Wirtschaft

Viel Konfliktpotenzial Tarifgespräche für Metaller in Krisenzeiten

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(Foto: imago images / photothek)

Direkt und indirekt profitieren etwa drei von vier Beschäftigten von Tarifverhandlungen. Und in diesem Jahr stehen wieder zahlreiche Verhandlungen an. Dabei geht es in wichtigen Branchen inzwischen auch um Werkzeuge für Krisenzeiten.

Arbeitgeber und Arbeitnehmervertreter verschiedener Branchen werden in diesem Jahr die Gehälter und Arbeitsbedingungen für rund zehn Millionen Beschäftigte in Deutschland neu ausgehandeln. Nach Erhebungen der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung sind das deutlich mehr als im Jahr zuvor mit 7,3 Millionen Beschäftigten. Schwergewichte sind die Metall- und Elektroindustrie, das Bauhauptgewerbe sowie in der zweiten Jahreshälfte der Öffentliche Dienst von Bund und Gemeinden.

Gerade die Metallrunde mit rund 3,8 Millionen Beschäftigten und den deutschen Kernindustrien Maschinenbau und Auto birgt in dieser Runde viel Konfliktpotenzial. Nach ersten Verhandlungen im März sind bereits im Mai die ersten Warnstreiks zu erwarten. Dabei dürfte die IG Metall erneut ihre für die Betriebe schmerzhaften 24-Stunden-Ausstände auspacken, die ohne vorherige Urabstimmung möglich und mit vollem Streikgeldanspruch für die Teilnehmer verbunden sind.

Eine sinkende Produktion, Stellenstreichungen und Kurzarbeit bei Herstellern sowie Zulieferern haben die Metaller aber sensibilisiert. Die Beschäftigten sind mehr an sicheren Arbeitsplätzen als an weiteren Arbeitszeitverkürzungen interessiert. Gewerkschaftschef Jörg Hofmann setzt gegen wirtschaftliche Schwankungen insbesondere auf das Instrument der Kurzarbeit, das eng mit tariflichen Zulagen verzahnt werden soll. Die gewonnene Zeit müsse intensiv für die Fortbildung der Beschäftigten genutzt werden, mahnt er. Eine genaue Forderung will die IG Metall erst im Laufe des ersten Quartals 2020 festzurren.

Löhne steigen schneller als die Inflation

Die schwächelnde Konjunktur und die stagnierende Arbeitslosigkeit haben bereits 2019 zu niedrigeren Neuabschlüssen geführt. Sie fielen laut WSI mit durchschnittlich 2,5 Prozent spürbar geringer. Aus den Jahren zuvor gab es noch Erhöhungen um 3,3 Prozent. Allerdings waren hierbei auch einige Abschlüsse mit zweijähriger Laufzeit - bei denen die Erhöhung im zweiten Jahr traditionell geringer ausfällt. Insgesamt erhielten laut Tarifarchiv derStiftung im vergangenen Jahr etwa 20 Millionen Beschäftigte Tariferhöhungen. 12 Millionen von ihnen profitierten dabei von mehrjährigen Tarifabschlüssen aus den Vorjahren.

Laut Statistischem Bundesamt wachsen die Nominallöhne seit 2013 kontinuierlich schneller als die Verbraucherpreise, die Beschäftigten können also theoretisch mehr Waren und Dienstleistungen konsumieren. Die Volkswirte der Commerzbank erwarten für 2020 meist Tarifsteigerungen von unter drei Prozent.

Trotz sinkender Tarifbindung wird immer noch die Mehrzahl der Arbeitsverhältnisse von den Abkommen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern beeinflusst. Dem IAB-Betriebspanel 2017 zufolge arbeiten 54 Prozent der Beschäftigten in Betrieben, die an Flächen- oder Haustarife gebunden sind. Bei knapp der Hälfte der übrigen Arbeitnehmer orientiert sich das Unternehmen an bestehenden Tarifverträgen, so dass unter dem Strich mindestens drei von vier Beschäftigten in Deutschland nach Tarif oder nahe dran bezahlt werden.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa