Ratgeber

Staatliche Förderung : Böses Erwachen für Wohnriester-Kunden?

Ein Gastbeitrag von Max Herbst

Mit staatlicher Hilfe ins Eigenheim und dabei auch noch Steuern sparen: Bauen mit Wohnriester hat durchaus Vorzüge. Die Musterrechnungen vieler Banken und Berater sind allerdings unrealistisch - und verschweigen die Belastungen der Zukunft.

Je höher das Einkommen im Rentenalter, desto lohnender ist das Rabattangebot.
Je höher das Einkommen im Rentenalter, desto lohnender ist das Rabattangebot.(Foto: dpa)

Fast drei Jahrzehnte berät die FMH Verbraucher Bauherren nun schon  beim Abschluss von Hypothekendarlehen. Wir haben unzählige Angebote überprüft und die unterschiedlichsten Ausgestaltungen gesehen. Die Bandbreite reicht von kundenfreundlich ausgearbeiteten Angeboten bis hin zu Offerten, bei denen es dem Berater oder Banker vor allem um die eigene Provision ging. Auch staatlich geförderte Wohnriester-Bausparverträge fallen vielfach in diese Kategorie.

Wie der Staat beim Sparen hilft

Grundvoraussetzung für den Wohnriester ist, dass eigens zertifizierte Bausparverträge oder Hypothekendarlehen zur Finanzierung eines Eigenheims eingesetzt werden. Entscheidet sich der Kunde für ein solches Riester-Produkt und zahlt er dort vier Prozent seines zu versteuernden Vorjahreseinkommens ein (max. 2100 Euro pro Jahr), bekommt er jährlich 154 Euro Riesterförderung auf den Bausparvertrag gutgeschrieben. Für jedes Kind, das ab Januar 2008 geboren wurde, gibt es noch mal 300 Euro jährlich. Für ältere Sprösslinge spendiert der Staat immerhin 185 Euro per anno.

Gleichzeitig lässt sich der eingezahlte Betrag (gedeckelt auf 2100 Euro) steuerlich als Sonderausgabe geltend machen. Dann wird es kompliziert. Denn die 154 Euro Prämie sowie etwaige Zulagen für die Kinder zieht der Fiskus von den gesparten Steuern wieder ab. Wie sich dieser Verschiebebahnhof in der Praxis auswirkt, illustriert das folgende Beispiel. 

Ein lediger Bausparer mit einem jährlichen Bruttoeinkommen von 60.000 Euro schöpft mit seiner Sparrate von 2100 Euro den maximalen Förderrahmen aus. Für seine Steuererklärung bedeutet das erst einmal einen Vorteil von 930 Euro. Dieser Betrag wird um die 154 Euro Förderung gekürzt. Somit erscheinen auf dem Steuerbescheid 776 Euro mehr Geld. Würde unser Musterkunde nur 30.000 Euro im Jahr verdienen, kämen lediglich 242 Euro jährliche Steuerersparnis heraus.

Warum die Verkäufer zu optimistisch rechnen

Auffallend an der Ausgestaltung vieler Angebote ist, dass der Steuervorteil bei den Musterrechnungen in der Regel direkt mit in den Bausparvertrag eingebracht wird. Ein solches Vorgehen wäre für den Eigenheimbesitzer auch durchaus wünschenswert. Unsere Erfahrungswerte zeigen jedoch: Nur die wenigsten Bausparer sind so konsequent, die Steuererstattung wirklich abzuzweigen und als Sonderzahlung in den Bausparvertrag zu investieren. In der Regel fließt das Steuergeld vielmehr in die allgemeine Lebenshaltung ein - finanziert also zum Beispiel die Klassenfahrt der Kinder, den Kundendienst fürs Auto oder den neuen Plasmafernseher. Die Berechnungen der Anbieter stimmen daher nur in den seltensten Fällen, weil sie den optimalen - leider unrealistischen - Verlauf unterstellen. In der Praxis steuern viele Riester-Bauherren daher auf ein Ende mit Schrecken zu. Mit dem Riester-Vergleich der FMH können Sie sich die unterschiedlichen Berücksichtigungen darstellen lassen.

Wann der Staat die Daumenschrauben anzieht

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.
Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Der klassische (vereinfachte) Ablauf sieht dann in etwa so aus: Nach zehn Jahren wird der Wohnriester Bausparvertrag zugeteilt, der Kunde setzt das Bausparguthaben zur Tilgung von Bankdarlehen ein oder zahlt damit Baukosten. Der Gesetzgeber schreibt allerdings vor, dass alle Tilgungsleistungen, die mit dem geförderten Bausparvertrag erfolgen, einem fiktiven Wohnförderkonto gutzuschreiben sind. Dort werden sie jährlich mit zwei Prozent verzinst. Ziel der Übung ist, dem Staat einen Teil der Förderung zurückzugeben: Denn zum Rentenbeginn muss der Bauherr den angesparten Betrag inklusive Zinsen versteuern - zu seinem dann geltenden persönlichen Steuersatz. Selbst bei einem Ledigen summieren sich die aufgelaufenen Beträge im Wohnförderkonto schnell auf 50.000 bis 80.000 Euro - je nach Finanzierungsdauer.

Immerhin: Bei der Rückzahlung dieser Summe stehen dem Steuerpflichtigen zwei Modelle zur Verfügung.

  • Variante eins: Das Rabattmodell. Dabei zahlt der  frischgebackene Ruheständler seine gesamten Steuerschulden bei Rentenbeginn auf einen Schlag. In diesem Fall gewährt der Fiskus einen Nachlass von 30 Prozent und verlangt nur Steuern auf 70 Prozent des Wohnförderkontos: In unserem  obigen Beispiel des ledigen Gutverdieners wären das 37.800 Euro statt der sonst fälligen 54.000 Euro. Das klingt erst einmal lukrativ, kann aber zum Bumerang werden. Denn das zu versteuernde Vertragsguthaben wird auf die normalen Einkünfte im Alter angerechnet und erhöht damit die Steuerlast extrem. Unser Lediger - für den wir im Alter ein tatsächliches Einkommen von nur 15.000 Euro unterstellen - müsste dafür in dieser Variante 13.287 Euro ans Finanzamt zahlen.
     
  • Variante zwei: Das sogenannte Verminderungsmodell. Gerade bei geringen Einkommen erweist sich diese Gestaltung oft als vorteilhafter. Kunden können ihre Wohnförderkontos nämlich auch nach und nach auf Null setzen. Der Gesetzgeber lässt ihnen dazu Zeit bis zu ihrem 85. Geburtstag. Sollten sie vorher sterben, müssen allerdings die Erben die noch ausstehenden Steuern bezahlen.

Im obigen Beispiel müssten unser Lediger alle 12 Monate 803 Euro Steuern berappen - oder 14.452 Euro im Laufe der Jahre. Für ihn wäre also das Rabattmodell vorteilhafter. Grundsätzlich gilt: Je höher das Einkommen im Rentenalter, desto lohnender ist das Rabattangebot.

Fazit

Staatlich geförderte Wohnriester-Verträge können Bauherren dabei helfen, ihr Hypothekendarlehen schneller zu tilgen. Doch nur wer die zusätzliche Steuerersparnis konsequent zum Schuldenabbau einsetzt, profitiert auch langfristig. Wer hingegen das gesparte Geld - wie so oft - in die laufenden Kosten fließen lässt, muss im Alter oft zurückstecken. Denn das Finanzamt fordert seinen Teil der Förderung gnadenlos zurück. Die wenigsten Ruheständler werden bei Renteneintritt 15.000 Euro oder mehr so einfach an Steuernachzahlung leisten können. Auch wiederkehrende jährliche Zahlungen von rund 1000 Euro dürften die meisten schmerzen - erst recht, wenn sie damit eine Förderung zurückzahlen, die sie bereits vor Jahrzehnten erhalten haben.


 

Quelle: n-tv.de

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