Wirtschaft
(Foto: picture alliance / Patrick Pleul)
Freitag, 21. Juli 2017

Autobauer unter Kartellverdacht: "Das wäre eine Katastrophe"

Die deutsche Autoindustrie steht unter Kartellverdacht: Die großen Autobauer haben sich einem "Spiegel"-Bericht zufolge seit den 90er-Jahren in geheimen Arbeitsgruppen über ihre Fahrzeuge abgesprochen und womöglich auf diese Weise den Weg für den Diesel-Abgasskandal geebnet. "Man kann solche Dinge nicht ausschließen", sagt Auto-Experte Frank Schwope von der Nord LB im Gespräch mit n-tv.de. Überraschend wären solche Absprachen aber trotzdem.

n-tv.de: Was haben Sie gedacht, als Sie den Bericht über die angeblichen Absprachen gelesen haben?

Frank Schwope: Das klingt schon schlimm. Es wirkt so, als ob sich ein Skandal an den anderen reiht. Kaum ist die Diesel-Affäre bei VW weitgehend - und bei anderen vielleicht noch nicht - ausgestanden, gibt es möglicherweise den nächsten Skandal. Sollte sich das bewahrheiten, dann wäre das ist eine Katastrophe.

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen: Haben Sie so etwas für möglich gehalten?

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Die "Spiegel"-Geschichte hat mich tatsächlich überrascht. Aber man kann solche Dinge nicht ausschließen. Im LKW-Bereich gab es jahrelang Absprachen, involviert waren viele große LKW-Hersteller. Die EU-Kommission hatte schließlich Strafen von insgesamt mehr als drei Milliarden Euro verhängt - davon musste Daimler mehr als eine Milliarde zahlen. Absprachen gab es außerdem auch in anderen Branchen. Von daher ist das nichts Neues.

Dem Bericht zufolge sind Kartellbehörden im Sommer vergangenen Jahres auf Hinweise auf illegale Absprachen in der Autoindustrie gestoßen, als sie im Rahmen von Ermittlungen über eine mögliche Absprache von Stahlpreisen auch Räume von Volkswagen durchsuchten. Kurz danach erstatte Volkswagen demnach Selbstanzeige…

Sollte das zutreffen und sollten die Behörden von dem Sachverhalt gewusst haben, dann würde Volkswagen wohl nicht strafffrei ausgehen. Das ist ja mit Steuerhinterziehung vergleichbar: Wenn der Straftatbestand schon bekannt war, kann es höchstens eine Strafminderung geben.

An der Frankfurter Börse geben die Kurse der deutschen Automobilhersteller deutlich nach. Da kommt schon die eine oder andere Milliarde an Wertverlust zusammen. Ist die Börsenreaktion angemessen?

Durchaus. Wenn die Absprachen im LKW-Bereich zu den erwähnten Strafzahlungen in Höhe von drei Milliarden Euro geführt haben, kann man davon ausgehen, dass die PKW-Branche nicht billiger davonkommt. Stand jetzt sieht es aber so aus, als ob die Sache für die Autohersteller verkraftbar ist.

Der Diesel-Skandal ist noch nicht vorbei. Und nun kommt möglicherweise ein Kartell-Skandal ans Licht. Beschädigt das nicht das Image der deutschen Auto-Industrie nachhaltig?

Eher nicht. Der Diesel-Skandal ist ja relativ problemlos am Image der deutschen Automobilhersteller vorbeigegangen. Zudem vermute ich, dass bei vermeintlichen Absprachen auch ausländische Unternehmen beteiligt wären. Bei den LKW war das ja so. So etwas überschreitet meist den nationalen Rahmen.

Mit Frank Schwope sprach Jan Gänger

Quelle: n-tv.de

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