Wirtschaft

Spekulationen über Mordserie Russischer Milliardär stirbt angeblich bei Schamanen

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Sich bei gesundheitlichen Problemen an Schamanen zu wenden, ist in Teilen der russischen Gesellschaft durchaus üblich.

(Foto: IMAGO/SNA)

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Wieder kommt ein ehemaliger hochrangiger russischer Energiemanager und Tycoon auf mysteriöse Weise ums Leben. Angesichts der Historie staatlicher russischer Mordanschläge wird über eine Verwicklung von Präsident Wladimir Putin spekuliert. Doch die Toten gehörten zuvor nicht zu seinen Kritikern.

In ihren Berichten malen russische Medien den Tod von Alexander Subbotin in schillernden Details aus: Ein Schamane und dessen Ehefrau hätten den ehemals hochrangigen Ölmanager zu einer "Kater-Behandlung" nach übermäßigem Alkoholbesuch empfangen, heißt es im populären russischen Telegram-Kanal "Mash". In ihrer Wohnung nördlich von Moskau habe das Schamanenpaar unter anderem die Haut des Patienten eingeschnitten und Krötengift in die Wunden geträufelt. Nach weiteren Behandlungsschritten wie der Beschwörung von Geistern, der Opferung von Tieren und einem Bad in Hahnenblut habe sich Subbotin "plötzlich unwohl gefühlt". Statt einen Rettungswagen zu rufen, hätten die Schamanen den Milliardär im Keller zur Ruhe gelegt, wo sie ihn wenig später tot aufgefunden hätten. Nun ermittle die Polizei.

Dieser Bericht klingt abenteuerlich und ist mit äußerster Vorsicht zu genießen. Für die von "Mash" und anderen Medien geschilderten Details gibt es keinerlei offizielle Bestätigung. Dennoch lassen der Tod von Subbotin und seine mysteriösen Umstände aufhorchen. Denn der Fall reiht sich ein in eine Serie plötzlicher Todesfälle russischer Geschäftsleute und Topmanager vor allem aus dem Energiebereich. Subbotin war Manager des Öl-Giganten Lukoil und wurde Berichten zufolge zeitweise als Kandidat für den Chefposten gehandelt. Später stieg er bei einem Logistikunternehmen namens NTC ein.

Zuletzt waren im April der ehemalige Vizechef der Gazprom-Bank, Waldislaw Awaew, und der ehemalige Manager von Novatek, des größten privaten Gasförderers Russlands, Sergej Protosenja, gestorben. Beide sollen zunächst ihre Frau und Kinder und anschließend sich selbst getötet haben. Awaews Leiche und die seiner Frau und seiner Tochter wurden am 18. April in der Moskauer Wohnung der Familie gefunden. Protosenja soll sich nur zwei Tage später in seiner Villa in Spanien erhängt haben, nachdem er ebenfalls Frau und Tochter getötet haben soll. Zumindest die spanischen Ermittler haben eine Fremdeinwirkung bislang nicht ausgeschlossen.

Im Februar kurz nach Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine war der inzwischen in Großbritannien ansässige russisch-ukrainische Öl- und Gas-Tycoon Mikhail Watford, mutmaßlich durch Selbstmord, gestorben. Nur Tage zuvor soll sich auch der hochrangige Gazprom-Manager Alexander Tjuljakow in Sankt Petersburg erhängt haben. Bereits im Januar war der Logistik-Chef von Gazprom, Leonid Schulman, in seinem Badezimmer nahe Sankt Petersburg tot aufgefunden worden. Die Polizei geht ebenfalls von Selbstmord aus.

Betrugsermittlungen und wirtschaftliche Probleme

Ein weiterer Milliardär, der im März durch mutmaßlichen Selbstmord starb, ist Wassili Melnikow. Auch er soll seine Frau und Kinder und anschließend sich selbst getötet haben. Als Einziger in dieser Reihe war er nicht im Ölgeschäft tätig. Ihm gehörte der Medizinkonzern MedStom.

Auch wenn es in keinem der Fälle Beweise für Fremdverschulden gibt, sind die Parallelen zwischen den Todesfällen zu groß, als dass sie nicht Spekulationen über eine mögliche Mordserie anheizen würden. Angesichts zahlreicher erwiesener und mutmaßlicher Mordanschläge auf russische Oppositionelle und Kritiker von Präsident Wladimir Putin fällt der Verdacht dabei zunächst auf den Staatschef selbst. Doch anders als etwa Oppositionsstar Alexej Nawalny, den der russische Geheimdienst zu vergiften versuchte, und viele andere Todesopfer war keiner der zuletzt umgekommenen Spitzenmanager politisch hervorgetreten.

Andere Oligarchen, etwa der Ex-Bankier Oleg Tinkow, der sich deutlich gegen den Ukraine-Krieg positioniert hat, sprechen öffentlich über die Angst, Putins Rache zum Opfer zu fallen. Bislang sind sie aber noch am Leben. Das Motiv für mögliche Verbrechen muss aber nicht notwendigerweise im politischen Bereich liegen. Als langjährige Insider im korruptionsanfälligen russischen Ölsektor könnten die verstorbenen Manager Wissen von illegalen Geschäften gehabt haben, die nicht an die Öffentlichkeit kommen sollen, mutmaßt etwa das polnische Warsaw Institute. "Möglicherweise verwischen jetzt einige hochrangige Leute mit Verbindung zum Kreml Spuren von Betrug in staatlichen Unternehmen", schreibt der Thinktank in einem Blogpost.

Bei aller Spekulation über Mordmotive gibt es zumindest in einigen der jüngsten Todesfälle allerdings durchaus auch Hinweise auf mögliche Motive für einen erweiterten Selbstmord. So war etwa Melnikows Medizinkonzern durch den Ukraine-Krieg und die darauf folgenden westlichen Sanktionen offenbar in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Gegen Gazprom-Cheflogistiker Schulman wurde wegen Betrugsverdachts ermittelt.

Quelle: ntv.de, mbo

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