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Transporter im Wandel der Zeit BMW M5 Touring (E34) trifft auf X6 M Competition

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Zwischen dem M5 Touring und dem X6 M liegen gut 30 Jahre.

(Foto: sp-x/Patrick Broich)

Ein sportlicher Kombi von damals trifft seinen Enkel? Geht nicht, da es keinen aktuellen Nachfolger gibt. Die Verwandtschaft springt ein, ist aber ein wenig aus den Fugen geraten. Wie schlagen sich BMW M5 Touring und X6 M im Vergleich?

Vor ziemlich genau 30 Jahren war der Wunsch noch exotisch, performant unterwegs sein und gleichzeitig etwas mehr in den Kofferraum einladen zu können. Mit dem M5 Touring ging das bei BMW erstmals. Wer heute das stärkste BMW-M-Modell haben möchte und trotzdem die maximale Praxistauglichkeit, muss zum X6 M greifen.

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Im Vergleich zum Allradriesen X6 wirkt der betagte 5er Kombi fast schon zierlich.

(Foto: sp-x/Patrick Broich)

Ein X6 M ist trotz milder Coupé-Linie immer noch 1,69 Metern hoch. Aber er schluckt auch 1530 Liter Gepäck, so nützlich ist ein aktueller M5 eben nicht, dessen Kofferraum deutlich knapper bemessen ist. Und es gibt ihn nicht als Kombi. Nicht mehr jedenfalls, denn in den Neunziger- und Nullerjahren gab den M5 zusätzlich als Kombi mit der Zusatzbezeichnung Touring - ebenfalls mit einem ganz vorzüglichen Laderaumvolumen, doch dazu später mehr.

Erst einmal will der moderne, nützliche M-Vertreter ausprobiert werden. Man darf an dieser Stelle natürlich fragen, warum es kein X5 geworden ist - dessen Gepäckabteil hätte noch mehr Ladegut (1870 Liter) vertragen, aber für den kleinen Happen Exklusivität in Form der sportlicheren Karosse darf man ruhig ein wenig Laderaum abknapsen. Wenn man von Sportlichkeit überhaupt sprechen kann. Um maximal in der Querdynamik auf den Track zu punkten, sollte es vielleicht nicht unbedingt ein 2,4-Tonner mit hohem Schwerpunkt sein.

Längsbeschleunigung ist nicht langweilig

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Das Cockpit des betagten M5 ist noch weitgehend analog.

(Foto: sp-x/Patrick Broich)

Von wegen, Längsbeschleunigung ist langweilig. Nur 3,8 Sekunden genügen dem Trumm mit bester Allrad-Traktion bis 100 km/h und auch danach marschiert der ausladende BMW mit unerbittlichem Vorwärtsdrang weiter. Dabei klingt der von der M GmbH angefasste Bi-Turbo-V8 je nach Drehzahl von sonor-dezent mit leichtem Brabbeln bis wütend schnaubend, wenn die Kurbelwelle gerade am Limit rotiert.

So fit der X6 M auch sein mag, er bleibt im Kern ein gehobener Reisewagen in exponierter Stellung vor allem mit dem (inzwischen nur noch verfügbaren) Competition-Badge, das die Leistung um 25 Pferdchen auf nunmehr 460 kW/625 PS hebt. Um so gut wie möglich durch die Kehre zu kommen, spendierten die Ingenieure dem Schwergewicht Features wie mechanische Differenzialsperre, Hinterachslenkung und Wankstabilisierung. Dieses Technikbesteck setzt zwar nicht die Physik außer Kraft, hilft aber nach Kräften dabei, dem riesigen Auto auf der Landstraße spaßige Eigenschaften zu entlocken. Wirklich langsam ist der gewichtige M also nicht.

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Die Innenwelten von Autos haben sich in den letzten drei Dekaden doch sehr verändert.

(Foto: sp-x/Patrick Broich)

Da kommt der betagte Touring mit 1,8 Tonnen zwar deutlich leichter daher, aber mitnichten leicht. So gesehen ist der große Kombi auch kein geborener Querperformer, aber sein schon allein vom Anblick her betörender Vierventil-Reihensechszylinder mit namhafter Historie (der Ur-Motor tat bereits im legendären M1 Dienst) gleicht so ziemlich alles aus, was man am E34 aussetzen könnte - und das ist ohnehin wenig. Die sechs ästhetisch anmutenden Saugrohre in schwarzer Optik münden in Einzeldrosselklappen, um den Ladungswechsel so barrierefrei wie möglich zu gestalten. Entsprechend leichtfüßig dreht das Triebwerk mit Rennsportgenen.

Keine Rennmaschine, aber macht Spaß

Wiederum entsprechend wild muss man den gar nicht über Gebühr schreienden Sechsender rotieren lassen, um das Beschleunigungspotenzial abzurufen. Eine Rennmaschine nach heutigen Maßstäben ist er natürlich nicht mehr, macht aber dennoch jede Menge Spaß. Nachdem der Kombi sachte warmgefahren wurde, ist es ein Muss, die 7000er-Marke auf dem Drehzahlmesser wenigstens einmal zu kratzen - dann schiebt der Bayer nämlich druckvoll, sprintet binnen 6,1 Sekunden auf 100 km/h und hält den Fahrer bei Laune.

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Im M5 ist noch klassische Handarbeit beim Getriebe angesagt.

(Foto: sp-x/Patrick Broich)

Geht denn auch moderates Cruisen? Klar, man muss natürlich wissen, dass das 340 PS-Kraftpaket immer ein bisschen grummelt und der Schalthebel der angeflanschten Sechsgang-Box knackig, aber etwas knochig durch die Gassen fährt. Außerdem ist der M5 nichts für schwache Wadenmuskulatur, das Kupplungspedal geht ordentlich stramm.

Und jetzt mit dem M5 zum Baumarkt, das wäre was. Warum eigentlich nicht, solange man das Gepäckabteil vor Schrammen schützt, darf das Laderaumvolumen (bis zu 1450 Liter) ruhig ausgenutzt werden.

Klassiker ist ein Hingucker

Wie auch immer man den M5 einsetzt, der Klassiker ist in jedem Fall ein Hingucker, vor allem als rarer Touring, von dem ja bloß 891 Exemplare produziert wurden. Da der Kombi erst im Jahr 1992 nachgereicht wurde (Debüt des E34 war bereits 1988), verfügt er immer über die stärkere Maschine mit 340 statt 315 PS. "Zu groß, zu schwer, zu wenig Leistung - bei eingefleischten Fans des ersten BMW M5 kam der mehr komfortorientierte Nachfolger anfangs nur mäßig an. Abhilfe schaffte später die 3,8 Liter Version, deren Leistung endlich den erhofften Abstand zum Wettbewerb herstellte. Gute Exemplare dieser Variante kosten heute mindestens 40.000 Euro.", wissen die Spezialisten von Classic Analytics.

Natürlich ist auch der X6 M ein Exot auf der Straße, ob er allerdings das Zeug zu einem Klassiker eines Kalibers hat, wie der M5 Touring einer ist, bleibt abzuwarten. Dafür ist er schneller, verfügt über mehr Praxistauglichkeit und bietet das Infotainment, das man heute braucht. Diesbezüglich sieht es beim E34 natürlich dünner aus mit dem traditionellen Bordcomputer als einziges Gadget - immerhin.

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BMW M5 Touring (E34) - technische Daten

  • Kombi der oberen Mittelklasse, Bauzeit: 1992 bis 1996
  • Länge: 4,72 Meter, Breite: 1,75 Meter, Höhe: 1,39 Meter, Radstand: 2,76 Meter
  • 3,8-l-Reihensechszylinder-Ottomotor mit Vierventiltechnik, Hinterradantrieb, 250 kW/340 PS, maximales Drehmoment: 400 Nm ab 4750 U/Min.
  • 0-100 km/h: 6,1., Vmax: 250 km/h
  • Sechsgang-Schaltgetriebe
  • Ehemaliger Neupreis (1994): 131.000 DM

BMW X6 M Competition - technische Daten

  • SUV der oberen Mittelklasse
  • Länge: 4,94 Meter, Breite: 2,00 (2,12 mit Außenspiegeln) Meter, Höhe: 1,70 Meter, Radstand: 2,98 Meter
  • 4,4-l-V-Achtzylinder-Ottomotor mit doppelter Turboaufladung, Allradantrieb, Leistung: 460 kW/625 PS, maximales Drehmoment: 750 Nm bei 1800 bis 5860 U/Min.
  • 0-100 km/h: 3,8 s, Vmax: 250 km/h
  • Achtgang-Automatik (Wandler)
  • Durchschnittsverbrauch: 13,1 bis 13,4 l/100 km, CO2-Ausstoß: 299 bis 305 g/km, Effizienzklasse G
  • Grundpreis: ab 152.100 Euro

Quelle: ntv.de, Patrick Broich, sp-x

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