Fußball

Zu viele Pläne gegen den Coach Wie der FC Bayern Flick zum DFB treibt

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Frust-Flick.

(Foto: imago images/Picture Point LE)

Hansi Flick und der FC Bayern werden sehr wahrscheinlich wieder Deutscher Meister werden. Und sie werden vielleicht auch in der Champions League wieder erfolgreich sein. Und dennoch droht der Bruch dieser Erfolgsbeziehung – auch wegen Jérôme Boateng.

Hansi Flick ist wieder einmal genervt. Und wieder einmal wegen einer Personalentscheidung bei seinem FC Bayern. Der (FC Bayern) soll ja tatsächlich und endgültig beschlossen haben, dass Jérôme Boateng München im Sommer verlassen muss. Dabei geht es freilich nicht um eine geopolitische Verbannung, sondern um eine sportliche Verdrängung. Nach zehn Jahren findet der Rekordmeister keine Verwendung mehr für den 32-Jährigen. Nach zehn Jahren geprägt von wahnsinnigen Erfolg, von skurrilen Miss- und Unverständnissen, von einer beeindruckenden Wiederauferstehung und wütend begleiteten Entfremdung zwischen Klub und Spieler ist es vorbei. Diese Endgültigkeit hat der "Kicker" am Ostermontag platziert. Offiziell bestätigt ist nichts. Aber wer mag nach den Medienberichten der vergangenen Monate noch daran glauben, dass es anders kommt?

Womöglich Flick. "Ich weiß nicht, wie so etwas an die Medien gelangt", befand der Trainer des FC Bayern am Tag vor dem Champions-League-Duell mit Paris St. Germain. Er befand das nicht einfach so, er war dabei reichlich aufgewühlt. "Ich weiß nicht, ob ich immer alles kommentieren muss, was in den Medien steht. Ob die Meldung des "Kicker" nun tatsächlich stimme, das würden dann "die kommenden Wochen zeigen". Grundsätzlich sei es ja so, dass jeder wisse, wie er zum "Jérôme" stehe, dass jeder wisse, "welche Qualität er hat." Nun, der eine sagt so (Flick), der andere so (die Verantwortlichen). Qualität hat ihren Preis - und der ist für die Münchner im Fall von Boateng wohl nicht (mehr) verhältnismäßig.

Nun könnte man den Dissens um einen alternden Weltmeister einfach abwischen und sagen: Was soll's. Kommt halt ein Neuer. Der ist mit Dayot Upamecano ja auch schon verpflichtet. Und was soll man sagen: Schlecht ist der Abwehrchef von RB Leipzig nicht. Aber die Sache ist halt nicht ganz so leicht. Denn Personalentscheidungen des Klubs sind derzeit eher selten im Sinne des Trainers. Da wäre der Abgang von Boateng, den er sportlich wieder relevant gemacht hatte und der als enger Vertrauter des Coaches gilt, nur der nächste Verlust, der Flick öffentlich missfällt. Schon bei David Alaba hatte er sich ganz klar auf der Seite des Spielers positioniert, der im Ringen um die größtmögliche (finanzielle) Anerkennung als einer der absoluten Topstars im Kader offenbar reichlich zu hoch gepokert hatte. Auch Ivan Perisic hätte Flick nach der Triple-Saison gerne behalten. Und natürlich Thiago. Wobei der Spanier ja unbedingt weg wollte - immerhin mal ein Abgang ohne Schuldigen.

Zu viele Missverständnisse im Kader

Was Flick damals mehr erzürnte: Er bekam für Thiago nicht den Ersatz, den er haben wollte. Da ging es (medial) weniger um einen großen Namen, als um die Gleichwertigkeit in Sachen Qualität. Und das gelang mit Marc Roca im späten Blitzrausch auf dem Transfermarkt nicht. Auch Douglas Costa war nicht das, was auf Ivan Perisic hätte folgen sollen. Und Bouna Sarr als Alternative für die rechte Abwehrseite, nun, den hat man längst vergessen. So wie zuvor Álvaro Odriozola, der mit 179 Einsatzminuten (!) für den FC Bayern in den Annalen vermerkt ist. Flick muss bei den für ihn entscheidenden Personalien immer wieder erkennen, dass sein Wort im Zweifel ungehört bleibt. Das von ihm eingeforderte Mitspracherecht bei Transfers hat er nie bekommen, Spieler werden ohne seine Expertise geholt und abgegeben. Dass angesichts dessen bereits sechs von sechs möglichen Titeln in der Zusammenarbeit zwischen Coach und Klub herausgearbeitet wurden - absolut bemerkenswert!

Und natürlich wird die Sammlung noch ergänzt. Mindestens mit einer Trophäe. Der nächsten deutschen Meisterschaft nämlich, es wird die 31., die neunte in Folge. Die (zarte) Illusion auf ein Ende der ewigen Dominanz wurde am Wochenende jäh zerstört, als die Münchner mit RB Leipzig den letzten Verfolger in einem "Witz ohne Pointe" herspielten. Womöglich kommt es auch in der Champions League zum Titel-Déjà-vu. Aber was kommt dann? Nun, man könnte das Thema einfach abwischen und sagen: eine neue Saison mit weiteren Titeln. Aber die Sache ist halt wieder mal nicht ganz so leicht.

Denn dem Trainer des FC Bayern wird bereits eine wunderschöne Rose (nun, vielleicht ist sie in diesen Tagen nicht ganz so wunderschön) hingehalten. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB), mit dem Flick als Assistent 2014 in Brasilien bereits Weltmeister geworden war, soll den 56-Jährigen ja zum ersten Bundes-Hansi machen wollen. Als Nachfolger von Joachim Löw, der sich nach der EM im Sommer zurückzieht. Der Klub hat diesem Gebahren nicht tatenlos beigewohnt, sondern diese Rose höflich entfernt. Er bedankte sich beim DFB, dass dieser sich bei der Suche nach einem neuen Cheftrainer an gültige Verträge hält - Flick ist noch bis 2023 gebunden - und befriedete den schwelenden Ewigkeits-Zoff zwischen Trainer und Sportvorstand Hasan Salihamidzic mit einer öffentlichen Entschuldigung des Übungsleiters. Zweifel ob der Stabilität des Friedenspakts sind indes angebracht. Aber: Die Machtfrage in München, sie war damit eindrücklich geklärt. Nicht zu Gunsten von Flick. Bei den Bayern ist und bleibt der Trainer eben nur ein Angestellter.

Auch Hoeneß mischt sich ein

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Nun hatte der tatsächlich wieder und wieder kleine Feuer gelegt. Immer wieder hatte er seinen Unmut über Entscheidungen und Einmischungen, ganz besonders beim Reizthema Alexander Nübel, geäußert. Zuletzt hatte sich Klub-Patriarch a. D., Uli Hoeneß, in seiner Rolle als RTL-Experte eingemischt und sich ganz nebenbei ein paar Spiele für den so frustrierten Torwart gewünscht (und übrigens auch noch Boateng in der DFB-Team-Debatte aus dem Kader empfohlen). Adressiert war die Nübel-Botschaft direkt an den allesspielenden Manuel Neuer, der von Flick gegen das Aufmucken des Reservisten stets vehement verteidigt wurde. Adressiert war die Botschaft also indirekt auch an Flick (auch der Boateng-Satz stieß ihm mächtig auf). Was für eine skurrile Situation.

In jedem Statement machen die Bosse klar, dass sie ihren Trainer behalten wollen. Der wiederum vermeidet seit Wochen ein klares Bekenntnis zum Verbleib in München. Selbst auf Nachfragen. Was ihn übrigens mächtig nervt. Mit ihren Handlungen tragen die Bosse auch dazu bei - und arbeiten gefühlt gegen ihre eigenen Statements. Ein Kader gegen den Willen des Anleiters - so etwas würde es bei der Nationalmannschaft nicht geben. Und so wäre zumindest für Flick eine weitere Zusammenarbeit mit Boateng möglich…

Quelle: ntv.de

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