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Promotion-Poster für See Emily Play, Juni 1967.
Promotion-Poster für See Emily Play, Juni 1967.(Foto: Illustration: Syd Barrett. Pink Floyd Archive)
Freitag, 21. Juli 2017

Prachtband zum 50. Jahrestag: Pink Floyd - ihre sterblichen Überreste

Von Andrea Beu

Zu Pink Floyd fällt den meisten wohl nur "The Wall" ein oder "Wish you were here" - in den 50 Jahren ihrer Geschichte hat die Band aber weit mehr hinterlassen und viele andere Musiker beeinflusst. Ihr ganzes Riesen-Werk zeigt der Band "Their Mortal Remains".

Ob man jetzt mit der Musik von Pink Floyd etwas anfangen kann oder nicht - ihre große Bedeutung für die Musikwelt, ihren enormen Einfluss kann wohl niemand bestreiten. Die Band gibt es immerhin schon seit 1965, sie hat seitdem weit mehr als 250 Millionen Alben verkauft. Ihr Debütalbum "The Piper At The Gates Of Dawn" erschien 1967. Aus Anlass dieses 50. Jahrestages präsentieren die Bandmitglieder David Gilmour, Nick Mason und Roger Waters eine große, umfassende Werkschau - in Form einer Ausstellung im Londoner Victoria & Albert Museum, die noch bis zum 1. Oktober 2017 läuft, und in Form eines mehr als zwei Kilogramm schweren Prachtbandes. Beide tragen den Titel "Pink Floyd - Their Mortal Remains" (Ihre sterblichen Überreste).

Das Motiv auf dem Albumcover von "The Dark Side of the Moon" ziert auch das Buchcover von "Pink Floyd - Their Mortal Remains", erschienen bei Edel Books, 320 Seiten, gebunden, 39,95 Euro.
Das Motiv auf dem Albumcover von "The Dark Side of the Moon" ziert auch das Buchcover von "Pink Floyd - Their Mortal Remains", erschienen bei Edel Books, 320 Seiten, gebunden, 39,95 Euro.(Foto: Edel Books)

Das spektakuläre 3D-Cover des Buches ziert das Motiv von "The Dark Side of the Moon" von 1973 mit dem berühmten Lichtstrahl, der sich in einem Prisma bricht. Es war (und ist) das erfolgreichste Album von Pink Floyd  - es wurde bisher weit über 50 Millionen Mal verkauft, machte sie zu weltweiten Superstars "und selbst 44 Jahre nach dem Erscheinen ist es dieses Plattencover, das jedem Fan als Erstes beim Gedanken an Pink Floyd in den Sinn kommen dürfte", heißt es im Buch. Es beginnt mit einem Vorwort von Designer Aubrey Powell, Creative Director und Kurator sowie der Produzent der ersten Single von Pink Floyd - also ein wirklicher Wegbegleiter der Band.

Umfassende Retrospektive

Das erste Kapitel "Die Band" beinhaltet Essays von Experten, Zeitzeugen und Freunden der Band wie Howard Goodall, Rob Young oder Jon Savage. Das Design-Kollektiv "Hipgnosis", das viele Cover Pink Floyds gestaltete, wird ausführlich vorgestellt. Im zweiten Kapitel, "Die Alben", folgt eine umfassende Retrospektive. Neben der Bandgeschichte werden hier alle 15 Alben chronologisch besprochen und präsentiert. Das umfasst auch die kompletten Artworks und Designs, die berühmten Cover und viele bisher unveröffentlichte Fotos und Dokumente aus den persönlichen Pink-Floyd-Archiven.

Auf den Abbildungen sind nicht nur die Musiker zu sehen, sondern auch unzählige Skizzen, Notenblätter und Konzeptzeichnungen sowie Instrumente der Band - auch ein Nachbau der verspiegelten Fender-Gitarre von Syd Barrett. Die berühmten Bühnen-Sets etwa von "The Wall", von "The Division Bell", von der schwimmenden Bühne beim Freikonzert in Venedig im Juli 1989 sind ebenfalls zu sehen. Das fliegende Schwein vom Album "Animals" (1977), heute ein Sinnbild für Pink Floyd, ist natürlich auch abgebildet - "es ist eines der großen Symbole der Band", so Powell.

Bowie: "Barretts Stimme hat mein Leben verändert"

Poster für The Massed Gadgets of Auximenies (später: Auximines) mit Pink Floyd, Royal Festival Hall, London, 1969, Entwurf: Storm Thorgerson/Aubrey Powell – Hipgnosis.
Poster für The Massed Gadgets of Auximenies (später: Auximines) mit Pink Floyd, Royal Festival Hall, London, 1969, Entwurf: Storm Thorgerson/Aubrey Powell – Hipgnosis.(Foto: © Pink Floyd Music Ltd / Image © Victoria and Albert Museum, London)

Gleich im Vorwort wird deutlich, welch großen Einfluss Pink Floyd auf die Musikwelt und große Kollegen hatte - anhand der beispielhaften Geschichte, wie David Bowie 2006 bei einem Konzert "Arnold Layne" von Pink Floyd sang (ihre erste Single von März 1967). Als ihn ein Journalist fragte, warum dieser Song?, war Bowies Antwort: "'Weil Syd Barretts Stimme mein Leben verändert hat'. Durch Syd sei ihm bewusst geworden, dass er mit seiner eigenen Stimme, seinem eigenen Akzent singen könne." Syd Barrett hatte die Band bis 1968 angeführt und sie danach wegen Drogen- und psychischer Probleme verlassen - er war in eine LSD-geschwängerte Welt abgedriftet. Barrett nahm noch einige Solo-Werke auf, zog sich aber mehr und mehr zurück und starb im Jahr 2006.

Wenn man sich ebenjenen Song anhört, merkt man, wie sehr sich die Band im Laufe ihrer Geschichte - natürlich! - weiterentwickelt hat: "Arnold Layne" klingt so gar nicht nach den späteren Pink Floyd, sondern wie ein typischer Song aus der Zeit der Endsechziger, des "Summer of Love" - ein psychedelischer Popsong, im Video dazu wird geblödelt wie in den Beatles-Filmen jener Zeit. Ein weiter Weg bis zu ihrem ganz eigenen, unverwechselbaren Sound mit Einflüssen von Progressive Rock, Blues und Jazz und ihren gigantischen, bombastischen, aufwendigen Bühnenshows vor zehntausenden Menschen.

Zurückhaltend und öffentlichkeitsscheu

Nick Mason bei einer Aufnahme in den EMI Studios, Abbey Road, 1968.
Nick Mason bei einer Aufnahme in den EMI Studios, Abbey Road, 1968.(Foto: Pink Floyd Archive)

Trotz dieser Auftritte und ihrer großen Bekanntheit waren und sind die Musiker von Pink Floyd eher zurückhaltend, was gleich das erste doppelseitige Foto im Buch exemplarisch verdeutlicht. Darauf halten sie sich die Augen zu - weit entfernt vom sonst bei Musikstars eher üblichen Zurschaustellen. Sie waren ziemlich öffentlichkeitsscheu und "als Personen unsichtbar", heißt es im Vorwort. "Sie hätten sich während ihrer eigenen Auftritte ihrem Publikum anschließen können, ohne erkannt zu werden", so der englische Radiomoderator und DJ John Peel Ende der 1980er-Jahre zur Zurückhaltung der Band. Sie haben es geschafft, die Aufmerksamkeit mehr auf ihre Musik und weniger auf ihre Personen zu lenken.

Dass dieses umfangreiche Buch überhaupt zustande gekommen ist (und die Ausstellung), überrascht, wenn man an die Auseinandersetzungen und Streitigkeiten der letzten Jahre innerhalb der Band denkt - Roger Waters war bereits 1985 ausgestiegen - und an die geringe Auskunftsbereitschaft der Musiker. So ist aber ein überaus pracht- und gehaltvoller Band entstanden, der sicher jedes Fanherz höher schlagen lässt und sich in jeder Musikbuch-Sammlung ausnehmend gut macht.

Die parallel zur Veröffentlichung des Buches laufende große Ausstellung im Victoria &Albert Museum in London kommt als Wanderausstellung danach nach Rom und im Frühjahr 2018 nach Deutschland - sie macht ab 13. Mai bis in den September Station im "Dortmunder U". Dortmund ist die einzige Stadt im deutschsprachigen Raum, in der die Schau gezeigt wird.

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Quelle: n-tv.de

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