Wirtschaft

"Jetzt fliegen wir volle Pulle" Ryanair will mit Laudamotion durchstarten

b3cd77a4cc056c642bec5536a3a7f202.jpg

Gemeinsamer Auftritt in Wien: Airline-Gründer Niki Lauda und Ryanair-Chef Michael O'Leary (r.).

(Foto: dpa)

Formel-1-Legende Niki Lauda sorgt mit dem neuen Partner im Rücken im europäischen Airline-Markt für Wirbel: Die ehemalige Air-Berlin-Tochter Laudamotion fliegt unter dem neuen Namen von sieben deutschen Flughäfen aus 65 Urlaubsziele an.

Die neue österreichische Fluglinie Laudamotion steckt sich kurz nach dem Start ehrgeizige Ziele: "Sie soll eine der größten Billigfluglinien Europas werden", erklärte Ryanair-Chef Michael O'Leary bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Laudamotion-Chef Niki Lauda in Wien. Die irische Discount-Fluggesellschaft Ryanair ist seit dem überraschenden Einstieg in der vergangenen Woche an der Nachfolgegesellschaft der insolventen Air-Berlin-Tochter Niki beteiligt. Binnen der nächsten zwei bis drei Jahre soll die Laudamotion-Flotte auf 40 Maschinen wachsen.

Ryanair
Ryanair 13,85

Airline-Gründer Niki Lauda kündigte an, dass das Personal im Cockpit und in der Kabine so gut bezahlt werden solle, wie bei keiner anderen gleichartigen Fluglinie - falls die Produktivität stimme. "Jetzt beginnen wir, volle Pulle zu fliegen", sagte Lauda. Ryanair habe den Gewerkschaften bei Laudamotion zudem die Mitsprache eingeräumt, hieß es.

Erst im Januar hatte Lauda die insolvente Airline Niki in einem zweiten Bieterverfahren für rund 50 Millionen Euro erworben und dann umbenannt: Unter dem neuen Namen Laudamotion soll die Fluglinie im aktuellen Sommerflugplan mit 21 Flugzeugen starten. Die Maschinen sollen von sieben deutschen Flughäfen (Berlin/Tegel, Köln, Düsseldorf, Frankfurt, München, Nürnberg, Stuttgart) sowie von Zürich und Wien aus insgesamt 65 Strecken bedienen. Die angeflogenen Ziele liegen im Mittelmeerraum und auf den Kanarischen Inseln.

150db3be2c39f82dc403fb71f32fe318.jpg

Ein Kuss unter Geschäftspartnern: O'Leary feiert das irisch-österreichische Luftfahrt-Bündnis.

(Foto: REUTERS)

Ryanair-Chef O'Leary will mit Laudamotion binnen drei Jahren Gewinn machen. Im ersten Jahr sei noch mit Verlusten in Höhe von rund 50 Millionen Euro zu rechnen, sagte er. Auch im zweiten Jahr dürfte es noch ein kleines Minus geben, bevor man im dritten Jahr dann schwarze Zahlen schreiben werde. Der Lufthansa-Rivale Ryanair übernahm in einem ersten Schritt 24,9 Prozent der Anteile an Laudamotion, der ehemaligen insolventen Air-Berlin-Tochter. Danach soll der Anteil abhängig von der Zustimmung der EU-Wettbewerbshüter so rasch wie möglich auf 75 Prozent aufgestockt werden.

Niki Lauda als "Strohmann"?

Nach der Pleite hatten mehrere Fluglinien um die österreichische Airline - einst bekannt als Niki - gebuhlt, darunter die Lufthansa mit ihrer Billigmarke Eurowings und die britische IAG mit ihrer Tochter Vueling. O'Leary beteuerte, Lauda sei in dem Bieterwettstreit um Niki nicht sein "Strohmann" gewesen.

Der österreichische Airlinegründer Niki Lauda sieht sich bereits seit Monaten mit entsprechenden Vorwürfen konfrontiert, er sei nur als Mittelsmann des Lufthansa-Wettbewerbers Ryanair in den Bieterstreit um Laudamotion eingestiegen. Lauda hatte die von ihm einst selbst gegründete Airline Niki im Zuge der Air-Berlin-Pleite zurückgekauft, Mitte März aber überraschend Ryanair an Bord geholt. Die Iren kommen dadurch an attraktive Start- und Landerechte an deutschen Flughäfen und können der Lufthansa einen schärferen Preiskampf liefern.

Laudamotion fliegt für Lufthansa

Er habe Niki nach der Air-Berlin-Pleite kaufen und mit 21 Flugzeugen wieder an den Start bringen wollen, zitierte die österreichische "Kronen Zeitung" Lauda nach der Entscheidung für Ryanair. Doch die Lufthansa habe die Niki-Flugzeuge bekommen und nur elf davon abgegeben.

Auf die Frage, ob er Lufthansa die Schuld gebe, dass er Ryanair reinholen musste, sagte Lauda: "Sicher ist die Lufthansa Schuld, weil eben nur elf Flieger kamen. Die haben sich ausgerechnet, dass meine 40.000 Slots an den Slot-Koordinator zurückgehen, wenn ich nur elf Flieger habe. Dann wären die Slots neu verteilt worden. Vielleicht an Eurowings oder die Lufthansa. Aber da habe ich ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht."

Vor Beginn des Sommerflugplans hat sich der Lufthansa-Konzern Flugkapazitäten von Laudamotion gesichert. Die Gesellschaft schickt seit vergangenem Sonntag acht ihrer gerade erst angemieteten Airbus A320-Jets im Auftrag der Lufthansa-Tochter Eurowings in den Himmel. Die Vereinbarung gelte zunächst bis Ende Mai, hatten beide Seiten erklärt.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa/rts

Mehr zum Thema