Fußball

FC Bayern im CL-Achtelfinale Flick krampft sich zu Premieren-Sieg

imago44421851h.jpg

Erleichterung pur: In einer zähen Partie bejubeln Interimstrainer Hansi Flick und Sportdirektor Hasan Salihamidzic das 1:0 des FC Bayern gegen Olympiakos Piräus.

(Foto: imago images/ActionPictures)

Verdient aber bieder gewinnt der FC Bayern München die Premieren-Partie von Kovac-Nachfolger Hansi Flick. In einem müden Champions-League-Spiel hat der deutsche Rekordmeister gegen Olympiakos Piräus die besseren Chancen, aber kann kaum Tempo und Kreativität auf den Platz bringen.

Dank Torgarant Robert Lewandowski und Joker Ivan Perisic hat Aushilfs-Chef Hansi Flick seinen ersten Auftrag erfüllt. Ein taktisch und personell neu ausgerichteter FC Bayern München mühte sich im Premierenspiel des Interimstrainers mit einem 2:0 (0:0) gegen Olympiakos Piräus ins Achtelfinale der Champions League. Mit seinem 21. Pflichtspieltor der Saison erlöste Lewandowski in der 69. Minute im ersten Spiel nach Niko Kovac vor allem den beförderten Flick, Perisic machte Sekunden nach seiner Einwechslung alles klar (88.).

München - Piräus 2:0 (0:0)

Tore: 1:0 Lewandowski (69.), 2:0 Perisic (89.)
FC Bayern München: Neuer - Pavard, Martinez, Alaba, Davies - Kimmich, Goretzka (82. Tolisso) - Gnabry (88. Perisic), Müller, Coman (91. Coutinho) - Lewandowski; Trainer: Flick.
Olympiakos Olympiakos: Jose Sa - Elabdellaoui, Ruben Semedo, Meriah, Tsimikas - Bouchalakis (71. Valbuena) - Guilherme, Camara - Daniel Podence (79. El-Arabi), Randjelovic (61. Masouras) - Guerrero; Trainer: Martins.
Schiedsrichter: Raczkowski (Polen)
Zuschauer: 70.000 (ausverkauft)

Der Auftritt des deutschen Fußballmeisters vor 70.000 Zuschauern im ausverkauften Münchner Stadion dürfte Borussia Dortmund vor dem Bundesliga-Topspiel am Samstag (ab 18.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) aber nicht in Angst und Schrecken versetzt haben. "Wir hatten 27 Torschüsse. Ich war mit der Mannschaft zufrieden. Wir haben den Gegner immer wieder unter Druck gesetzt und waren dominant. Wir haben uns in der zweiten Halbzeit mit den zwei Toren belohnt", sagte Flick dem Bezahlsender Sky.

Zu seiner eigenen Situation wolle er nichts sagen: "Es interessiert mich überhaupt nicht, was nach dem Samstag passiert. Ich genieße es aktuell, weil die Mannschaft hervorragend arbeitet." Die positivste Erkenntnis für ihn war, dass vier Tage nach dem 1:5 in Frankfurt gegen total harmlose Griechen hinten die Null stand. "Wir haben eine gute Leistung gezeigt und unser Spiel durchgezogen. Wir haben uns die Griechen zurechtgelegt, sie mussten viel ackern. Es war ein gutes Spiel von uns", sagte Kapitän Manuel Neuer. Und endlich hatte der Torhüter mal keinen Treffer kassiert: "Für unser Selbstbewusstsein in der Defensive ist das sehr wichtig."

Lewandowski - wer sonst?

Flick setzte Zeichen und nahm drei Umstellungen vor. Am markantesten war es, die unter Kovac gesetzten Philippe Coutinho und Thiago draußen zu lassen. Im Abwehrzentrum ersetzte Javier Martínez den gegen Dortmund gesperrten Jérôme Boateng. Joshua Kimmich spielte wie bei Bundestrainer Joachim Löw im deutschen Nationalteam im Mittelfeld. Doch auch Flick vermochte nicht, die Bayern auf Knopfdruck zu alter Stärke zu führen. Über weite Strecken wirkte das Spiel gehemmt. Es fehlte an Schwung und Kreativität. Nach den vielen Gegentreffern zuletzt waren die Bayern auf Fehlervermeidung ausgerichtet.

Über ein einfaches Passspiel sollte die Sicherheit zurückkehren. Ungeachtet der hohen Ballbesitzquote mangelte es gegen die limitierten Griechen aber an Inspiration und Entschlossenheit, auch die Flanken blieben häufig zu unpräzise. Allzu viele Tormöglichkeiten sprangen in der ersten Halbzeit nicht heraus. Kingsley Coman scheiterte nach einem tollen Tempo-Dribbling an Torhüter José Sá (34.), dazu traf Benjamin Pavard mit einem verunglückten Kopfball nach Ecke von Kimmich den Pfosten (45.).

*Datenschutz

So blieben die Münchner erstmals seit September 2014 in einem Königsklassen-Gruppenspiel vor heimischem Publikum in der ersten Halbzeit ohne Torerfolg. Entsprechend ernüchtert schauten die Bayern-Bosse auf der Tribüne drein. Dabei war Piräus alles andere als ein Gegner von internationalem Format. Die Griechen agierten aus einer kompakten Defensive heraus und hofften auf den ein oder anderen Konter - mit geringem Erfolg. So resultierte der einzige Torschuss im ersten Durchgang von Lazar Randelovic aus einem Fehler von David Alaba (16.).

Zur zweiten Halbzeit erhöhten die Münchner ein wenig das Tempo, was gleich zu einer Großchance durch Leon Goretzka führte, der allerdings aus kurzer Entfernung Torhüter Sá anköpfte (50.). Der Keeper erwies sich auch bei einem Schuss von Coman als sicherer Rückhalt (60.). Kurz darauf war aber auch der starke Keeper geschlagen. Nach Flanke von Coman war Lewandowski zur Stelle. Wer sonst auch? Für den Polen war es bereits das 21. Tor im 16. Pflichtspiel in dieser Saison. Zugleich löste sich ein wenig die Verkrampfung. Coman (71.) und Alphonso Davies (74.) hatten in der Folge weitere Großchancen. Perisic sorgte schließlich für die Entscheidung.

Das ganz große Bewerbungsschreiben für ein dauerhaftes Engagement von Flick auf der Bayern-Bank war es nicht. "Das war nicht das Höchste der Gefühle, aber jeder hat gesehen, dass wir da waren", sagte Thomas Müller. Bei der Suche des neuen Trainers will sich der Meister aber "nicht unter Druck setzen lassen". Das sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic. "Wir versuchen, eine gute Entscheidung zu treffen. Wir werden uns die Zeit nehmen."

Quelle: n-tv.de, Klaus Bergmann, Christian Kunz und Stefan Tabeling, dpa

Mehr zum Thema