Fußball

"Größter Fehler meiner Karriere" Neururer lässt Klub-Zerwürfnis eskalieren

imago41168814h.jpg

Peter Neururer fühlt sich in Wattenscheid absolut nicht mehr wohl.

(Foto: imago images / Norbert Schmidt)

Nur aufgrund eines Irrtums heuert Kult-Trainer Peter Neururer überhaupt als Sportdirektor beim gefallenen Traditionsklub SG Wattenscheid 09 an. Das bereut er wenige Monate später zutiefst. Er wirft dem Verein Lügen vor - und schaltet seinen Anwalt ein.

Die Pleite immer vor Augen, der Hauptgeldgeber weg, Berichte über ausstehende Gehälter für Spieler: Der Traditionsverein SG Wattenscheid 09, immerhin vier Jahre Bundesligist, kommt nicht zur Ruhe. Im Gegenteil: Jetzt will auch Peter Neururer die Reißleine ziehen, der Sportdirektor hat seinen Anwalt eingeschaltet. Das sagte er "Reviersport". Er spricht sogar von der "größten Enttäuschung, dem größten Fehler meiner Karriere". Aufsichtsratsmitglied Josef Schnusenberg sagte der Deutschen Presse-Agentur über den Abgang Neururers: "Das ist mir bekannt. Es liegt mir noch nicht vor, soll aber raus sein."

Dem Klub macht der 64-jährige Kulttrainer heftige Vorwürfe: "Das Konstrukt basiert auf Lügen." Und weiter: "Ich hatte große Lust, hier in Wattenscheid etwas aufzubauen und zu bewegen. Aber man kann hier einfach nicht arbeiten. Ich kann unter diesen Umständen meinem Job als Sportdirektor nicht nachgehen. Es gibt keine Grundlage, um hier zu arbeiten. Deshalb ist die Angelegenheit auch bei meinem Anwalt."

Er könne den Spielern, die auf ihr Gehalt warten, nicht mehr in die Augen sehen, beklagt Neururer: "Da verliere ich die Glaubwürdigkeit." Eine Zukunft für sich sieht er beim Regionalligisten nicht. Er habe sich zurückgezogen, "weil ich Gefahr laufe, die Wahrheit zu sagen. Dann würde es für Wattenscheid sehr eng und schwierig werden", sagte er nebulös. Über eine Zukunft des Klubs wollte er nicht sprechen: "Da bin ich der falsche Ansprechpartner."

Durch einen Irrtum nach Wattenscheid

imago38918627h.jpg

Josef Schnusenberg lotste Neururer nach Wattenscheid.

(Foto: imago/Sven Simon)

Dabei ist Neururer erst seit Mitte März im Amt beim früheren Fußball-Bundesligisten - wenn auch nur aufgrund eines Missverständnisses. Der Kult-Trainer dachte nach einem Anruf von Schnusenberg, einst Präsident des FC Schalke 04, er solle nach der Entlassung von Domenico Tedesco beim FC Schalke 04 dessen Nachfolger als Trainer werden. Das hatte er der "Rheinischen Post" erzählt. Stattdessen vermittelte Schnusenberg ihn aber nach Wattenscheid.

Der Verein erhoffte sich, mit Neururers Namen neue Sponsoren akquirieren zu können. Sportlich immerhin sicherte das Team von Trainer Farat Toku am letzten Spieltag der abgelaufenen Saison den Klassenerhalt in der Regionalliga West. Doch die Vorbereitung auf die neue Saison verlief erneut chaotisch. Aufsichtsratschef Oguzhan Can trat zurück - unglücklich für den Verein, da er der Hauptgeldgeber gewesen war. Nun flammen die finanziellen Sorgen erneut auf, Berichten zufolge stehen Gehälter der Spieler einmal mehr aus. Die drohende Insolvenz konnte dennoch erneut abgewendet werden, so Schnusenberg Ende Juli: "Nach Durchsicht der Unterlagen hat der Aufsichtsrat entschieden, dass es bei der SG Wattenscheid keine Insolvenz geben wird." In den vergangenen Jahren stand der Klub mehrfach am Rande einer Insolvenz.

Wie geht es nun für Neururer weiter? Er habe in der letzten Zeit "einige attraktive Angebote aus dem Ausland abgelehnt", sagte er "Reviersport". "Eine Anfrage kam sogar aus der Bundesliga." Er wollte sich auf Wattenscheid konzentrieren, doch das dürfte sich wohl bald erledigt haben.

Quelle: ntv.de, ara

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen