Wirtschaft

Sorge vor Lieferengpässen London billigt Tausende Visa für Lkw-Fahrer

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Laut Schätzungen fehlen in Großbritannien rund 100.000 Lkw-Fahrer.

(Foto: picture alliance/dpa/PA Media)

Immer wieder bleiben in Großbritannien Regale leer. Laut einer Schätzung fehlen rund 100.000 Lkw-Fahrer. Damit es im Weihnachtsgeschäft keine Lebensmittelknappheit gibt, lockert London kurzfristig die Visa-Bestimmungen für ausländische Fachkräfte - und vollzieht damit eine Kehrtwende.

Angesichts eines akuten Arbeitskräfte-Mangels lockert die britische Regierung kurzfristig die Visa-Bestimmungen für ausländische Lkw-Fahrer. Wie die Regierung mitteilte, sollen bis zu 10.500 befristete Arbeitsvisa für Lkw-Fahrer und Fachkräfte aus anderen wichtigen Branchen wie der Geflügelzucht ausgestellt werden. Weil in Großbritannien Schätzungen zufolge rund 100.000 Lkw-Fahrer fehlen, war es zuletzt zu Engpässen an zahlreichen Tankstellen gekommen - viele Briten tätigten daraufhin Panikkäufe.

Die Ankündigung ist eine klare Abkehr von der restriktiven Einwanderungspolitik von Premierminister Boris Johnson seit dem Austritt aus der EU. Johnson hatte wiederholt betont, er wolle Großbritanniens Abhängigkeit von ausländischen Arbeitskräften beenden. Verkehrsminister Grant Shapps verkündete nun aber Ausnahmen von den strengen Visa-Regeln seit dem Brexit. Die befristeten Arbeitsvisa sollen demnach ab Oktober ausgestellt werden und bis Dezember gelten.

Corona-Pandemie und Brexit verschärfen Mangel

Shapps kündigte zudem ein Maßnahmenpaket an, um die Zahl der einheimischen Lkw-Fahrer kurzfristig zu erhöhen. Unter anderem sollen Fahrprüfer des Verteidigungsministeriums aushelfen, um in den kommenden zwölf Wochen zusätzliche Fahrprüfungen anbieten zu können. Das Bildungsministerium soll bei der Ausbildung helfen. Außerdem sollen fast eine Million Briefe an Kraftfahrer verschickt werden, die einen Lkw-Führerschein haben, aber gerade nicht fahren.

Die Corona-Pandemie und der Brexit hatten den Mangel an Lkw-Fahrern in Großbritannien massiv verschärft. Neben der Benzinknappheit hatte es deswegen auch Probleme bei Lebensmittel-Lieferungen gegeben. In vielen Supermärkten blieben Regale leer, führende Supermarktketten warnten vor einer Lebensmittelknappheit vor Weihnachten. Johnsons Regierung stand daher massiv unter Handlungsdruck. Am Samstag bildeten sich an vielen Tankstellen im Land erneut lange Schlangen. "Ich will nur tanken, um zur Arbeit zu kommen. Die Leute füllen einfach Kanister auf - es ist lächerlich", sagte der 56-jährige Mike Davey, als er im südenglischen Kent vor einer Zapfsäule wartete.

Quelle: ntv.de, ses/AFP

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