Wirtschaft

Mega-Investitionen und Ruhestand Scheitern Bahn-Pläne an fehlendem Personal?

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Schon jetzt fehlen bei der DB Netz AG, die unter anderem für den Schienenausbau zuständig ist, rund 600 Stellen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der "Schienenpakt" der Deutschen Bahn mit der Bundesregierung sieht in den nächsten zehn Jahren erhebliche Investitionen vor. Bis dahin geht ein Großteil der Angestellten in Rente. Um die Vorgaben zu stemmen, braucht es ausreichend Personal - nur ist das offenbar nicht vorgesehen.

Die Deutsche Bahn will ihr Schienennetz bis 2030 umfassend ausbauen und modernisieren. Mit einem Investitionsvolumen von 156 Milliarden Euro plane Vorstandsmitglied Roland Pofalla, die Fahrgastzahlen zu verdoppeln und den Marktanteil des Güterverkehrs auf mindestens 26 Prozent anzuheben, berichtet das "Handelsblatt". Damit sollen die Vorgaben des "Schienenpakts" mit der Bundesregierung erfüllt werden. Trotz der Corona-Krise will man an den ambitionierten Zielen festhalten, sagt auch Bahn-Chef Richard Lutz.

Doch die Bahn habe ein Personalproblem, sodass es unklar ist, ob die Investitionen in diesem Rahmen überhaupt umsetzbar sind, berichtet die Zeitung. Bei der für Neu- und Ausbau zuständigen DB Netz AG gingen bis 2030 rund 39.000 Mitarbeiter in den Ruhestand, das sind 86 Prozent der Belegschaft. Das gehe aus einer Anfrage der Grünen-Fraktion hervor. Bis dahin wolle die Bahn lediglich 36.500 Neueinstellungen vornehmen, und schon jetzt sind 600 Stellen unbesetzt.

Grünen-Haushaltsexperte Sven-Christian Kindler hat dafür kein Verständnis: "Zwischen den Personalplanungen des DB-Konzerns und den jüngsten Ankündigungen von Andreas Scheuer auf dem Schienengipfel liegen Welten." Der Ausbau der Infrastruktur sei nur möglich, wenn die Bahn massiv an Personal zulege.

Die angekündigte Neuorganisation der Deutschen Bahn greife da zu kurz, heißt es im "Handelsblatt" weiter. Die Restrukturierung bestehe hauptsächlich aus einer Zusammenlegung von Regionalnetzen und ihrer Verwaltung. Die Grünen hegen daher Zweifel, ob die Bahn die angekündigte Leistung überhaupt umsetzen kann. Denn auch die Investitionen der vergangenen zehn Jahre haben nicht dazu geführt, dass das Netz stärker genutzt wird. Kindler zweifelt deswegen daran, ob Pofalla ausreichend "Mut und Wille" besitze, den Zielen der Deutschen Bahn gerecht zu werden.

Quelle: ntv.de, mdi