Wirtschaft

Halbleitermangel macht kreativ Porsche baut Dummy-Chips in Autos ein

238655418.jpg

Trotz Rekordkurses wolle Porsche im Gesamtjahr "mit beiden Füßen auf dem Boden zu bleiben", sagt Finanzvorstand Lutz Meschke.

(Foto: picture alliance / NurPhoto)

Porsche beginnt wegen des Chipmangels zu improvisieren. Damit Kunden nicht zu lange auf ihre Autos warten müssen, werden statt echter Halbleiter Attrappen eingesetzt - später soll nachgerüstet werden. Mit einer baldigen Entspannung der Lage rechnet das Unternehmen nicht.

Porsche behilft sich aufgrund des weltweiten Mangels an Halbleitern mit Dummy-Chips. "Wir steuern täglich mit hohem Aufwand und Kreativität unsere Produktionsprogramme und können darüber etwas abfedern - zum Beispiel produzieren wir Fahrzeuge mit sogenannten Dummy-Chips", sagte Porsche-Chef Oliver Blume der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten". "Sobald die realen Chips verfügbar sind, rüsten wir diese Fahrzeuge nach."

Porsche SE
Porsche SE 84,36

Den Angaben zufolge geht es um eine niedrige fünfstellige Anzahl an Fahrzeugen. Porsche mache so "buchstäblich aus der Not eine Tugend", führte Blume weiter aus. "Wir achten immer darauf, dass unsere Kunden nicht zu lange warten müssen." Porsche habe innerhalb des Volkswagen-Konzerns wegen seiner ergebnisstarken Modelle "eine gewisse Priorität". Im zweiten Halbjahr wolle das Unternehmen an den Wochenenden aufholen. "Aber auch das hängt von der Halbleiter-Verfügbarkeit ab."

Der Sportwagenbauer ist trotz des Halbleitermangels und der Corona-Krise auf Rekordkurs. In der ersten Jahreshälfte erzielte Porsche ein operatives Ergebnis von 2,8 Milliarden Euro, das entspricht einer Steigerung von 127 Prozent. Die Umsatzrendite lag bei rund 17 Prozent. "Das ist ein Halbjahresergebnis, das wir 2014 noch als Gesamtjahresergebnis ausgewiesen haben", sagte Blume. Als Grund für den Erfolg nennt er die Produktstrategie. Ein Beispiel sei der vollelektrische Taycan. "Im ersten Halbjahr konnten wir knapp 20.000 Taycan ausliefern - damit ist praktisch schon jetzt das Volumen des gesamten Vorjahres erreicht."

VW Vorzüge
VW Vorzüge 189,30
Prognose wird nicht hochgeschraubt

Trotz der starken Verbesserung der operativen Umsatzrendite will der Sportwagenhersteller an seiner Margenprognose von 15 Prozent für das Gesamtjahr festhalten. "Bei allem Erfolg tun wir gut daran, mit beiden Füßen auf dem Boden zu bleiben", sagte Finanzvorstand Lutz Meschke. "Denn unabhängig von den Unsicherheiten der Corona-Pandemie könnte sich im dritten Quartal die weiterhin angespannte Lage auf dem Halbleiter-Markt bemerkbar machen."

Mehr zum Thema

Auch die Konzern-Mutter Volkswagen äußert sich wegen des akuten Chipmangels für den Rest von 2021 - trotz glänzenden Halbjahresergebnisses - vorsichtig. "Die Aussicht auf die weitere Entwicklung des Jahres bleibt wegen der Halbleiter-Situation eingeschränkt", sagte Finanzvorstand Arno Antlitz dem "Handelsblatt". Zu einem möglichen Börsengang von Porsche äußerte sich Antlitz nur vorsichtig. Er ließ durchblicken, dass ein solcher Schritt im Moment eher unwahrscheinlich ist. "Wir wollen die Transformation aus eigener Kraft finanzieren, dabei spielt Porsche eine wichtige Rolle", sagte der VW-Finanzvorstand.

Quelle: ntv.de, ddi/AFP/DJ

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.