereitgestellten Personl arbeiten. Mehr Peitsche für die Mitsprache-Ambitionen von Flick geht wohl kaum.

Aber nicht nur die Peitsche knallt, auch ein wenig Zuckerbrot wird gereicht. Auch von Hoeneß. "Es ist doch völlig hirnrissig, darüber nachzudenken, sowohl für Hansi als auch für uns", befand er Anfang Februar im Bayerischen Rundfunk. "Er fängt ja gerade erst an, eine große Karriere als Trainer zu machen." Und Rummenigge scheut sich nun auch nicht, den denkbar schönsten Schmeichel-Vergleich herzunehmen. Den Sextuple-Gewinner vergleicht er mit Triple-Trainer-Legende Jupp Heynckes. Der Hansi habe schließlich "die gleiche Philosophie und das gleiche Einfühlungsvermögen" wie Heynckes, sagte Rummenigge: "Ich habe zu ihm gesagt: 'Du könntest der Bruder von Jupp sein oder sein Sohn. Such's dir aus'." Ein eigenartiger Schlingerkurs.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.