Wirtschaft

Supermärkte suchen Helfer An die Regale, fertig, los

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Die Ware ist eigentlich da - es braucht nur mehr Hände, sie in die Regale zu räumen.

(Foto: imago images/Future Image)

Wer in der Coronavirus-Krise nicht arbeiten oder studieren kann, kann sich anderweitig nützlich machen. Supermarkt- und Drogerieketten suchen dringend Personal zum Füllen der Regale. Online-Portale vermitteln. Analog war gestern, nur digital können Lücken schnell geschlossen werden.

Der deutsche Arbeitsmarkt sortiert sich in der Corona-Krise neu. Die einen haben unfreiwillig wenig bis gar nichts zu tun - außer vielleicht dem Ende der Pandemie entgegenzufiebern. Die anderen können sich vor Arbeit nicht retten. Während das Gros der Geschäfte geschlossen hat, möglicherweise schon ums Überleben kämpft und nicht weiß, ob alle Arbeitsplätze erhalten bleiben, kämpfen einige wenige mit einem außergewöhnlichen Kundenansturm, dem sie kaum gewachsen sind.

Dazu gehören Supermarkt- und Drogerieketten. Sie stehen seit Ausbruch der Corona-Krise unter zunehmendem Druck. Jeden Tag müssen Mitarbeiter leergekaufte Regale frisch bestücken. Weil das Personal fehlt, kommen sie häufig nicht hinterher. Auch der Online-Handel braucht in Zeiten von Kontaktsperren mehr helfende Hände denn je. Die Waren müssen verpackt und von A nach B transportiert werden. Entsprechend werden auch händeringend Berufskraftfahrer gesucht.

Ebenfalls zu den Leidtragenden, weil Arbeitskräfte fehlen, zählt die deutsche Landwirtschaft. Noch herrscht auf den Feldern gähnende Leere. Normalerweise ändert sich das bald. Im April beginnt die Erntezeit. Den Landwirten fehlen aber bis zu 300.000 Arbeitskräfte, wie das Landwirtschaftsministerium schreibt. Noch im vergangenen Jahr waren Tausende Erntehelfer zur Saison aus Polen und Rumänien angereist und hatten dafür gesorgt, dass der frische Spargel hierzulande pünktlich auf den Tisch kommt. Bleiben die Arbeiter nun wegen geschlossener Grenzen und Reiseverboten weg, drohen Obst und Gemüse auf den Feldern zu verrotten.

Die Stunde der digitalen Jobvermittler

Unter Hochdruck versuchen Bund, Länder und Arbeitsagenturen nun, solche Lücken bei wichtigen Arbeitskräften zu schließen. Helfen sollen dabei neue Online-Portale wie daslandhilft.de oder saisonarbeit-in-deutschland.de, die Bund und Länder in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband der Maschinenringe und dem Bauernverband (DBV) im Schnellverfahren aus der Taufe gehoben haben. Bei der Vermittlung der dringend benötigten Arbeitskräfte gibt es neben den großen aber auch kleine Initiativen, die in diesen Zeiten ebenfalls wichtig sind, um Lücken in Personaldecken zu schließen.

In der App suchen und finden sich Hilfesuchende und potenzielle Helfer.

"Der Andrang ist hoch", sagt Zenjob-Gründer Trott.

(Foto: Zenjob)

Die Berliner Zeitarbeits-App Zenjob, die seit vier Jahren am Start ist, hat allein in der vergangenen Woche deutschlandweit über 5000 studentische Hilfskräfte an Drogerie- und Supermarktketten vermittelt, doppelt so viele wie in der Woche zuvor. 30.000 Studenten in Deutschland nutzen die App bereits. "Der Andrang ist hoch", sagt Fritz Trott, einer von drei Gründern, ntv.de. Die Bereiche Lebensmittel, Logistik und Einzelhandel hätten in der Krise plötzlich 100 Prozent mehr Bedarf an Mitarbeitern. "Und wir können problemlos hochfahren."

"Durch unsere Technologie sind wir in der Corona-Krise ein bisschen wie die Jungfrau zum Kinde gekommen", erklärt Trott. Der Zeitarbeitsmarkt sei "intransparent, offline und viel zu langsam". Eine digitale Zeitarbeitsfirma sei effektiver. Denn im Augenblick seien Schnelligkeit und Unkompliziertheit gefragt.

Die Handhabung der Zenjob-App ist für alle Beteiligten, Studenten wie Arbeitgeber, unkompliziert. Wird Personal benötigt, können sich Unternehmen online melden. Der Personaldienstleister für große und mittelständische Unternehmen stellt den Job auf die App und die registrierten Studenten können zugreifen und ihre Arbeit antreten. Bezahlt werden sie von Zenjob. Da beliebte Studentenjobs wie Kellner in der Gastronomie oder Messe- oder Event-Hostess für Promotion derzeit wegfallen, stehen auch entsprechend mehr Studenten für Supermärkte, Lager und Verwaltungstätigkeiten zur Verfügung. Die Motivation und Einsatzbereitschaft der jungen Leute seien hoch, lobt Zenjob-Gründer Trott. Die Vorurteile gegen die Generation Z könne er nicht bestätigen, sagt er ntv.de.

Helfer werden sofort gebraucht

Wichtig sind den Gründern von Zenjob sowie ihren 250 Mitarbeitern in der derzeitigen Lage vor allem zwei Dinge: Zum einen warnen sie ihre registrierten Kunden, Corona ernst zu nehmen. Zum anderen unterstützen sie jetzt die Unternehmen, "die strukturell die Arbeitskräfte brauchen". Landwirtschaft und Erntehelfer waren noch nicht im Programm, weil Studenten eher in Ballungsräumen als auf dem Land leben. Aber auch hier wolle man jetzt helfen, sagt Trott. Um die Initiatoren von daslandhilft.de und Saisonarbeit-in-Deutschland.de zu unterstützen, spreche man bereits mit Betrieben und Verbänden.

Die beiden Online-Jobbörsen können sich ebenfalls nicht über einen Mangel an Hilfesuchenden und interessierten Helfern beklagen. Wo es hakt, scheint die analoge Jobvermittlung zu sein. Die Agentur für Arbeit in Recklingshausen stellt fest, dass potenzielle Helfer für den Einzelhandel es zum jetzigen Zeitpunkt nicht eilig hätten mit ihrem Arbeitsbeginn: "Es wird ausdrücklich nach einem Arbeitsbeginn Anfang Mai oder Juni gefragt", zitiert die Zeitung "Ruhrnachrichten" die Sprecherin Cordula Cebulla. Wichtig ist aber, dass Helfer und Hilfesuchende jetzt zusammenfinden. Denn jede Hand wird gebraucht. Finden kann man sie digital.

Quelle: ntv.de