Wirtschaft

Bitkom-Chef klagt über Regelwut "Ich hätte gerne 5G, aber bitte keinen Mast"

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"Die Gegner sind mit sechs Prozent relativ gering, aber recht laut", sagt Bitkom-Präsident Berg in "So techt Deutschland".

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild)

Am ntv-Thementag "Die Zukunft des 5G-Netzes" verrät Bitkom-Präsident Berg, warum es sich lohnt, schon jetzt auf die neue Hochgeschwindigkeits-Technologie zu setzen. In einer Sonderfolge "So techt Deutschland" klagt er aber auch über Widerstand: "Die Gegner sind gering, aber recht laut."

Achim Berg besitzt noch kein 5G-fähiges Smartphone. Aber seine Frau habe eines, und da fühle er sich so langsam auch etwas zurückgesetzt, verrät er am ntv-Thementag "Die Zukunft des 5G-Netzes" in einer Sonderfolge von "So techt Deutschland".

Aus seiner Sicht gibt es schon jetzt viele Gründe, auf die Hochgeschwindigkeits-Technologie zu setzen. "Hardcoregamer sind ganz wild auf 5G und die Spiele. Die brauchen die geringen Latenzzeiten, um in Echtzeit zu spielen", erklärt Achim Berg einen der Vorteile. Dafür würden die Menschen sogar mehr Geld springen lassen, wie eine Umfrage seines Verbands zeigt. 67 Prozent der Befragten würde im Schnitt elf Euro im Monat mehr ausgeben.

"Deutschland ist mit fast 80 Prozent 5G-Verfügbarkeit relativ hoch. Weit mehr als jedes andere europäische Land", sagt der Bitkom-Präsident. Von daher sei es gut, dass die Menschen mehr ausgeben würden. Sie bräuchten es aber gar nicht, da 5G bisher auch so angeboten werde.

Eigene Regeln - überall

Aber bisher gibt es nur wenige reine 5G-Netze, meistens handelt es sich um aufgemotzte LTE-Versionen. Trotzdem würde Berg als Verbraucher nicht warten, bis es ein Standalone-5G-Netz gibt. Die gemischte Technologie sei völlig ausreichend für Konsumenten und auch die meisten Business-Anwendungen, sagt er im Podcast.

So techt Deutschland

In "So techt Deutschland" haken die ntv-Moderatoren Frauke Holzmeier und Andreas Laukat bei Gründern, Investoren, Politikern und Unternehmern nach, wie es um den Technologie-Standort Deutschland bestellt ist. Alle Folgen finden Sie in der n-tv App, bei Audio Now, Apple Podcasts, und Spotify. Auch bei Amazon Music und Google Podcast werden Sie fündig.

Ein Hindernis beim Ausbau des 5G-Netzes ist die deutsche Regulierungswut. "Neue Funkmasten zu genehmigen, ist wirklich sehr schwierig", erklärt Berg. Die Vereinfachung des Baurechts in den Ländern komme nur teilweise voran, eigentlich muss sie "dringend bundeseinheitlich getätigt werden". Jede Gemeinde, jede Stadt, jedes Land habe eigenen Regeln und Gesetze, klagt der Bitkom-Präsident. Das führe dazu, dass im Schnitt jeder neue Mast eine Genehmigungszeit von 18 Monaten habe. "Das ist in dieser schnellen Technologie eine Ewigkeit", sagt Berg und verweist auf das Beispiel Spanien, wo man erst bauen dürfe und dann geschaut werde, ob gegen geltendes Recht verstoßen wurde. In den meisten Fällen ist das nicht der Fall: "99 Prozent aller Funkmasten haben keine Beanstandungen."

"Immens wichtig für Industrie"

Schwierigkeiten gibt es in diesem Punkt aber nicht nur mit dem Baurecht, sondern auch mit Anwohnern. Die meisten Menschen wünschen sich 5G, wie die Befragung von Bitkom zeigt. "Die Gegner sind mit sechs Prozent relativ gering", erklärt Berg. "Aber sie sind recht laut." Wenn ein Funkmast für das Netz gebaut werden müsse, sei es mit der Akzeptanz oft vorbei, sagt der Bitkom-Präsident mit einem verzweifelten Blick. "Ich kenne durchaus Fälle, wo ein Ort sagt: Ich hätte gerne 5G, aber bitte keinen Mast."

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Trotz aller Hindernisse wollen 50 Prozent der Unternehmen jetzt in 5G investieren. Vor allem die sogenannten Campus-Netze seien wichtig, sagt Berg. Unternehme dürften auf ihrem Betriebsgelände eigene Netze aufbauen, dafür seien Frequenzen freigegeben. Dann können sie von Vorteilen wie hohen Bandbreiten, sinkender Latenz und neuen Nutzungsszenarien profitieren. "Es ist für die Zukunftsfähigkeit der Industrie immens wichtig, diese Technologie zu haben", argumentiert Berg. Ein Unternehmen, das weltweit führend sein wolle, braucht 5G als Basistechnologie, um die Produktion wettbewerbsfähig zu halten.

Was es mit den Begriffen Slicing und Beaming auf sich hat und wie schädlich 5G-Strahlung ist, erklärt Achim Berg in der neuen Folge von "So techt Deutschland".

Deutschland, das Land der Funklöcher! Wer abgelegen wohnt oder per Bahn unterwegs ist, bekommt die vielerorts mangelhafte Netzabdeckung zu spüren. Mit der Einführung von 5G soll sich das ändern. Welches Potenzial bietet die neue Mobilfunk-Generation? Wann ist das 5G-Netz verfügbar und welche Chancen und Risiken bringt es mit sich? Belastet 5G womöglich unsere Gesundheit? Diesen und weiteren Fragen geht ntv am 2. Juli auf den Grund.


Ab 7 Uhr testet die "Telebörse" selbst in mehreren Sonderausgaben die Einsatzmöglichkeiten sowie Verlässlichkeit der verbesserten Netzgeschwindigkeit und wagt in Live-Schalten zu Interview-Partnern die Belastungsprobe live im TV. Im Rahmen des Thementages kommen unter anderem Hannes Ametsreiter, Deutschlandchef Vodafone, Markus Haas, CEO Telefónica Deutschland, sowie Telekom-Chef Timotheus Höttges zu Wort. Zudem bezieht der Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Andreas Scheuer, bereits morgens Stellung zu den Fragen rund um den Netzausbau und den Plänen der Bundesregierung.

Quelle: ntv.de, chr

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