Wirtschaft

Nahrungsmittel statt Diesel Lemke will Biosprit-Produktion einschränken

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In Deutschland dienen fünf Prozent der Ackerfläche der Biospritproduktion.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Ukraine-Krieg lässt Getreidelieferungen massiv zurückgehen, vor allem der globale Süden leidet darunter. Umweltministerin Lemke will deshalb die Biosprit-Produktion einschränken. Deutschland sei nun in der Verantwortung, Agrarflächen für die Ernährung und "nicht für den Tank" zu nutzen.

Die Bundesregierung will nach Angaben von Umweltministerin Steffi Lemke wegen des Ukraine-Kriegs die Nutzung landwirtschaftlicher Erzeugnisse als Kraftstoffzusätze einschränken. Sie arbeite mit dem Landwirtschaftsministerium daran, den Einsatz sogenannter Biokraftstoffe aus Nahrungs- und Futtermittelpflanzen zu reduzieren, sagte die Grünen-Politikerin der "Augsburger Allgemeinen".

"Agrarflächen sind weltweit begrenzt, wir brauchen sie dringend für die Ernährung, das führt uns der Krieg in der Ukraine dramatisch vor Augen", erklärte Lemke. Gerade im globalen Süden würden Menschen schon unter der fehlenden Verfügbarkeit von Getreide leiden. Nun liege es "in unserer Verantwortung als großer Industriestaat, dass Agrarflächen für die Produktion von Nahrungsmitteln und nicht für den Tank genutzt werden."

Auch Agrarminister Cem Özdemir hatte zuvor den Umgang mit Biosprit kritisiert: "Es ist nicht nachhaltig, Weizen und Mais in den Tank zu schütten", hatte er Ende März gesagt und betont, er sei dazu im Gespräch mit Lemke und Wirtschaftsminister Robert Habeck. Mit den Flächen, die weltweit dafür verwendet werden, könnte man hungernde Menschen ernähren.

"Gewinn für die Ernährungssicherheit"

Entwicklungsministerin Svenja Schulze sprach sich ebenfalls dafür aus, den Getreideanbau für Biokraftstoffe angesichts der weltweiten Ernährungskrise zurückzufahren. "Allein in Deutschland dienen fünf Prozent der Ackerfläche der Biosprit-Produktion. Wenn es gelingt, diese Flächen Schritt für Schritt für die Nahrungsmittelproduktion zu gewinnen, wäre das ein Gewinn für die Ernährungssicherheit", sagte Schulze dem "Handelsblatt".

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Lemke verwies darauf, dass in Deutschland ab 2023 die Verwendung von Palmöl als Kraftstoffzusatz im Diesel nicht mehr als Biosprit anerkannt werde. "Ich will jetzt den nächsten Schritt gehen und auch den Einsatz von Agrokraftstoffen aus Nahrungs- und Futtermittelpflanzen weiter reduzieren", kündigte Lemke an. Derzeit werden zur Entlastung der CO2-Bilanz bei Diesel meist sieben Prozent Pflanzenölerzeugnisse zugesetzt und bei Benzin zwischen fünf und zehn Prozent Bioethanol, der meist aus Getreide und Rüben gewonnen wird.

Der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, forderte, "Agrokraftstoffe mit sofortiger Wirkung vollständig und dauerhaft aus der Förderung zu nehmen". CSU-Energieexperte Andreas Lenz warnte vor einem Verzicht auf Biokraftstoffe und deren Zusatz in Benzin und Diesel: "Biokraftstoffe verringern den Bedarf an fossilen Kraftstoffen deutlich und leisten damit einen Beitrag zur Versorgungssicherheit und weniger Abhängigkeiten."

Quelle: ntv.de, mbu/dpa

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