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50 Jahre Motorsportabteilung BMW 3.0 CSL - der erste Streich der M GmbH

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Der BMW 3.0 CSL war der Grundstein für die BMW M GmbH, die Motorsportabteilung von BMW.

(Foto: Gudrun Muschalla)

Mit dem 3.0 CSL jagte BMW Anfang der 1970er-Jahren die Wettbewerber um die Rundstrecke. Kurz danach gründete sich die Motorsport-Abteilung. Und selbst heute ist es noch aufregend mit dem ersten Auto der späteren M GmbH eine Runde zu drehen.

Drei Striche in Blau, Violett und Rot. Dahinter ein M in Weiß. Fahrzeuge mit diesem Logo kommen aus Bayern und sind meist schnell. M-Fahrzeuge von BMW. Vor knapp 50 Jahren wurde die Firma gegründet, als Motorsportabteilung von BMW.

BMW brauchte den CSL

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Der 3.0 CSL sollte dem damals extrem starken Ford Capri im Motorsport Paroli bieten.

(Foto: Gudrun Muschalla)

Eines der ersten Autos war der 3.0 CSL (E9), aufgebaut ab 1971 mit Hilfe des Veredlers Alpina. Tiefer Frontspoiler, Luftstege auf der Motorhaube und ein großes Spoilerwerk am Heck sorgten vor 50 Jahren für Diskussionen: So stark verspoilerte Autos gab es von Herstellern bisher nicht zu kaufen. Doch das Zubehör und Tuning hatte durchaus seine Berechtigung und war Kalkül: BMW benötigte den CSL (Coupé Sport Leichtbau) als Homologations-Fahrzeug für den Tourenwagensport - als Konkurrenz zum damals extrem starken Ford Capri.

Eine Strategie, die ab 1972 Rennsport-Manager Jochen Neerpasch verfolgte, der später die BMW Motor Sport GmbH gründete. Neben der Entwicklung von siegfähigen Autos zählte dazu auch die Betreuung der Teams und Rennwagen, sowie die Entwicklung von sportlichen Fahrzeugen. BMW hatte damals außer dem 1800 TI, 2000 TI und dem 2002 turbo für die Rennstrecke wenig zu bieten. Dem kleinen Team war klar: Das Gewicht muss runter und die Leistung rauf. Und zwar schon ab Werk. Denn bisher wurden Motorsportfans nur von Tunern bedient. Warum aber das Geschäft anderen überlassen? "Als eigene Organisation konnten wir selbst Geschäfte initiieren und abwickeln, daher war die Gründung der Motorsport GmbH für uns so wichtig", erinnert sich Neerpasch.

Ein Leichtgewicht

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Jochen Neerpasch gründete die BMW Motor Sport GmbH.

(Foto: Christian Kain)

Und so wurde der 3.0 CSL zum Leichtgewicht unter den Coupés. Sein 3,0-Liter-Sechszylinder mit 200 PS im Serientrimm beschleunigte das Coupé in weniger als 7 Sekunden auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit lag bei 220 km/h. Im Vergleich zum 1968 vorgestellten 2800 CS steigerte BMW die Leistung, falzt die Bleche dünner, stellt Motorhaube, Kofferraumdeckel und fertigte die Außenhaut der Türen aus Aluminium. Ein Großteil der Scheiben besteht jetzt aus Plexiglas und so fällt das Leergewicht auf 1270 Kilogramm - 130 Kilogramm weniger als beim 3.0 CS.

Die Außenhaut kam übrigens von Karmann, Alpina verfeinert anfangs die Technik. Beim Rennwagen schärfen die BMW-Mitarbeiter nach: Nur 1092 Kilogramm treffen hier auf 360 PS. Dazu kommt erstmals ein einheitliches Auftreten der Truppe. Vom Autotransporter bis zum Zündschlüsselanhänger kleben die drei Farbstreifen Blau-Violett-Rot auf weißem Grund. "Unsere Teamkleidung kam so gut an, dass Händler sie bestellen wollten. Daraus haben wir dann erstmals Merchandising-Produkte entwickelt und auch vertrieben", erzählt Neerpasch.

Nicht viele griffen beim 3.0 CSL zu

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Nach allen Modifizierungen für den Motorsport sah der 3.0 CSL aus wie ein Batmobil.

(Foto: BMW)

Beim Serienfahrzeug sorgen breite Spoiler und Luftstege an den vorderen Kotflügeln für Ruhe und Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten, die massiven Luftableiter am Heck für mehr Bodenhaftung. Durch das Spoilerwerk hatte der CSL schnell seinen Namen weg: Batmobil - wie das Serien-Dienstauto des Retters aus Gotham City. Doch der BMW sollte nicht in Hollywood begeistern, sondern auf der Rennstrecke. Mit 929 verkauften Modellen griffen zwar nicht viele Kunden zu, aber es reichte für die Homologation im Rennsport. Genau das war die Aufgabe des Serienwagens.

Mit dem Reihensechszylinder und 200 PS überzeugt das Serien-Coupé noch immer. Ohne Servolenkung lässt sich das dünne Dreispeichen-Lenkrad nur mühsam bewegen und der Zweitürer benötigt ein paar km/h, um sich leicht lenken zu lassen. Aber der Sitzkomfort der Sportsitze mit der weichen Polsterung und die Abstimmung des Fahrwerks begeistern noch heute. Und erst der Motor.

Trotz Sportlichkeit eine Luxus-Gleiter

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Für damalige Verhältnisse war der BMW 3.0 CSL mit seinen vier analogen Rundinstrumenten extrem modern.

(Foto: Gudrun Muschalla)

Nach dem Start brabbelt der Reihen-Sechszylinder entspannt vor sich hin, hängt ab den ersten Metern gut am Gas. Dank mechanischer Einspritzung reagiert der Motor feinfühlig auf Gasbefehle, verschluckt sich nur bei Konstantfahrten. Selbst das manuelle Viergang-Getriebe lässt die Gänge schnell und einfach wechseln - keine Selbstverständlichkeit bei einem fast 50 Jahre alten Sport-Coupé. Bei starker Beschleunigung flutschen die Gänge sogar noch schneller durch die Gasse. Der E9 senkt sich hinten kurz in die Federn, hebt leicht seine Front und stürmt nach vorne - begleitet von einem leicht sonoren Auspuffsound. Dank des komfortablen Fahrwerks bügelt der BMW Bodenwellen und Unebenheiten einfach weg. Nur in schnell gefahrenen Kurven kippt die flache Karosserie stark zur Seite, drängt das Heck ans Kurvenäußere, tauchen Federn und Dämpfer tief ein.

Für Luxus sorgten seinerzeit vier klassische Rundinstrumente hinter dem Lenkrad und die, Achtung, elektrischen Fensterheber für die vier Seitenscheiben. Im Widerspruch zum Leichtbau-Konzept bietet BMW für den 3.0 CSL ein Stadt-Paket mit eben diesen Hilfen an. Das Coupé bleibt damit selbst in der schärfsten Version ein echter Luxus-Gleiter für 1970er Jahre.

Am Ende bis zu 800 PS

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Fahrer und Beifahrer nehmen im BMW 3.0 CSL in etwas besser gepolsterten Rennschalensitze Platz.

(Foto: Gudrun Muschalla)

Ohne die belastenden Extras war das Coupé in der Rennsportversion über Jahre unschlagbar. Siege wie beim Großen Preis auf dem Nürburgring oder beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans in der Tourenwagen-Klasse sowie sechsmal die Europameisterschaft der Tourenwagen machten das Coupé zum Langzeit-Sieger. "Das schönste Erlebnis mit dem Auto war, dass wir nur ein Jahr nach der Neugründung der Motorsport GmbH schon die Europameisterschaft der Tourenwagen gewonnen hatten. Mit einem neuen Team und neuen Auto. Heute wäre das unvorstellbar", so Neerpasch. Am Ende seiner Laufzeit leistet das Turbo-Coupé bis zu 800 PS. Doch der E9 kam in die Jahre, das erkannte auch Neerpasch und seine Truppe.

Ab Mitte der 1970er-Jahre entwickelten sie einen reinrassigen Rennwagen, der auf der Rundstrecke siegen soll. Wenn der sich noch verkaufen lässt, umso besser. Angelehnt an die damals populären Motorsportserien Gruppe 4 oder Gruppe 5 soll das neue Auto ab 1978 noch mindestens 400 Mal gebaut werden, damit es für den Motorsport homologiert wird. Der Name des Projektes: M1. 100.000 Mark kostete der 277 PS starke Serien-Sportwagen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 264 km/h, die Rennversion mit 470 PS-Motor lief über 300 km/h.

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Gegen einen M1 wirkt der BMW 3.0 CSL wie aus einer ganz anderen Zeit.

(Foto: Gudrun Muschalla)

Gegen den M1 wirkt der 3.0 CSL wie aus einer anderen Zeit, irgendwie barock. Viel Chrom, Holz und Alu statt Plastik. Und auch wenn BMW mit dem M1 eine neue Zeitrechnung begann, erinnert sich das Unternehmen gerne an das erste "Batmobil" zurück. 2015 zeigten BMW-Designer die Studie "3.0 CSL Hommage" bei dem Schönheitswettbewerb Concorso Eleganza Villa d'Este am Comer See. In Knallgelb, wie das Original. Mit drei Strichen in Blau, Violett und Rot. Dahinter ein M in Weiß.

Quelle: ntv.de, Fabian Hoberg

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