Wirtschaft

Die USA als Firma Trumps schräge Vorstellung von Schulden

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Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump bei einem Wahlkampfauftritt in Rome (Bundesstaat New York). Als Unternehmer hat er bereits mehrere Insolvenzen hinter sich.

(Foto: REUTERS)

Kein klares politisches Konzept, konfuse Vorstellungen von Wirtschaft - der aussichtsreiche US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump ist schwer kalkulierbar. Die Finanzwelt macht sich auf Überraschungen gefasst.

US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump holt sich weitere Verstärkung für sein Wahlkampfteam: Nach dem deutschstämmigen Start-Up-Investor Peter Thiel rekrutierte der republikanische Bewerber für das Amt nun auch den Hedgefondsmanager Steven Mnuchin. Er soll als Finanzchef seiner Kampagne fungieren. Trump und Mnuchin kennen sich seit 15 Jahren, Mnuchin kommt vom Hedgefonds Dune. Trump steht unter Druck. Experten schätzen, dass er ungefähr eine Milliarde Dollar für seine Kampagne einsammeln muss.

Doch sein Problem ist, dass er mit seiner derben, oft verletzenden Art wichtige traditionelle Geldgeber der Republikaner verschreckt hat. Offenbar will sich der Immobilienmogul im Wahlkampf nicht mehr voll und ganz auf sein eigenes Vermögen zur Finanzierung seines Wahlkampfes verlassen. In den jüngsten Umfragen liegt er inzwischen gleichauf mit Clinton. Trump will jetzt offenbar auf Nummer sicher gehen. Doch so weitsichtig, wie Trump momentan in den Finanzangelegenheiten seiner Wahlkampf-Kampagne agiert, so konfus wirkt alles andere. In Wirtschafts- und Finanzfragen folgt er vor allem seinen eigenen ökonomischen Erfahrungen als Geschäftsmann.

Wer ist besser für die Finanzwelt?

Investoren, Ökonomen und Finanzfachleute fragen sich deshalb zunehmend, was nach der Präsidentschaftswahl im November auf Amerika zukommen wird. Nimmt man die Spendengelder als Messlatte, bevorzugt der große Teil der Finanzwelt die demokratische Herausfordererin Hillary Clinton. Doch sowohl bei Clinton als auch bei Trump sind sich die Experten unsicher, wie sie sich letztlich positionieren werden. Trumps Angriffe gegen die Wall Street - wie zum Beispiel sein Vorschlag höherer Steuern - sind nicht gut angekommen. Von Clinton erwarten Finanzmanager mehr Verständnis für ihre Branche - sogar mehr als von Barack Obama, der sich bei der Finanzelite immer unbeliebter gemacht hat. Diese Einschätzung teilen allerdings nicht alle.

Grundsätzlich trauen Experten beiden Kandidaten zu, sich zum Beispiel auf die Banken zu stürzen. Karen Petrou von Federal Financial Analytics sagte dem "Handelsblatt", sie traue Trump sogar eine rigide Bankenregulierung nach dem Konzept des "Narrow Banking" zu, bei dem Banken auf Kredit- und Einlagengeschäft und extreme Reservehaltung eingeschränkt und verpflichtet werden. Aber auch Clinton dürfte nach ihrer Wahl weit nach links abdriften und die Banken so regulieren, dass es einer kalten Verstaatlichung gleichkomme. Sicher vor neuen Auflagen und Angriffen fühlt sich die Wall Street also bei keinem.

Weit verbreitet ist die Meinung, dass Trumps Finanzpolitik lax sein wird. Einige sehen Parallelen zum US-Präsidenten Ronald Reagan, der das staatliche Defizit aus dem Ruder laufen ließ. Hohe Defizite sei nichts, was Trump Angst machen würde, heißt es. Staatsausgaben auf Pump sind bei ihm bereits programmiert.

Schuldenschnitt à la Trump

Erst Anfang der Woche schockierte Trump Fachleute mit seinen Plänen zum Umgang mit den Gläubigern der USA. Sie fürchten ein wirtschaftliches Desaster. Trump will Wachstum mithilfe von Kreditaufnahmen finanzieren. Hohe Defizite ist nichts, was Trump Angst macht. Für den Fall eines Crashs der US-Wirtschaft – so kündigte er es in einem Interview mit dem amerikanischen Sender CNBC an - sollen die Gläubiger der USA für ihre Staatsanleihen einfach weniger als den vollen Gegenwert bekommen.

Experten halten solche Äußerungen für grob fahrlässig. Allein die Ankündigung könnte die Zinsen in die Höhe treiben, das Wirtschaftswachstum ausbremsen und das Vertrauen in die US-Vermögenswerte untergraben. Schultern müssten die Schuldenlast die Steuerzahler. "Es scheint, als ob Trump plant, das Land wie eines seiner gescheiterten Geschäftsprojekte zu führen, und das lässt nichts Gutes ahnen", sagte Megan Greene, Chefökonomin beim Finanzdienstleister Manulife der Nachrichtenagentur AP.

Der Immobilienmogul war mehr als einmal pleite. Vier seiner Firmen rekonstruierte er nach dem Insolvenzrecht. Sein Unternehmen Trump Hotels & Casinos 2004 hatte nach dem Konkurs nicht mehr 1,8 Milliarden Dollar Schulden, sondern 500 Millionen weniger. Die Zinsen sanken von 15 auf acht Prozent. "Ich denke nicht, dass das ein Versagen ist, es ist ein Erfolg", triumphierte Trump damals.

Eine "wahnwitzige Idee"

Für US-Staatsanleihen jedoch weniger als den vollen Gegenwert zurückzuzahlen, wären eine schwerwiegende Zäsur für das Land. Es würde gegen den Grundsatz verstoßen, den der erste US-Präsident George Washington im 18. Jahrhundert eingeführt hat: vom Staat aufgenommene Schulden zum vollen Nennwert zurückzuzahlen. Nur diesem Grundsatz ist es zu verdanken, dass der größte Schuldner der Welt, Kredite zu niedrigeren Zinsen aufnehmen kann, als es sonst möglich wäre. Dies kam der Wirtschaft immer zugute.

Die öffentlichen Schulden der USA liegen derzeit bei 13,8 Billionen Dollar. Die Rendite von Schatzscheinen mit zehnjähriger Laufzeit beträgt etwa 1,8 Prozent. Den Kreditzahlungsverpflichtungen nicht nachzukommen, könne nicht wirklich ernstgemeint sein, sagte Tony Fratto, der in der Regierung des früheren Präsidenten George W. Bush im Finanzministerium arbeitete, AP. Der Schuldendienst würde deutlich teurer "Es ist eine wahnwitzige Idee."

Quelle: ntv.de