Wirtschaft

Knapp eine Billion Dollar Oxfam: Frauen zahlen Zeche in der Pandemie

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Schon vor der Pandemie leisteten Frauen und Mädchen täglich 12,5 Milliarden Stunden unbezahlte Betreuungsarbeit. Corona hat es nicht besser gemacht.

(Foto: imago images/photothek)

Frauen spüren die Folgen der Pandemie deutlich stärker als Männer. Sie verlieren häufiger ihre Jobs und sie tragen den größeren Anteil der Belastung durch fehlende Kinderbetreuung oder Homeschooling. Die Ungleichheit hat laut Oxfam einen Preis: Er ist höher als das Verteidigungsbudget der USA.

Im vergangenen Jahr haben Frauen durch die Covid-19-Krise weltweit Einkommensverluste von mindestens 800 Milliarden US-Dollar verzeichnet. Das entspricht mehr als dem addierten Bruttoinlandsprodukt von 98 Ländern und übersteigt die Marktkapitalisierung von Amazon im vergangenen Jahr. Sogar das US-Verteidigungsbudget war laut Berechnungen der Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam kleiner als dieser Aderlass.

Nach Angaben der Organisation verloren insgesamt 64 Millionen Frauen ihren Arbeitsplatz. Ihr Anteil am Arbeitsmarkt sank damit um 5 Prozent, während der Anteil der Männer nur 3,9 Prozent zurückging. Die Kalkulation, die auf Daten der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) basiert, sei dabei eine konservative Schätzung, teilt Oxfam mit.

"Frauen sind in der Pandemie doppelt gestraft: Sie schultern noch mehr unbezahlte Betreuungsarbeit und verlieren gleichzeitig an Einkommen", kritisiert Sandra Dworack, Entwicklungsexpertin von Oxfam Deutschland. "Wie selbstverständlich springen Frauen ein, wenn Alte und Kranke gepflegt oder Kinder betreut werden müssen. Doch das ist nicht selbstverständlich, sondern eine gesellschaftliche Erwartung, die den Frauen durch sexistische Normen auferlegt wird."

"Doppelt gestraft"

Weltweit arbeiteten Frauen überproportional häufig in Berufen, die zwar für das Funktionieren von Wirtschaft und Gesellschaft unerlässlich seien, jedoch häufig schlecht bezahlt, wenig wertgeschätzt und von den Folgen der Corona-Pandemie besonders betroffen seien, so Oxfam weiter. Dies gilt unter anderem für den Einzelhandel, den Tourismus oder die Gastronomie sowie das Sozial- und Gesundheitswesen. In Südasien, Afrika und Lateinamerika arbeiten Frauen zudem vielfach in informellen Arbeitsverhältnissen, etwa auf Märkten oder als Haushaltshilfen.

Schon vor dem Ausbruch des Corona-Virus leisteten Frauen und Mädchen täglich 12,5 Milliarden Stunden unbezahlte Betreuungsarbeit. Die Vereinten Nationen schätzen, dass im Jahr 2021 weltweit zusätzlich 47 Millionen Frauen in extreme Armut geraten werden und mit weniger als 1,90 Dollar pro Tag auskommen müssen.

Nach einer Kalkulation des Weltwirtschaftsforums (WEF) wird es wegen der Einbußen von Frauen in der Pandemie nun eine Generation länger dauern, um den Global Gender Gap zu schließen, der die Unterschiede bei der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Teilhabe von Frauen und Männern bemisst. Theoretisch werde es nun statt 99,5 Jahre 135,6 Jahre dauern, die Lücke zwischen den Geschlechtern zu schließen.

"Frauen federn die gesellschaftliche Wucht der Pandemie ab und bleiben dabei selbst auf der Strecke", so Dworack. Eine Erholung von Covid-19 sei dabei "unmöglich, ohne dass sich die Frauen erholen". Es gelte, die Wirtschaft "nach der Pandemie geschlechter- und klimagerecht zu gestalten und soziale Ungleichheit insgesamt abzubauen". Oxfam fordert von den Regierungen, die öffentlichen Bildungseinrichtungen, die Gesundheitsversorgung und soziale Sicherungssysteme zu stärken.

Quelle: ntv.de, ddi

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