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Immer noch recht lässig Citroën C4 - sticht er auch ohne Cactus?

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Die Schweller unter den Türen hat der C4 wohl als Hommage an den Cactus behalten, drückt die Optik aber auch in Richtung SUV.

(Foto: Citroën)

So unkonventionell wie noch mit dem Cactus kommt Citroën mit dem neuen C4 nicht mehr daher. Auch die unorthodoxen Franzosen unterwerfen sich dem Massengeschmack und erfinden eine Mischung aus Coupé, SUV und Kompaktwagen. Das ist vielleicht nicht mehr cool, aber immer noch lässig.

Als der C4 Cactus im Jahr 2014 die Bühne betrat, jubelten die Markenfans. Endlich wieder ein avantgardistisches Auto von Citroën, das ein bisschen anders auftritt. Der neue, ab Januar für mindestens 19.290 Euro angebotene C4 kommt im Vergleich zum Cactus wie eine konventionelle Kompaktklasse daher. Die Außenlänge beträgt knapp 4,36 Meter und der Radstand großzügige 2,67 Meter. Somit dürfte der einstweilen bis zu 155 PS starke und in drei Antriebsvarianten erhältliche C4 mindestens mal bessere Reiseeigenschaften aufweisen als der C4 Cactus, der auf dem kleineren C3 basierte. Gleichzeitig gibt sich der Neue optisch verspielter als der letzte "echte" C4.

Nicht so cool wie der Cactus

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Bei den Leuchten am Heck und der Lichtgrafik gibt sich der Citroën C4 sehr eigenständig.

(Foto: Citroën)

Aber auch wenn der C4 im Vergleich zu manch biederer Kompaktklasse recht lässig wirkt, erreicht er doch nicht die Coolness eines Cactus. Aber Citroëns neueste Kreation geht schon in Ordnung, zumal ein Hauch DS durch den Fahrgastraum weht mit schickem Muster auf der weichgeschäumten Oberfläche der Armatur, dem auffällig großen, aber dennoch filigran gezeichneten Touchscreen sowie dem multifunktionalen Display, das vor der Nase des Fahrers hockt. Hauptsächlich steht dort das aktuelle Tempo in großen Ziffern, und wer bei der Verbrenner-Version ein bisschen am Bordrechner herumspielt, findet nach kurzer Zeit einen fast schon verschämt dargestellten Drehzahlmesser. Bequeme, für die Klasse fein gepolsterte Sessel signalisieren Langstreckentauglichkeit, dieser Kompakte macht also auf Allrounder.

Ein Blick in die zweite Reihe beweist denn auch, dass Hinterbänkler hier recht gut leben. Jedenfalls dürfte der Knie-Kontakt mit den Vordersitzlehnen die Ausnahme bleiben. Und ein praktischer Kollege ist der C4 mit seinen 16 Ablagen ebenfalls. Als hervorstechend darf man das Schubfach im Armaturenbrett empfinden, das mühelos ein Tablet beherbergen kann, wogegen der variable Kofferraumboden bei den Franzosen schon lange Usus ist.

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Das Kofferraumvolumen im Citroën C4 reicht von 380 bis 1250 Liter.

(Foto: Citroën)

Was bisher nicht zum guten Ton gehörte, jetzt aber endlich korrigiert wurde: Die Tippwisch-Funktion der Scheibenwischer wurde vom Einschalten der Regensensor-Stufe entkoppelt, sodass man nun durch eine kurze Berührung des Hebels wischen kann, ohne die Wischautomatik zu aktivieren. Das mag banal klingen, aber Fahrer verschiedener PSA-Produkte können von dieser Unart ein Liedchen singen.

Gut vernetzt

Darüber hinaus ist der C4 erwartungsgemäß ein Assistenz- und Konnektivitätsprofi, zieht sich Echtzeit-Daten wie Kraftstoffpreise und Wetterbericht aus dem Netz, präsentiert die wichtigsten Fahrinformationen auf dem ab der zweiten Ausstattungslinie serienmäßigen Head-up-Display und ist in der Lage, automatisiert zu beschleunigen, zu bremsen und zu lenken. Und wer bei all den Angeboten mit einem C4 hadert, weil er kein SUV ist, dem sei gesagt, dass der Fahrer immerhin vier Zentimeter höher über dem Asphalt thront als im Segmentdurchschnitt üblich.

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Auch im Innenraum des Citroën C4 haben die Designer versucht, mithilfe der Formen etwas vom alten Avantgardismus zu retten.

(Foto: Citroën)

Tatsächlich spüren die Reisenden diesen Kniff, ohne dass der Fahrer gleich querdynamische Fähigkeiten vermissen würde - schließlich soll Citroens jüngster Spross eher kommod durch die Lande rollen. Und diesem Anspruch wird die Federung auch ganz ordentlich gerecht. Eine erste Ausfahrt mit dem 131 PS starken Dreizylinder-Benziner offenbart, dass der Motor in puncto Leistung keine Wünsche offen lässt, beweist aber auch, dass der kleine Turbo akustisch ziemlich präsent ist.

Das stört so lange nicht, wie man keine forcierten Fahrmanöver durchführt. Unter voller Last wirkt der 1,2-Liter-Dreizylinder dann aber spürbar angestrengter. Etwas anders wird sich hier der Selbstzünder verhalten, der dem Otto in Kürze zur Seite gestellt wird. Die Kraftübertragung erfolgt übrigens per leichtgängiger, aber keineswegs sportlicher Sechsgang-Box für Traditionalisten oder dem für Vielfahrer empfehlenswerten Achtgang-Wandlerautomatikgetriebe, das die Übersetzungswechsel spontan und geschmeidig vollzieht, und das notwendig ist, um die volle Funktionalität der Fahrassistenz ausschöpfen zu können.

Die Reichweite schmilzt im Winter

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Wer die Laufruhe schätzt, ist mit einem E-Antrieb im Citroën C4 gut bedient, muss sich aber auch mit einer deutlich eingeschränkten Reichweite abfinden.

(Foto: Citroën)

Wer die feinere Laufkultur schätzt, in dieser Fahrzeugliga bisher aber nicht fündig wurde, sollte sich eine Probefahrt mit dem ë-C4 gönnen, den es ab 33.770 Euro abzüglich Förderung gibt. Er wartet mit elektrischen 136 PS und 260 Newtonmetern auf. Der Antriebsstrang ist übrigens der, der bereits den elektrischen Opel Corsa ins Rollen bringt. Dazu gibt es eine 50 kWh große Batterie und eine zumindest theoretische Reichweite von 350 Kilometern. Der Stromer beschleunigt ansatzlos ohne jedes Geräusch, was das Fortkommen mit ihm überaus angenehm gestaltet.

Allerdings bedeutet die tonlose Fahrt auch die Akzeptanz, dass bei kühleren Temperaturen die Reichweite auf der Autobahn deutlich schneller zur Neige geht. Hier gilt es vor dem Kauf zu überprüfen, welche persönlichen Anforderungen an den Wagen gestellt werden, und ob man mit einer realen Reichweite von 250 Kilometern im Winter in allen Situationen klarkommt, einschließlich der Ladezeiten, die an einer AC-Station immerhin fünf Stunden in Anspruch nimmt.

Quelle: ntv.de, hpr/sp-x