Wirtschaft

40 bis 65 Milliarden Dollar schwer Bayer-Anleger fürchten teuren Monsanto-Deal

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Ein Monsanto-Kauf könnte Bayer in Schieflage bringen.

(Foto: REUTERS)

Erst sind es nur Gerüchte, jetzt ist es amtlich: Bayer ist am US-Saatgutkonzern Monsanto interessiert. Während sich Analysten über den Sinn dieser Übernahme streiten, zeigen die Aktionäre klar, was sie davon halten. Noch stehen aber viele offene Fragen im Raum.

Die Aussicht auf eine milliardenschwere Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto hat den Aktionären des Leverkusener Bayer-Konzerns die Stimmung verhagelt. Die Papiere des Dax-Schwergewichts sackten zeitweise mehr als sieben Prozent ab unter 89,50 Euro. Sie fielen damit auf den tiefsten Stand seit mehr als zweieinhalb Jahren.

Der Bayer-Kursrutsch zog auch den Leitindex ins Minus. Zudem kamen die Titel der im MDax gelisteten Tochter Covestro unter die Räder: Sie büßten rund drei Prozent ein.

Bayer und Monsanto, unter anderem Hersteller des hierzulande stark umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels Roundup mit dem Wirkstoff Glyphosat, hatten Übernahmegespräche bestätigt. Details wurden aber nicht genannt. Bereits in der vergangenen Woche hatte Bloomberg über Verhandlungen der beiden Konzerne spekuliert. Auch damals war der Bayer-Aktienkurs unter Druck geraten.

Bayer, seit 1. Mai unter Führung des neuen Chefs Werner Baumann, hat sich als "Life-Science"-Unternehmen neu ausgerichtet und konzentriert sich seither auf die Felder Gesundheit und Pflanzenschutz. Die Kunststoffsparte stieß der Konzern ab und brachte sie im Oktober unter dem Namen Covestro an die Börse.

Kapitalerhöhung nötig?

"Das wird Bayer wohl einiges kosten und das drückt erstmal auf den Kurs", sagte ein Händler. Monsanto wird an der Börse derzeit mit gut 42 Milliarden Dollar bewertet, Bayer bringt das Doppelte auf die Waage. Den Analysten von Baader Helvea zufolge bräuchte Bayer bei Zustandekommen eines Deals dennoch eine Kapitalerhöhung. "Da Bayer keinerlei Einzelheiten bekannt gibt, rechnen wir in nächster Zeit mit Gegenwind für die Aktien", hieß es in einem Kommentar der Bank.

Ähnlich sehen dies die Analysten der Commerzbank. In einer Szenariorechnung gehen sie davon aus, dass Bayer zunächst das Tiergesundheitsgeschäft und seinen Covestro-Anteil verkauft. Dennoch bestehe dann weiter die Möglichkeit einer Kapitalerhöhung, um das notwendige Kreditrating aufrechtzuerhalten.

65-Milliarden-Deal?

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte kürzlich unter Berufung auf Insiderkreise berichtet, Bayer wolle mehr als 40 Milliarden Dollar für den Konzern bieten. Analysten der Deutschen Bank erwarten einen Preis von 150 Dollar pro Aktie - das wäre ein kräftiger Aufschlag auf den derzeitigen Preis von 97 Dollar und insgesamt 65 Milliarden Dollar.

"Zu groß" wäre eine Übernahme von Monsanto durch Bayer, sagte auch Eric Le Berrigaud von Bryan Garnier (BG). Das gelte sowohl für die Finanzierung einer solchen Akquisition als auch für die Balance der beiden Geschäftsfelder innerhalb des Bayer-Konzerns.

Bayer müsse für Monsanto etwa 40 Milliarden Dollar aufbringen, Nettoschulden von Monsanto von 5 Milliarden Dollar nicht eingerechnet. Per Ende 2015 weise Bayer bereits eine Nettoverschuldung von 18 Milliarden Euro auf. "Auch wenn Unternehmen leicht Geld aufnehmen können und das zu niedrigen Zinsen, würde doch der Schuldenhebel größer", unterstrich der Analyst.

Hilft die Fed?

Zweifelsohne könne Bayer die restliche Beteiligung an Covestro veräußern für knapp 5 Milliarden Dollar. Auch von anderen, kleineren Beteiligungen könnte sich Bayer trennen. "Außerdem müsste Bayer wohl einige Assets von Monsanto verkaufen, um die wettbewerbsrechtliche Zustimmung zu bekommen. Aber die Rechnung ist hoch", sagte Le Berrigaud.

Monsanto könnte aber auch laut Marktteilnehmern deutlich billiger werden. "Wenn die Fed die Leitzinsen erhöht und den Hausse-Zyklus an der Wall Street bricht, dürften normalerweise auch Monsanto fallen", erläuterte ein Marktteilnehmer. Insofern sei der Zeitpunkt für eine Übernahme möglicherweise ungünstig.

Ist das Pharmageschäft noch groß genug?

Sollte die Übernahme gelingen, würde gut die Hälfte des Konzernumsatzes auf Crop Sciences entfallen. Das Pharmageschäft würde etwa 30 Prozent zum Umsatz beisteuern. Es stelle sich die Frage, ob Bayer damit noch ausreichend Größe im globalen Pharmageschäft hat. "Der Markt und auch wir zweifeln an der Pharma-Pipeline von Bayer", so Le Berrigaud. Eine Übernahme von Monsanto würde aber eine weitere im Pharmageschäft wohl ausschließen. "Und das ist gar nicht gut."

Bayer habe schon seit einiger Zeit klargemacht, dass sie vor allem im Geschäft mit Saatgut wachsen will. Innerhalb von Crop Sciences sei das Saatgutgeschäft bislang eher klein, aber mit einem Wachstum des Segments SeedGrowth von 5,4 Prozent und 11,9 Prozent im Segment Saatgut sehr dynamisch.

Was macht BASF?

Die Analysten von Jefferies sehen nur eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass eine Übernahme zustandekommt. Monsanto sei von seinen langfristigen Wettbewerbsvorteilen überzeugt und werde wohl ablehnen. Dennoch werde die Monsanto-Aktie in nächster Zeit von den Spekulationen profitieren. Sie waren am Mittwoch 0,6 Prozent tiefer bei 97,13 Dollar aus dem Handel gegangen. Im Frankfurter Handel gewannen sie nun acht Prozent.

Unter Druck sehen die Jefferies-Experten aber die Anteilsscheine von BASF. Hier gebe es Spekulationen auf eine mögliche Gegenofferte. BASF-Papiere verloren rund zwei Prozent.

Vom Jäger zum Gejagten?

Bayer machte mit rund 117.000 Beschäftigten im vergangenen Jahr einen Umsatz von 43,6 Milliarden Euro. Monsanto mit rund 21.000 Mitarbeitern wies im Geschäftsjahr 2014/2015 einen Umsatz von 15 Milliarden Dollar (13,3 Milliarden Euro) aus.

Im vergangenen Jahr noch war Monsanto der Angreifer gewesen und hatte den Schweizer Konkurrenten Syngenta übernehmen wollen. Syngenta wehrte sich vehement, Monsanto gab im August auf. Jetzt wird der Schweizer Konzern für 43 Milliarden Dollar - mit seinem Einverständnis - vom chinesischen Chemieriesen ChemChina übernommen.

Quelle: ntv.de, bad/DJ/AFP/rts

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