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Citroëns sorgenfreie Mobilität? C5 Aircross Hybrid - Tugenden unter Strom

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Optisch ist der Citroën C5 Aircross Hybrid im Vergleich zu den Mitbewerbern immer noch extravagant.

(Foto: Holger Preiss)

Der Citroën C5 Aircross war 2019 das in Europa meistverkaufte Modell der Franzosen. Jetzt gibt es das SUV auch als Plug-in-Hybrid und der Hersteller verspricht neben alten Tugenden auch noch eine "sorgenfreie Mobilität". ntv.de wollte wissen, wie es sich damit verhält, und hat eine Testfahrt gemacht.

Wer einen Citroën fährt, sucht in der Regel das Außergewöhnliche und den absoluten Komfort. So oder ähnlich definieren die Franzosen seit Jahrzehnten das Credo ihrer Autos. Nun sind Gott sei Dank die Zeiten vorbei, wo Fensteröffner in der Mittelkonsole waren oder mitlenkende Scheinwerfer und Hydraulikfahrwerke den Komfortliebhaber statt in den siebten Himmel immer öfter in die Werkstatt getrieben haben. Heute ist man zwar optisch immer noch extravagant, bleibt aber technisch bodenständig, ohne dabei von den Ansprüchen etwas einzubüßen.

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Laut WLTP soll der Citroën C5 Aircross Hybrid 54 Kilometer rein elektrisch fahren. In der Realität schafft er das nicht.

(Foto: Holger Preiss)

Das gilt vor allem für den neuen Citroën C5 Aircross Hybrid. Nicht nur, dass er die "sorgenfreie Mobilität" propagiert, er kann eben auch völlig emissionsfrei, also rein elektrisch dort stromern, wo es gewünscht oder gefordert ist. Citroën verspricht in dieser Gangart 54 Kilometer, bei einer ersten Ausfahrt signalisierte die elektronische Reichweitenanzeige bei 100 Prozent Ladung der 13,2 kWh Hochvolt-Batterie 36 Kilometer. Das wäre allerdings nach den Statistiken, die besagen, dass die Menschen pro Tag im Durchschnitt nicht mehr als 40 Kilometer zurücklegen, immer noch zu wenig.

Kein Wert fürs Guinnessbuch

Aber da sich die Reichweitenberechnungen der Bordelektronik auch nach dem richten, was der letzte Fahrer vorgegeben hat, gehen wir an dieser Stelle wohlwollend davon aus, dass der letzte Pilot des Testwagens im Hybrid-Modus, den es neben Sport und Elektrisch gibt, mal mächtig auf den Pinsel getreten hat. Denn, und auch das ist erwähnenswert, der C5 Aircross Hybrid bringt es mit einer Systemleistung von 225 PS locker auf über 220 km/h. Die Kraft wird über eine achtstufige Wandlerautomatik verteilt, die nur an einigen Stellen den Hauch einer Verzögerung zeigte, und setzt sich übrigens aus den 180 PS des Vierzylinder-Benzinmotors und eines E-Motors zusammen, der 109 PS beisteuert. Auf der 146 Kilometer langen Testfahrt, die Stadt-, Landstraßen- und Autobahnanteile hatte, betrug der Spritverbrauch 7,3 Liter und am Ende der Fahrt war noch für 10 Kilometer Strom im Akku.

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Der Innenraum des Citroën C5 Aircross Hybrid wirkt behaglich, ist aber weit von früherer Plüschigkeit entfernt.

(Foto: Holger Preiss)

Das ist jetzt kein Wert fürs Guinnessbuch der Rekorde, aber ein akzeptabler Wert. Der sich natürlich genau dann verringert, wenn ordentlich nachgeladen wird und der Großteil der Kurzstrecken mit dem E-Antrieb zurückgelegt wird. Und das geht genau auf den Zwischendistanzen ganz hervorragend. Selbst die 130 km/h, die im Elektromodus möglich sind, reichen hier völlig aus. Ach so, wenn der Akku leer ist, dauert es an der Wallbox drei Stunden, ihn wieder in Form zu bringen und wer nur den Haushaltsstecker zur Hand hat, der schafft es immer noch in sieben Stunden. Warum der Autor diese Zeitspanne so gelassen aufschreibt? Weil es immer noch den Verbrenner gibt, der den Wagen bei vollem Tank 400 Kilometer vorantreibt.

Fahrspaß gibt's auch

Um auch den Fahrspaß nicht zu kurz kommen zu lassen, hat Citroën dem C5 Aircross Hybrid neben dem Hybrid und E-Modus auch noch einen Sport-Modus angedeihen lassen. Der bindet den E-Motor nur zum Boosten und als Kraftreserve ein. Und das macht mit dem französischen Dickschiff sogar Spaß. Denn wenn beim Anfahren die 320 Newtonmeter maximales Drehmoment an die Vorderachse gereicht werden, zieht der Franzose angenehm flott an. Wie schnell man beim Ampelstart auf Tempo 100 kommt, wurde nicht ermittelt, das Datenblatt verspricht recht glaubhaft eine Zeit unter neun Sekunden.

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4,50 Meter misst der Citroën C5 Aircross Hybrid in der Länge und bietet 600 Liter Stauraum hinter der Heckklappe.

(Foto: Holger Preiss)

Ist aber auch völlig egal, denn in den oben erwähnten Tugenden ist von Sportlichkeit auch gar keine Rede. Obgleich der 4,50 Meter lange Franzose auch ganz dynamisch ums Eck schlenzen kann. Zugegeben, ein wenig steht ihm dann das wirklich sehr komfortable Fahrwerk im Weg, aber kein Vergleich zu älteren Baujahren mit dem Doppelwinkel am Kühlergrill. Auch die Lenkung ist für einen Citroën erfreulich direkt und liefert eine überraschend gute Rückmeldung. Keine Rückmeldung, und das ist und bleibt das Pfund der Franzosen, gibt es zum Beispiel beim Fahren über Kopfsteinpflaster. Das Popometer des Autors würde gefühlt behaupten, dass höchstens sieben Prozent der Unebenheiten ernsthaft zu den rückwärtigen Diensten durchdringen.

Komfort und Raum

Was natürlich auch den extrem großzügigen und ebenfalls sehr komfortablen Sitzen geschuldet ist, die dem Aircross beigegeben wurden. Ja, auch das spricht nicht für sportliche Kurvenläufe, aber für eine extrem entspannte Urlaubsfahrt. Denn nicht nur, dass es in der zweiten Reihe drei einzeln und in Längsrichtung verschiebbare Sitze für die Meute gibt, der Kofferraum fasst im besten Fall auch noch 600 Liter, wenn die voll besetzt sind. Ist das Gestühl versenkt, entsteht eine plane Ladefläche mit einer Länge von 1,90 Meter. Zudem, und auch das ist eine typisch französische Eigenschaft, gibt es im Innenraum reichlich Staufächer. Das kühlbare Fach in der Mittelkonsole dürfte eines der größten sein, was momentan in Personenkraftwagen anzutreffen ist. Wer hier nicht aufpasst, kann in den unendlichen Tiefen auch schnell mal was verlieren. Hinzu kommen enorm große Einschübe in den Türinnenverkleidungen.

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Die Sitze im Citroën C5 Aircross Hybrid tragen neben dem Fahrwerk zu einem außergewöhnlichen Komfort bei.

(Foto: Holger Preiss)

Damit es auf der Reise nicht zu unschönen Verzögerungen im Stau kommt, bietet Citroën optional sein "Citroën Connect Navi" an, das in Verbindung mit Tomtom Traffic die Verkehrsverhältnisse in Echtzeit auf dem 10 Zoll großen Touchscreen darstellt. Und das sieht noch dazu recht hübsch aus, weil der Verkehrsfluss farblich und durch sich bewegende Pfeile animiert ist. Klar, wer das nicht will, kann sein Smartphone auch so mit der Einheit koppeln, dass Android-Auto oder Apple CarPlay wie gewohnt auf dem Bildschirm verfügbar sind. Aber das Citroën Navi zeigt auch Ladestationen, Tankstellen und Benzinpreise an. Auch die Parkhäuser werden mit den entsprechenden Gebühren ausgewiesen.

Und tatsächlich ist der Citroën C5 Aircross Hybrid so eingepreist, dass man sich den einen oder anderen Parkhausaufenthalt noch leisten kann: Die Preise starten bei 39.372 Euro. Wer jetzt noch mit der Innovationsprämie der Bundesregierung von 4500 Euro rechnet und mit den bis Ende das Jahres gültigen 16 Prozent Mehrwertsteuer, landet für den C5 Aircross Hybrid 225 Stop&Start Feel Pack - so der sperrige Name in Gänze - bei 32.262 Euro. Ach und noch was: Citroën gewährt auf die Batterie eine Garantie von acht Jahren oder 160.000 Kilometer für 70 Prozent der Ladekapazität.

Quelle: ntv.de