Wirtschaft

Corona "zementiert" Ungleichheit Mütter landen beruflich auf dem Abstellgleis

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Für die Kinderbetreuung treten Frauen während der Corona-Krise häufiger beruflich kürzer als Männer.

(Foto: picture alliance / Zoonar)

Der Lockdown ist für beide Elternteile eine Belastungsprobe. Frauen tragen bei der Kinderbetreuung jedoch meist die Hauptlast - mit negativen Folgen für Karriere und Einkommen. Nun steht die Rückkehr ins Büro bevor und wieder sind viele Mütter im Nachteil.

Die Corona-Pandemie trifft Frauen beruflich besonders stark - stärker in jedem Fall als Männer. Das zeigt eine aktuelle Studie der Universität Mannheim, der Northwestern University und der University California of San Diego. Laut den Autoren hat das unter anderem zwei Gründe: "In anderen Rezessionen wie der Finanzkrise 2008 waren eher Sektoren wie das Baugewerbe oder die Industrieproduktion stark betroffen. Und in diesen Sektoren arbeiten überwiegend Männer", erklärt David Koll, Forscher an der Universität Mannheim und einer der Autoren der Studie gegenüber ntv.

In der aktuellen pandemischen Krise seien auch ganz andere Sektoren betroffen, wie zum Beispiel das Gastgewerbe oder der Tourismus. "Diese Berufe sind oftmals kontaktintensiv und haben einen höheren Frauenanteil", so Koll.

Dass Frauen beruflich mehr von der Pandemie betroffen sind als Männer, hängt den Studienautoren zufolge stark mit der Betreuung der Kinder zusammen. Geschlossene Kitas und Schulen heißt für viele Eltern vor allem eins: Homeschooling und Homeoffice miteinander vereinen. Meist muss ein Elternteil dafür beruflich kürzertreten. Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung machen das häufiger Mütter als Väter. In Haushalten mit mindestens einem Kind unter vierzehn Jahren haben demnach 27 Prozent der Frauen, aber nur 16 Prozent der Männer ihre Arbeitszeit reduziert, um sich um die Kinder zu kümmern.

Corona-Krise vergrößert Lohnlücke

Zu dieser Erkenntnis kommen auch David Koll und seine Kollegen. "Generell sieht man bei Frauen, dass sie öfter aus dem Beruf ausscheiden, um Kinder zu betreuen. Die Pandemie hat das jetzt noch verstärkt", betont der Forscher. In den USA sind die Auswirkungen der Pandemie auf Frauen sogar noch größer. "Wie auch in den USA haben Frauen in Deutschland ihre Arbeitsstunden stärker reduziert als Männer. Die Kurzarbeit in Deutschland hat jedoch dazu beigetragen, dass Frauen ihren Job behalten konnten. In den USA gibt es die Kurzarbeit in der Form nicht, die Jobs sind daher eher verloren gegangen.", erklärt Koll.

Obwohl der Job-Verlust für Frauen in Deutschland im Vergleich zu den USA nicht so wahrscheinlich ist, befürchtet UN Women Deutschland drastische langfristige Folgen für das Einkommen deutscher Frauen. Denn eine Reduzierung von Arbeitsstunden wirkt sich auch negativ auf die Vergütung aus. "Die bestehende Lohnlücke zwischen den Geschlechtern könnte sich dadurch weiter vergrößern", betont die Organisation.

Nun hat der Lockdown ein Ende, die Impfungen gehen voran und in vielen Unternehmen steht die Rückkehr der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in die Büros bevor. Der Ansatz ist dabei unterschiedlich: Während manche Firmen ihren Angestellten eine Hybrid-Lösung zwischen Homeoffice und Büro vorschlagen, wollen andere Arbeitnehmer die Belegschaft auf einen Schlag wieder im Büro sehen.

Für viele Eltern ist dieser Schritt jedoch schwierig, denn Kitaplätze sind knapp. Allein für Kinder unter drei Jahren fehlen in Deutschland rund 340.000 Betreuungsplätze. Die Folge: ein Elternteil muss zu Hause bleiben - und wie in Lockdown-Zeiten sind das meist wieder die Mütter. Eine Entwicklung, wodurch laut UN Women Deutschland "die klassische Rollenverteilung durch die Corona-Pandemie weiter zementiert" wird.

Quelle: ntv.de

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