Wirtschaft

Infektionen in zwei Werken VW stellt ab Samstag Produktion ein

Erst vor Kurzem gibt VW seine Prognose für das laufende Jahr heraus. Doch das Coronavirus macht dem Konzern einen Strich durch die Rechnung: An den allermeisten Standorten soll an diesem Freitag die vorerst letzte Schicht laufen.

Volkswagen wird die Produktion in seinen meisten Werken in Deutschland und Europa wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus für zwei bis drei Wochen aussetzen. Das kündigte VW-Chef Herbert Diess bei der Vorlage der Jahresbilanz in Wolfsburg an. In Werken in Spanien, Portugal, Italien und in der Slowakei gibt es demnach bereits diese Woche Produktionsunterbrechungen. In China wurde die Produktion dagegen wieder aufgenommen.

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Vom Betriebsrat heißt es, dass an den allermeisten Standorten an diesem Freitag die letzte Schicht laufen werde. Am vergangenen Wochenende waren Infektionen mit dem Virus Sars-CoV-2 im Werk Baunatal bei Kassel sowie im Stammwerk Wolfsburg bekannt geworden. VW hatte daraufhin Hygiene- und Abstandsvorschriften verschärft, auch Kantinen sollten geschlossen werden. Dienstreisen wurden eingeschränkt, größere Versammlungen verschoben.

Aus Sicht der Mitarbeitervertreter reichten die beschlossenen Maßnahmen aber nicht aus. Problematisch war die Situation laut Betriebsrat vor allem für die Mitarbeiter an den Montagelinien, wo "Schulter an Schulter an unseren Fahrzeugen gearbeitet wird". Das Robert-Koch-Institut empfehle jedoch Mindestabstände, die an den einzelnen Arbeitsstationen nicht einzuhalten seien, heißt es. Den infizierten Beschäftigten soll es jüngsten Angaben zufolge gut gehen, sie befinden sich in häuslicher Quarantäne.

Auch die beiden Standorte der VW-Tochter Audi sind von dem Produktionsstopp betroffen. Audi-Betriebsratschef Peter Mosch sagte, er hoffe auf ein solidarisches und unbürokratisches Entgegenkommen des Unternehmens gegenüber der Belegschaft. "Wir drängen hier auf verbindliche Zusagen." Audi produziert in Deutschland in Ingolstadt und Neckarsulm.

"Verlässliche Prognose nahezu unmöglich"

Angesichts der massiven Auswirkungen der Corona-Pandemie stellt VW auch die erst vor Kurzem abgegebene Konzernprognose für das laufende Jahr infrage. "Es ist ungewiss, mit welcher Schwere und Dauer dies auch den Volkswagen-Konzern treffen wird", sagte Finanzvorstand Frank Witter. Eine verlässliche Prognose sei derzeit nahezu unmöglich. "Wir schöpfen im Task-Force-Modus alle Maßnahmen aus, um unsere Mitarbeiter und deren Familien zu unterstützen und unser Geschäft zu stabilisieren."

VW hatte vor drei Wochen bei Vorlage von Eckzahlen 2019 für dieses Jahr Auslieferungen in der Größenordnung des Vorjahres in Aussicht gestellt. Die Umsatzerlöse sollten um bis zu vier Prozent steigen. Die bereinigte operative Umsatzrendite wurde bisher erneut zwischen 6,5 und 7,5 Prozent gesehen.

"2020 ist ein sehr schwieriges Jahr", sagte Diess. "Die Corona-Pandemie stellt uns vor ungekannte operative und finanzielle Herausforderungen". Zudem seien nachhaltige Konjunktureinflüsse zu befürchten. VW ist Deutschlands größter Industriekonzern mit weltweit mehr als 670.000 Beschäftigten.

Auch in vielen anderen Ländern gelten inzwischen erhöhte Vorsichtsmaßnahmen. Bisher waren die Lieferketten nach offiziellen Angaben nicht nennenswert unterbrochen oder gefährdet. In China, wo die Coronavirus-Pandemie ausbrach und Volkswagen zeitweilig auch schon Fabriken schließen musste, entspannte sich die Lage zuletzt wieder etwas.

Rekordgewinn im Jahr 2019

Dank guter Geschäfte des Sportwagenherstellers Porsche und der schwedischen Lkw-Marke Scania hatte VW den Gewinn 2019 kräftig gesteigert. Gestützt wurde das Geschäft auch von Fortschritten bei der spanischen Marke Seat.

Demnach steigerte Porsche seine Umsätze um zehn Prozent auf 26,1 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen kletterte bei dem Sportwagenhersteller um 2,4 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro. Die Kernmarke VW erzielte ein Umsatzplus von 4,5 Prozent auf 88,4 Milliarden Euro, der operative Gewinn kletterte auf 3,8 (Vorjahr: 3,2) Milliarden Euro.

Im Lkw-Geschäft konnte vergangenes Jahr nicht nur die traditionell margenstarke schwedische Scania ihre Rendite verbessern, auch die Münchener MAN war profitabler - allerdings weiter auf niedrigem Niveau. Der Umsatz der Scania Vehicles and Services kletterte 2019 auf 13,9 Milliarden Euro nach 13 im Vorjahr. Das operative Ergebnis legte überproportional um 24,8 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro zu.

Quelle: ntv.de, chr/dpa/rts/DJ