Technik
Das iPhone 6 Plus ist deutlich größer als das iPhone 6.
Das iPhone 6 Plus ist deutlich größer als das iPhone 6.(Foto: kwe)
Freitag, 26. September 2014

Größe ist nicht alles: Ist das Plus das bessere iPhone 6?

Von Klaus Wedekind

Das iPhone 6 Plus ist nicht nur größer als das iPhone 6, sondern auch bei drei entscheidenden Komponenten im Vorteil. Aber ist Apples Phablet deshalb auch das bessere iPhone?

In der Vergangenheit hat Apple immer nur ein neues iPhone vorgestellt und das Vorgängermodell zur günstigen Alternative gemacht. Im vergangenen Jahr gab's zwar eine Doppel-Premiere, doch das iPhone 5c war mit älterem Prozessor und Plastikgehäuse immer noch das eindeutig schwächere Gerät. Doch diesmal macht Apple seinen Käufern mit zwei Top-Smartphones die Entscheidung nicht so leicht. Das iPhone 6 Plus gilt zwar als Premiummodell, doch das iPhone 6 ist fast genauso gut ausgestattet und hat für viele Nutzer die angenehmeren Maße. Warum sollte man also 100 Euro mehr für das Plus ausgeben?

Handlicher ist selbstverständlich das iPhone 6, das Plus wirkt aber noch eleganter.
Handlicher ist selbstverständlich das iPhone 6, das Plus wirkt aber noch eleganter.(Foto: kwe)

Nachdem sich #Bentgate mehr oder weniger in seine heiße Luft aufgelöst hat, kann man das Design des iPhone 6 Plus wieder mit entspannten Augen betrachten. Klar, das Phablet ist vielleicht nicht ganz so stabil wie andere Smartphones, aber es ist absolut alltagstauglich. Und es sieht noch besser aus als das iPhone 6. Das Plus ist zwar ein Mordstrumm, doch weil  es so flach ist, wirkt es fast schon grazil - was eigentlich kein passendes Adjektiv für ein Phablet ist.

Zu groß für kleine Hände

Das dünne Ding fühlt sich auch klasse an und wenn die Hände groß sind, lässt sich das 179 Gramm leichte Gerät auch sehr angenehm halten. Zierlicher gebaute Menschen haben aber ihre liebe Mühe, mit Zeigefinger oder Daumen die seitlichen Tasten zu erreichen, ohne das iPhone 6 Plus so zu greifen, dass wiederum der Home-Button außer Reichweite gerät. Wenn sie das Gerät nicht grundsätzlich mit zwei Händen bedienen, schmiert es unweigerlich irgendwann mal ab, da das runde Aluminiumgehäuse nicht so griffig ist wie bei den kantigen Vorgängern.

Das Huawei Ascend Mate 7 ist etwas kürtzer als das iPhone 6 Plus, hat aber ein größeres Display.
Das Huawei Ascend Mate 7 ist etwas kürtzer als das iPhone 6 Plus, hat aber ein größeres Display.

Handlichkeit ist auch allgemein nicht die Stärke des iPhone 6 Plus. Apple erleichtert zwar die Ein-Hand-Bedienung durch die Möglichkeit, mit zwei Tippern auf den Home-Button den Bildschirminhalt nach unten zu ziehen. Doch mehr als eine Notlösung ist das nicht. Was soll's? Bei einem Phablet die unbequeme Ein-Hand-Bedienung zu kritisieren, ist absurd. Selbst wenn so ein Gerät fast nur noch aus Display besteht, wird der Daumen nicht die entfernten Ecken erreichen.

Nicht ganz so unsinnig ist die Diskussion, ob das iPhone 6 Plus noch bequem in die Hosentasche passt. Beim Gehäuse hat Apple zwar noch viele Einsparmöglichkeiten - vor allem an den Stirnseiten. Doch weil es relativ schmal und sehr flach ist, sitzt es noch überraschend locker. Ist die Hose nicht zu eng, zwickt das Phablet auch nicht im engen Flugzeugsitz. Ohne aufzustehen oder seltsame Verrenkungen zu machen, kriegt man es allerdings nicht mehr raus.

Das beste LCD, aber nicht die Nummer 1

Die Kamera ist absolute Spitze
Die Kamera ist absolute Spitze(Foto: kwe)

Beim Vergleich der beiden Apple-Smartphones kommt es aber nicht nur auf die Größe an. Das iPhone 6 hat schon ein tolles IPS-Display, das Plus aber ein fantastisches. Durch seine mit 404 ppi hohe Pixeldichte liefert es insgesamt ein besseres Bild mit feineren Details. Es brilliert aber vor allem mit seiner  beeindruckenden Helligkeit, satten Kontrasten und einer sehr großen Farbtreue. Selbst in extremen Blickwinkeln dunkelt das Display nicht ab und bleibt klar. Das hat auch ein Test der Spezialisten von "DisplayMate" bestätigt, die dem iPhone 6 Plus das beste LCD bescheinigen, das sie bisher im Labor hatten. Nur der Super-AMOLED-Bildschirm des Samsung Galaxy Note 4 schnitt vor allem mit noch besseren Farbleistungen etwas besser als das iPhone-6-Plus-Display ab.

Die Kameras der iPhones sind bis auf ein wichtiges Detail identisch: Das iPhone 6 Plus hat einen optischen Bildstabilisator. In den meisten Situationen genügt die Geschwindigkeit der Kamera aus, um außergewöhnlich gute Smartphone-Fotos und -Videos zu machen. Wenn es dunkel wird, Objekte oder Fotograf in Bewegung sind, spielt das iPhone 6 Plus aber seine Stärken aus und lässt nicht nur seinen kleinen Bruder, sondern fast die gesamte Konkurrenz ziemlich blass aussehen. Die Rück-Kamera des iPhone 6 Plus ist sicher eine der besten, wenn nicht sogar die beste aller Top-Smartphones.

Endlich keine Akku-Sorgen mehr

Ein noch größeres Argument für das iPhone 6 Plus ist sein Akku, der eine Kapazität von 2915 Milliamperestunden hat. Es gibt zwar Smartphones wie das Sony Xperia Z3 oder das Huawei Ascend Mate 7, die noch länger durchhalten. Das Apple-Phablet ist aber fast ebenso ausdauernd und für Nutzer, die bisher nur iPhones hatten, geradezu eine Sensation. Im Test war die Batterie weder im Normalbetrieb noch unter stärkerer Belastung im Laufe eines Tages unter 20 Prozent zu drücken. Im Labortest von "Tom's Guide" hat das iPhone 6 Plus sogar Samsungs Galaxy S5 und Galaxy Note 3 bei der Laufzeit abgehängt. Bei "PhoneArena" schlägt das S5 zwar das Plus um eine Stunde, aber Apples Phablet lässt auch hier das Note 3 deutlich hinter sich und schlägt sich für ein iPhone mehr als wacker.

Das iPhone 6 Plus ist tatsächlich das bessere iPhone, vor allem Display und Akku verschaffen ihm einen erkennbaren Vorsprung vor dem iPhone 6. Das spielt aber nur für Menschen eine Rolle, die auch wirklich ein Phablet haben möchten. Wer erwägt, das Riesending nur wegen seiner besseren Spezifikationen zu kaufen, sollte besser zum kleineren iPhone greifen, das fast genauso gut ist. Die Display-Unterschiede sieht man mit bloßem Auge eigentlich nicht mal im direkten Vergleich und die Akku-Laufzeit des kleineren Geräts ist immer noch okay.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen