Politik

Coronavirus in den USA Trump irritiert Virus-Experten

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Ego-Höhenflug im US-Seuchenkontrollzentrum: Donald Trump schwadroniert über seine Veranlagungen - und verrät nebenbei, worum es ihm wirklich geht.

(Foto: REUTERS)

Bei einer Tour durch das US-Seuchenkontrollzentrum brüstet sich US-Präsident Trump mit erstaunlichen Fähigkeiten auf dem Gebiet der Virenforschung. "Jeder hier fragt mich, warum ich so viel darüber weiß", tönt er. "Ich kapiere es einfach."

Während in der US-Bevölkerung die Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 wächst und immer mehr Bundesstaaten Infektionsfälle melden, hat US-Präsident Donald Trump vor laufenden Kameras seine angeblich umfangreichen Kenntnisse auf dem Gebiet der Virologie gelobt, dabei allerdings auch offenkundig falsche und irreführende Angaben zum Stand bei der Epidemieabwehr in den USA gemacht.

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Denkwürdiger Auftritt mit Wahklampfkappe und offenem Hemd: US-Präsident Trump versucht sich in der Rolle des Krisenmanagers.

(Foto: REUTERS)

Bei einem Ortstermin im US-Zentrum für Seuchenschutz und Prävention (CDC) schwärmte er im Beisein führender US-Gesundheitsexperten davon, wie sehr Wissenschaftler von seinem Fachwissen beeindruckt seien. "Die Leute sind wirklich überrascht, dass ich dieses Zeug verstehe", sagte er vor laufenden Kameras. Jeder "dieser Doktoren hier" habe ihn gefragt, behauptete er, wieso er so viel davon verstehe. "Vielleicht bin ich ein Naturtalent."

Vielleicht, so Trump weiter, hätte er in die Forschung gehen sollen, anstatt US-Präsident zu werden. Schon sein Onkel, erklärte er, ein gewisser "Dr. John Trump" sei ein "großartiges Super-Genie" gewesen, der, wie er denke, eine "Rekordzahl an Jahren" an der US-Elitehochschule MIT gelehrt habe. Er verstehe sehr gut, was die Wissenschaftler täten. "Ich liebe diese Welt." Trumps Onkel war am MIT als Professor für Elektrotechnik tätig.

*Datenschutz

Zur Beruhigung der US-Öffentlichkeit dürften Trumps Bekenntnisse kaum beitragen, heißt es in einem Bericht der "Washington Post". Zuletzt war die Zahl der bestätigten Infektionen in den USA auf mehr als 300 gestiegen. Darunter sind auch 21 Coronavirus-Fälle, die an Bord des vor der Küste von Kalifornien liegenden Kreuzfahrtschiffs "Grand Princess" festgestellt worden waren. Auf dem Schiff wurden allerdings erst ein Bruchteil der Passagiere und der Besatzung getestet.

"Kann keine höheren Zahlen gebrauchen"

Das Wohlergehen der Betroffenen und die Sorgen der Bevölkerung schienen Trump bei seinem Besuch im US-Seuchenkontrollzentrum weit weniger zu beunruhigen als seine Chancen auf eine Wiederwahl. Offen sprach er sich bei dem Pressetermin im CDC dafür aus, die Infizierten an Bord der "Grand Princess" zu belassen. Auf diese Weise, erklärte er, würden sie nicht die Fallzahlen in den USA nach oben treiben. "Ich mag die Zahlen so wie sie sind", gestand er ein. "Ich kann es nicht gebrauchen, dass sie sich nur aufgrund eines Schiffes, an dem wir nicht Schuld sind, verdoppeln."

*Datenschutz

Tatsächlich könnte die Ansteckungswelle den anlaufenden US-Wahlkampf überschatten. Experten gehen seit Längerem von einer erheblich höheren Dunkelziffer der Coronvirus-Fälle in den USA aus. In mehreren Bundesstaaten gibt es Ansteckungsfälle, bei denen die mutmaßlichen Übertragungswege auf bislang unentdeckte Infektionsherde im Inland hindeuten.

Dazu kommt, dass viele Arbeitnehmer in den USA aus Angst um ihren Arbeitsplatz davor zurückschrecken, selbst im Fall milder Symptome krank zu Hause zu bleiben. Eine flächendeckende Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, wie in Europa für Angestellte üblich, gibt es in den USA nicht. Da es auch keine Krankenversicherungspflicht gibt, müssten manche Infizierte im Fall einer ernsten Erkrankung mit erheblichen finanziellen Belastungen rechnen. Kritische Stimmen werfen der US-Regierung vor diesem Hintergrund vor, viel zu spät und viel zu langsam auf die sich abzeichnende Coronavirus-Krise zu reagieren.

Nur 75.000 Coronavirus-Tests

Im Mittelpunkt der Debatte steht die Frage, wie viele Virentests in den USA derzeit überhaupt zur Verfügung stehen. Nach Darstellung von US-Gesundheitsminister Alex Azar und CDC-Chef Robert Redfield sind es aktuell landesweit lediglich 75.000 Test-Kits - viel zu wenige, sollte es zu einem großflächigen Ausbruch kommen. Allein im US-Bundesstaat Kalifornien leben fast 40 Millionen Einwohner.

Nachfragen der anwesenden Reporter dazu wischte Trump brüsk beiseite. "Jeder, der sich testen lassen will, bekommt einen Test", sagte er, nur um kurz darauf - offenbar im Scherz - hinzuzufügen: "Die Tests sind alle perfekt." In den Vereinigten Staaten sind offiziellen Angaben zufolge bislang 15 Coronavirus-Patienten gestorben. Trump gab diese Zahl bei seiner Pressekonferenz mit 11 an.

Quelle: ntv.de