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Daten, Karten, Infografiken Die Coronavirus-Krise in den USA

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Ortstermin in der US-Seuchenkontrollzentrale CDC: US-Präsident Donald Trump trägt Wahlkampfkappe und zeigt ein ausgedrucktes Coronavirus-Bild vor.

(Foto: REUTERS)

Mauern und Grenzschließungen können Erreger wie Sars-CoV-2 nicht aufhalten: Im Inneren der Vereinigten Staaten sehen sich die Gesundheitsbehörden mit mehreren regionalen Ausbrüchen konfrontiert. Die Zahl der Covid-19-Patienten steigt. Ein Überblick.

Die weltweite Ausbreitung des Coronavirus macht auch vor den US-Außengrenzen nicht Halt. In den USA tauchen mit der verstärkten Ausgabe der lang erwarteten Virustests auch die Coronavirus-Fallzahlen an. In den 24 Stunden bis Montagmorgen (deutscher Zeit) erhöhte sich die Gesamtzahl der erfassten Coronavirus-Fälle in den USA von 2443 auf 3602. Da bislang erst vergleichsweise wenig Verdachtsfälle getestet werden konnten, gehen Experten von einer erheblich höheren Dunkelziffer aus.

Schon jetzt ist das Virus von Alaska bis Florida und von Hawaii bis Maine in allen Teilen der USA nachgewiesen worden: Erkannte Fälle einer Ansteckung mit Sars-CoV-2, dem Erreger, der die mitunter lebensgefährliche Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann, gibt es in 49 der 50 Bundesstaaten, im Hauptstadtbezirk Washington, D.C. sowie in drei US-Außengebieten, darunter auch in Puerto Rico.

Größere regionale Ausbrüche verzeichnen die Behörden gleich in mehreren Bundesstaaten: Am schwersten betroffen sind Washington State im Nordwesten, Kalifornien, Colorado, Florida, Texas, Georgia sowie New York State, wo mit New York City die bevölkerungsreichste US-Stadt liegt.

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Dabei wiederholt sich auch in den Staaten ein mittlerweile vertrautes Muster, das bereits in Deutschland gut erkennbar war: Gehäuft treten Coronavirus-Fälle zunächst insbesondere in wirtschaftsstarken und bevölkerungsreichen Regionen auf. Mit Abstand die meisten Fallzahlen stammen aktuell aus New York. Dort gelten aktuell bereits 732 Menschen als infiziert.

Um die Ansteckungswelle einzudämmen schränken die beiden US-Großstädte New York City und Los Angeles das öffentliche Leben in erheblichem Umfang ein. Alle Bars, Cafés und Restaurants müssen ihren Betrieb weitgehend einstellen, wie New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio am Sonntag mitteilte. Auch alle Nachtclubs und Kinos sowie kleine Theater und Konzerthallen in New York müssen schließen.

Gastronomiebetriebe dürfen demnach nur noch Essen zum Mitnehmen anbieten. Auch Lieferdienste sind von der Anordnung ausgenommen. New York hatte wegen der Corona-Krise zuvor bereits Versammlungen von mehr als 500 Menschen verboten und alle Aufführungen an den Broadway-Theatern abgesagt.

Auch die Westküstenmetropole Los Angeles verhängte drastische Schutzmaßnahmen. Bars, Restaurants und Nachtclubs müssen von Montag an für mindestens zwei Wochen schließen, wie Bürgermeister Eric Garcetti miteilte.

Die Bundesstaaten Massachusetts und Washington erließen ähnliche Maßnahmen. In Las Vegas wurden zahlreiche Casinos und Hotels geschlossen. In mehreren US-Bundesstaaten waren wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus bereits Schulen, Museen, Sportarenen und andere Veranstaltungsstätten geschlossen worden. Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom rief alle Menschen im Alter von mehr als 65 Jahren auf, sich in häusliche Isolation zu begeben.

Schwer betroffen neben New York State und Kalifonrien ist vor allem auch der Bundesstaat Washington im äußersten Nordwesten der USA. In dieser Region an der Pazifikküste, die in engerem Austausch mit Asien steht, wurde das Coronavirus bei insgesamt 676 Menschen nachgewiesen. Für die US-Wirtschaft ergeben sich daraus erhebliche Belastungen: Im Großraum Seattle sitzen neben dem Rüstungs- und Luftfahrtkonzern Boeing auch weltbekannte Schwergewichte wie Microsoft, Starbucks oder Amazon mit ihren Konzernzentralen.

Im Umfeld dieser global vernetzten Region hatte das Virus Mitte Januar zum ersten Mal überhaupt US-Boden erreicht. Der erste bestätigte Coronavirus-Befund stammt vom 20. Januar von einem Einwohner Washingtons, der fünf Tage zuvor aus Wuhan nach Seattle zurückgekehrt war. US-Präsident Donald Trump verwies mehrfach darauf, dass die USA "sehr, sehr gut vorbereitet" seien.

Ende Januar - rund einen Monat nach dem Coronavirus-Ausbruch in Wuhan - verhängte die US-Regierung tatsächlich strikte Vorgaben für alle Reisenden aus der zentralchinesischen Provinz Hubei. Im Rahmen des sogenannten "Travel Ban" verwehrten die US-Behörden allen Personen, die sich bis vor kurzem in den vom Virus-Ausbruch betroffenen Regionen aufhielten, die Einreise. Ausgenommen waren jedoch alle US-Staatsbürger, deren Angehörige sowie Einreisende mit US-Aufenthaltsstatus.

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Das schien zunächst zu funktionieren. Die US-Fallzahlen stiegen nur langsam an. Kritikern zufolge wurden in den USA allerdings auch nur vergleichsweise wenige Verdachtsfälle getestet. Der Grund? Es standen zunächst offenbar viel zu wenige Coronavirus-Test-Kits zur Verfügung, und die Laborkapazitäten wurden nicht rechtzeitig ausgebaut. Über Wochen hinweg blieb die Zahl der bestätigten Infektionen weitgehend stabil. Bis 23. Februar wurden landesweit allerdings auch nur etwas mehr als 1000 Personen auf eine Coronavirus-Infektion getestet.

Ende Februar tauchten dann jedoch Coronavirus-Fälle auf, bei denen sich der Ansteckungsweg nicht mehr nachvollziehen ließ. US-Forscher werteten dies und andere Indizien als Hinweise, dass das Virus anscheinend bereits seit Wochen innerhalb der USA kursiert und es vor Ort zu bislang unerkannten Ansteckungen kommt.

Kurz darauf rief das US-Seuchenkontrollzentrum CDC regionale Behörden, Unternehmen und die Leiter öffentlicher Einrichtungen dazu auf, ihre Epidemie-Pläne zu aktualisieren und sich auf eine weitere Ausbreitung des Virus vorzubereiten. An der Wall Street begannen Ende Februar mit Blick auf den befürchteten Konjunktureinbruch die Kurse abzusacken.

US-Präsident Donald Trump erklärte am 6. März: "Bleiben Sie ruhig. Es (das Virus) wird wieder weggehen." Die breite US-Öffentlichkeit sieht sich dagegen längst mit einer massiven Krise im öffentlichen Gesundheitssystem konfrontiert: Gesundheitsausgaben schlagen für viele Amerikaner ohne Krankenversicherung voll auf die eigenen Finanzen durch. Arztbesuche sind teuer, Regelungen wie eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sind weitgehend unbekannt.

Viele US-Arbeitnehmer sind zudem hoch verschuldet und können es sich schlicht nicht leisten, für mehrere Tage oder gar Wochen auszufallen oder mit milden Symptomen freiwillig zu Hause zu bleiben. Und: Ohne ausreichenden Versicherungsschutz kommt eine etwa erforderliche stationäre Behandlung für viele Amerikaner einer finanziellen Katastrophe gleich.

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Damit gewinnen die gesundheitlichen Risiken zunehmend auch innenpolitisches Gewicht: Trumps wichtigster Herausforderer im anstehenden Präsidentschaftswahlkampf ist Joe Biden, der als Vize-Präsident unter Barack Obama auch für grundlegende Reformen im US-Gesundheitswesen eintrat.

Unter Hochdruck sucht Präsident Trump daher nach Wegen, sich in der anbahnenden Coronavirus-Krise als energisch handelnde Führungsfigur darzustellen. Zuletzt verhängte er ein 30-tägiges Einreiseverbot für Europäer. Die Grenzen für Menschen aus dem Schengen-Raum sollen ab Freitag um Mitternacht (Ortszeit) geschlossen werden, wie Trump in einer Fernsehansprache ankündigte.

Doch auch diese Maßnahme kommt Kritikern zufolge spät, schießt am Ziel vorbei, wirkt zudem halbherzig und weist zudem große Lücken auf. Großbritannien ist von Trumps neuester Maßnahme ausdrücklich ausgenommen. Warum das so ist, konnte oder wollte der US-Präsident zunächst nicht näher erläutern. Auch auf der britischen Insel breitet sich das Coronavirus derzeit noch weiter aus. Es gibt dort mehr als 450 bestätigte Infektionen.

Trump warf den EU-Staaten in seiner Fernsehansprache vor, nicht rasch genug auf die Ausbreitung des neuartigen Erregers reagiert zu haben. So seien nach dem Ausbruch des Virus in China die europäischen Grenzen nicht für Reisende aus der Volksrepublik geschlossen worden, wie dies sein Land getan habe.

Der Leiter der US-Gesundheitsbehörde CDC, Robert Redfield, bezeichnete Europa sogar als die "wahre Bedrohung" für die USA in der Coronavirus-Krise. Die Maßnahmen seien nötig, um "die Gesundheit und das Wohlergehen" der US-Bürger zu schützen, sagte Trump. Nur einen Tag später, am Abend des 13. März 2020, rief der US-Präsident schließlich den nationalen Notstand aus.

Quelle: ntv.de, mit AFP