Wirtschaft

Neue Konkurrenz im "Bargeldland" Apple Pay startet in Deutschland

Bezahlen mit dem Smartphone? Das Ende der Bargeld-Ära rückt einen Schritt näher. Der US-Konzern Apple schaltet seinen Smartphone-Bezahldienst Apple Pay für Kunden in Deutschland frei. Gespannt warten Branchenkenner, wie Kunden damit umgehen.

Vier Jahre nach dem Start des iPhone-Bezahldiensts Apple Pay in den USA ist der Service ab sofort auch in Deutschland verfügbar. Der Konzern schaltete die Funktion am Morgen frei. Mit Apple Pay können iPhone-Kunden im Laden mit ihrem Telefon oder ihrer Apple Watch wie mit einer Kreditkarte bezahlen. Voraussetzung ist neben dem eigenen Apple-Gerät auch die Hinterlegung entsprechender Kundendaten bei Apple.

Zum Bezahlen müssen Apple-Kunden so nicht länger in der Tasche nach dem Geldbeutel kramen: Stattdessen wird einfach das Gerät an der Kasse ans Terminal gehalten. Das funktioniert allerdings nur in Geschäften, deren Kassentechnik das sogenannte kontaktlose Bezahlen unterstützt - rund 820.000 Terminals in Deutschland wurden bereits entsprechend umgerüstet. Außerdem kann man mit Apple Pay ähnlich wie mit längst etablierten Online-Diensten wie etwa PayPal auch Einkäufe im Internet bezahlen.

Mobile Bezahlsysteme im Markt

Branchenexperten erwarten von der Premiere von Apple Pay in Deutschland wichtige Impulse für das Bezahlen mit dem Smartphone. Der kalifornische iPhone-Anbieter ist dabei längst nicht der erste Anbieter im Markt: Zuvor hatte bereits Google im Juni sein Bezahlsystem Google Pay eingeführt. Im Juli sicherten sich die Sparkassen mit einer eigenen Bezahl-App für Android-Telefone ein Standbein in dem neuen Zukunftsmarkt.

Zu den Partnern von Apple gehören das größte private Kreditinstitut der Bundesrepublik, die Deutsche Bank sowie die Banken und Finanzdienstleister N26, Boon, HypoVereinsbank, Hanseatic Bank, Fidor Bank, Bunq, American Express, Santander und Comdirect Bank. Vorerst nicht dabei sind wichtige Banken wie die Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die auf ihre eigenen Bezahl-Apps setzen. Diese bieten kontaktloses Bezahlen allerdings nur auf Smartphones mit dem Betriebssystem Android an. Apple hatte ihnen den erforderlichen Zugriff auf die NFC-Funkchips in der iPhone-Technik verweigert.

Bargeld-Quote geht zurück

Der Start von Apple Pay in Deutschland war von Konzern-Chef Tim Cook Anfang August für "später in 2018" angekündigt worden. Apple Pay gibt es bislang in 31 Ländern. Auch in vielen anderen europäischen Ländern - zum Beispiel Frankreich, Schweiz oder Spanien - hat Apple den Dienst bereits eingeführt. Deutschland ist dabei ein sehr spezieller Markt. Hier galt besonders lange das Motto "Nur Bares ist Wahres".

Statistisch gesehen stimmt das nicht mehr ganz. Nach einer Studie der Deutschen Bundesbank sank die Bargeld-Quote 2017 bei Geldtransaktionen erstmals unter die 50-Prozent-Schwelle: Nur noch 47,6 Prozent der Zahlungen wurden bar beglichen. Bei Kartenzahlungen kommt zugleich meist die Girocard zum Einsatz und nicht Kreditkarten. Eine Girocard in einen Smartphone-Bezahldienst zu integrieren, bedeutet mehr Aufwand. Zum Start in Deutschland können lediglich Kredit- und Debitkarten in Apple Pay eingebunden werden.

Inzwischen werden Kreditkarten hierzulande aber auch an sehr vielen Orten akzeptiert. Das hat auch mit der Politik zu tun. Ende 2015 hatte die Europäische Union beschlossen, das sogenannte "Interbankentgelt" bei Kartenzahlungen zu deckeln und damit deutlich zu kürzen. Die Gebühr darf nun bei Girocards nicht mehr als 0,2 Prozent der Zahlungssumme betragen.

Wieder was gelernt

Falls Sie wissen möchten, warum gerade Apple und Amazon zu den beiden wertvollsten Unternehmen gehören, hören Sie rein in diese Ausgabe von "Wieder was gelernt" - dem Podcast von n-tv.de. Abonnieren Sie uns gerne auch auf iTunes, Spotify und Deezer oder per Feed in der Podcast-App Ihrer Wahl.

Bei Kreditkarten ist der Betrag auf 0,3 Prozent der gesamten Zahlung gedeckelt; zuvor waren es zum Teil mehrere Prozent. Nach dem Inkrafttreten der Regulierung änderten auch die Pfennigfuchser der Deutschen Wirtschaft - darunter die viel genutzten Discounter wie Aldi, Lidl und Penny - ihren Kurs und fingen an, auch Kreditkarten zu akzeptieren.

Inzwischen ist auch die Umrüstung auf Terminals, die kontaktloses Bezahlen per NFC-Funk unterstützen, weit fortgeschritten. Damit ist Deutschland für den Start eines Dienstes wie Apple Pay - zumindest was die Verbreitung der Akzeptanzstellen angeht - besser gerüstet als viele andere Länder.

"Bargeldland Deutschland"

Die Comdirect Bank, die seit Sommer den ähnlich funktionierenden Konkurrenzdienst Google Pay anbietet, ist zufrieden damit, wie er bei den Kunden ankommt. "Mehr als die Hälfte der registrierten Kunden bei Google Pay nutzt den Dienst regelmäßig - also mindestens fünf Mal im Monat", sagt Bankchef Arno Walter. Zugleich werde der Service häufiger im Laden als bei Online-Zahlungen eingesetzt.

"Ich glaube schon, dass sich das mobile Bezahlen auch im Bargeldland Deutschland etablieren wird", zeigt sich Walter zuversichtlich. Man habe in den vergangenen Monaten gemerkt, dass die Apple-Kunden sehr auf den Start des iPhone-Bezahldienstes gewartet hätten. Für die Banken bedeutet Bezahlen per Smartphone auch mehr Sicherheit: Bei Google Pay kenne er bisher keinen einzigen Betrugsfall, sagt der Bankchef. Die Comdirect Bank plant, auch die Girocard in Google Pay und Apple Pay zu integrieren, es ist aber ein komplexer Prozess.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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