Gesund ist das Essen bei McDonald's bekanntermaßen nicht gerade. Doch geht es nach Alexander Nouri, hat er sich mit McDonald's für die für ihn gesündere Variante seines Lebens entschieden. Die nämlich, seit Januar Franchisenehmer bei der Fast-Food-Kette zu sein. Inzwischen hat er drei Filialen und rund 150 Mitarbeiter. Dafür hat er die Fußballschuhe an den Nagel gehängt.
Es ist das gesündere Leben für ihn, weil er mehr Zeit mit seiner Familie verbringen kann. Weil der Job sicher ist. Weil er nicht mehr zwischen "Himmelhoch jauchzend" und "zu Tode betrübt" schwankt. "Meine letzten Trainerjobs waren kurz: Man unterschreibt einen Dreijahresvertrag, aber nach einem halben Jahr ist man wieder weg", sagte Nouri "The Athletic". "Das ist eine große Belastung für die Familie. Ich habe mir immer diese Stabilität gewünscht. Im Profifußball ist sie selten, und nur wenige haben die Chance, langfristig etwas aufzubauen."
2022 endete seine Laufbahn als Trainer, damals bei AO Kavala in Griechenlands zweiter Liga. Seitdem tat sich nichts Entscheidendes für ihn auf, was Nouri so reizte, mit seiner Frau Christina und den zwei Kindern umzusiedeln. Dabei hatte seine Trainerkarriere steil begonnen. 2016 schloss er den Fußballlehrer-Lehrgang als Jahrgangsbester ab - mit Julian Nagelsmann in seiner Klasse. Schon im Herbst wurde er von Werder Bremen zum Cheftrainer befördert. In der Rückrunde der Saison 2016/17 blieb der Klub ungeschlagen, gewann neun Spiele und verpasste nur knapp die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb. Doch es folgten 13 sieglose Spiele in der Bundesliga - und am 30. Oktober 2017 war Nouris Zeit in Bremen zu Ende.

Diese Regeln sind neu in der Bundesliga
"Wenn man seine Trainerlizenz macht, lernt man, dass man mit der Unterzeichnung des Vertrags mit einem Team gleichzeitig seine Kündigung unterschreibt. Diesen Druck vermisse ich nicht", sagte Nouri rückblickend. Er erlebte dies beim FC Ingolstadt und auch bei Hertha BSC, wo er erst der Co-Trainer von Jürgen Klinsmann war, ehe er nach dessen Knall-Rücktritt das Team interimsweise übernahm, nach nur vier Spielen aber gehen musste.
"Diese Gefühle bekommt man nie wieder zurück"
Der heute 46-Jährige erlebte Dinge, von denen er klar sagen kann, dass er "solche Emotionen in einem Bürojob nicht findet". Er wurde in Bremen für seine Siegesserie gefeiert - und wenig später "war alles falsch". Der Ruhm ist flüchtig: "Andererseits, wenn man in der 95. Minute vor 60.000 Zuschauern in einem ausverkauften Heimstadion ein Tor erzielt … diese Gefühle bekommt man nie wieder zurück."
Doch es kam eben nicht das richtige Angebot vom richtigen Verein für ihn. Mehr als drei Jahre lang dauerte es von seinem Abschied in Griechenland bis zur ersten McDonald's-Filiale. "Ich hatte in diesem Moment einfach das Gefühl, dass dies das Ende meiner Lebensgeschichte (im Fußball) war. Und so muss ich etwas Neues beginnen." Laut Nouri dauerte es etwa ein Jahr, bis er Franchisenehmer werden konnte. Mehrere Vorstellungsgespräche, Schulungen und eine fünfstündige Bewertung, in der der Bewerber einen Geschäftsplan anhand eines Fallbeispiels erstellen soll.
Dann war es endgültig so weit, er tauschte das Fußballgeschäft gegen das mit den Burgern. "Es fühlte sich nicht mehr richtig an", sagte er. "Und der Job ist so anspruchsvoll, dass er 100 Prozent von einem verlangt. Wenn man ihn nur mit 98 Prozent macht, ist das nicht richtig." Er kann heute mehr mit seiner Familie zusammen sein. Seine Frau arbeitet im Personalwesen bei ihm, sein Sohn Arian hat schon im Restaurant gearbeitet. "Als Trainer kann ich meinen Kindern das nicht ermöglichen. Aber wenn ich mir als Unternehmer etwas aufbaue, vielleicht schon."
Was sich für Nouri nicht geändert hat, ist seine Motivation im Job. Er möchte ein gesundes Teamumfeld haben. "Ich glaube an Karma. Ich möchte wirklich ein guter Arbeitgeber sein. Ich liebe, was ich tue."

