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Microsoft-Chef Satya Nadella wirbt in Berlin für Vertrauen in die Cloud-Dienste seines Unternehmens.
Microsoft-Chef Satya Nadella wirbt in Berlin für Vertrauen in die Cloud-Dienste seines Unternehmens.(Foto: kwe)

Microsoft-Chef in Berlin: Nadella stellt deutsche Cloud vor

Im kommenden Jahr stellt Microsoft Geschäftskunden in Kooperation mit der Telekom Cloud-Dienste zur Verfügung, bei denen die Daten ausschließlich in Deutschland gespeichert werden. Die Rechenzentren stehen in Magdeburg und Frankfurt.

Im Oktober erklärte der Europäische Gerichtshof das sogenannte Safe-Harbour-Abkommen für den freien Datenaustausch zwischen den USA und Europa für ungültig. Das bedeutet, dass die großen US-amerikanischen IT-Unternehmen ihre Cloud-Dienste künftig nur noch anbieten können, wenn sie dies aufgrund anderer Rechtsgrundlagen tun oder die Daten europäischer Kunden ausschließlich in EU-Ländern speichern. Der erste Weg ist kompliziert und Erfolg nicht garantiert, der zweite setzt große Investitionen in die dafür nötige Infrastruktur voraus. Microsoft ist auf die neue Situation aber offenbar gut vorbereitet. Nachdem Unternehmenschef Satya Nadella Anfang der Woche bereits in London britische Rechenzentren ankündigte, stellte er jetzt in Berlin auch Microsofts Pläne für deutsche Cloud-Dienste vor.

Ab der zweiten Jahreshälfte 2016 werden die Daten deutscher Kunden auf Wunsch ausschließlich in zwei Rechenzentren in Frankfurt am Main und in Magdeburg gespeichert. Das gilt zunächst nur für die Dienste Azure, Office 365 und Dynamics CRM Online. Die Kunden könnten dann "weiterhin unsere öffentlichen, privaten und hybriden Cloud-Lösungen nutzen oder sich dafür entscheiden, unsere Services aus deutschen Rechenzentren zu beziehen und den Zugang zu ihren Daten durch einen deutschen Datentreuhänder kontrollieren zu lassen", sagte Nadella.

Angebot gilt europaweit

Microsofts deutsches Cloud-Angebot steht auch anderen europäischen Unternehmen zur Verfügung, die Daten von Privat-Kunden speichert Microsoft weiter auch auf US-Servern. Sein Unternehmen garantiere neben der Sicherheit der Daten, dass die Gesetze jedes Landes respektiert werden, Kunden die volle Kontrolle über ihre Privatsphäre haben und der Umgang mit den Daten transparent erklärt werde, so Nadella.

Treuhänder für Microsofts deutsche Cloud-Dienste ist die Telekom-Tochter T-Systems International. Sie ist für Schutz und Zugang zu den Kundendaten zuständig, auch die Anbindung läuft über ihr Netz. Bei der Sicherheit der Rechenzentren gelten Microsofts global einheitlichen Standards. Dazu gehören Multi-Faktor-Authentifizierungen, biometrische Scans, Smartcards, Datenverschlüsselungen nach SSL/TLS-Protokollen, physische Sicherheitsmaßnahmen sowie Sicherungen gegen Naturkatastrophen und Stromausfälle.

Microsoft habe ohne ausdrückliche Zustimmung der Kunden aber keinerlei Zugriff auf die Daten, betont die Telekom. Sie will ihre führende Position im europäischen Markt für Cloud-Dienste für Geschäftskunden weiter ausbauen und ihren Umsatz hier von derzeit rund einer Milliarde Euro jährlich bis Ende 2018 mehr als verdoppeln.

Deutsche Unternehmer vorsichtig

Die Verknüpfung der Microsoft-Cloud-Plattform mit deutscher Infrastruktur und deutschem Datentreuhänder sei einzigartig, sagte Microsoft-Deutschland-Chef Alex Stüger. Die Investition dürfte sich dabei nicht nur durch das gescheiterte Safe-Harbour-Abkommen lohnen, da deutsche Unternehmen auch zuvor schon auf einheimische Lösungen setzten.

Laut der im April veröffentlichten Bitkom-Studie "Cloud Monitor 2015" erwarten 83 Prozent der deutschen Unternehmen, dass ihr Cloud-Anbieter seine Rechenzentren ausschließlich in Deutschland betreibt.

Quelle: n-tv.de

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