Wirtschaft

"Katastrophe für Deutschland" WTO-Chef warnt Trump vor Handelskrieg

Das "Bedürfnis nach einfachen Antworten" spielt Donald Trump in die Hände, ist WTO-Chef Azevedo überzeugt. Sollte der US-Präsident tatsächlich alle seine Wahlversprechen in die Tat umsetzen, sähe es für Deutschland düster aus.

Der Chef der Welthandelsorganisation WTO, Roberto Azevedo, hat US-Präsident Donald Trump vor einem Handelskrieg gewarnt. "Ohne Handel wird Amerika niemals 'great again'", sagte Azevedo der "Bild"-Zeitung in Anspielung auf Trumps Wahlkampfslogan "Make America great again". "Wenn wir einen Handelskrieg erleben, wäre das katastrophal", sagte der WTO-Präsident. Strafzölle und neue Handelsbarrieren hätten vor allem Folgen auch für die deutsche Wirtschaft. "Speziell für das Exportland Deutschland wäre das eine Katastrophe", sagte Azevedo.

Der WTO-Chef kritisierte zudem die weltweit zunehmende Skepsis gegenüber dem Freihandel: "Das Problem ist ein irrationaler Umgang mit diesem Thema." Es gebe einen "Mangel an Informationen" und "ein Bedürfnis nach einfachen und schnellen Antworten". Die Leute würden "vielen Fehlwahrnehmungen und Missverständnissen" aufsitzen. "Da sind zu viele Gefühle und zu wenig Fakten im Spiel."

Statt durch Strafzölle US-Unternehmen zu schützen, solle Trump die eigene Wirtschaft durch Bildungs-Investitionen langfristig stärken, forderte Azevedo: "Sie können doch als Politiker nicht bloß andere Länder und böse Kräfte von außen dafür verantwortlich machen", sagte der WTO-Chef an den US-Präsidenten gerichtet.

Trump hat einen protektionistischen Wirtschaftskurs angekündigt. Er drohte Strafzölle auf Waren aus dem Ausland an und erwähnte in diesem Zusammenhang ausdrücklich deutsche Autobauer. Zudem besiegelte er den Ausstieg der USA aus dem Transpazifischen Freihandelsabkommen TPP und will das Nafta-Freihandelsabkommen zwischen den USA, Kanada und Mexiko neu aushandeln. International löste Trump die Sorge vor einer Ära internationaler Handelsschranken aus.

US-Handelsminister bestätigt

Derweil wurde Trumps Kandidat für den Posten des Handelsministers, Wilbur Ross, vom Senat in Washington bestätigt. 72 der einhundert Senatoren stimmten für den 79-jährigen Multimilliardär. Ross erhielt damit auch einige Stimmen aus dem Lager der oppositionellen Demokraten, die in der Kammer 46 Sitze innehaben. Ross folgt auf die Demokratin Penny Pritzker, ebenfalls eine Milliardärin und eine der reichsten Frauen des Landes. Auf den Investor wartet nun unter anderem die Aufgabe, Trumps Wahlversprechen, Industriejobs in die USA zurückzuholen, mit in die Praxis umzusetzen.

Ross' Vermögen wird vom Magazin "Forbes" auf 2,5 Milliarden Dollar geschätzt. Seinen Reichtum hat er gemacht, indem er angeschlagene Firmen der Stahl-, Kohle- Textil- und Autozuliefererbranche sanierte. Dies war oft mit massivem Stellenabbau verbunden. Als Sanierer lernte Ross auch Trump kennen, dem er half, sein Casino-Geschäft wieder ins Rollen zu bringen.

Quelle: ntv.de, jve/AFP