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Virus-Inzidenz in Deutschland Die Kennziffer, die Sars-CoV-2 greifbar macht

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Epidemie-Ernstfall in Deutschland: Wie groß wird die Infektionswelle, die auf das Gesundheitssystem zurollt?

(Foto: REUTERS)

Der Coronavirus-Ausbruch trifft die Bundesländer in unterschiedlichen Ausmaßen. In Bayern zum Beispiel ist das relative Fallaufkommen insgesamt niedriger als in Hamburg. Wie lassen sich Infektionszahlen am besten vergleichen? Anhaltspunkte liefert die "kumulative Inzidenz".

Deutschland steuert auf den Epidemie-Ernstfall zu: Bundesweit steigen die Fallzahlen an. Ärzte, Pflegepersonal und die Gesundheitsbehörden des Bundes und der Länder bereiten sich unter Hochdruck auf die zu erwartenden Belastungen in den Krankenhäusern vor.

Welche Bundesländer sind besonders stark betroffen? Um das regionale Infektionsgeschehen zu erfassen, lässt sich anhand der vorliegenden Daten eine zentrale Kennziffer berechnen, Experten bekannt als sogenannte kumulative Inzidenz. Dazu wird die Gesamtzahl aller bisher bekannten Coronavirus-Infektionen vor Ort zur jeweiligen Einwohnerzahl ins Verhältnis gesetzt.

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Die Inzidenz ist eine Messgröße aus der Epidemie-Forschung und lässt sich theoretisch für Städte ebenso ermitteln wie für Staaten, Landkreise oder ganze Weltregionen. Die gewonnene Zahl beschreibt das Fallaufkommen innerhalb einer bestimmten Bevölkerungsgruppe. Üblicherweise ist das die Summe der bestätigten Infektionszahlen in Bezug auf jeweils 100.000 Einwohner. Kumulativ wird die Zahl bezeichnet, weil hier sämtliche festgestellten Infektionen (inklusive Geheilte) zusammengerechnet einfließen - und nicht nur die jeweils akuten Fälle.

Ein Blick in die ntv.de-Tabelle zeigt zum Beispiel, dass die Hansestadt Hamburg mit ihren aktuell weniger als 700 Infizierten (Stand: 20. März, 19.30 Uhr) unter rund 1,8 Millionen Einwohnern deutlich schwerer betroffen ist als etwa der Freistaat Bayern, wo auf insgesamt 13,1 Millionen Einwohner derzeit etwas mehr als 3100 Coronavirus-Fälle kommen: An der Elbe liegt die Inzidenz bei 36,1 Fällen je 100.00 Einwohnern, in Bayern bei 23,8.

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Besonders schwer von der Coronavirus-Krise betroffen ist demnach weiterhin Nordrhein-Westfalen. Dort sind es aktuell 34,9 Fälle je 100.000 Einwohnern. In dem mit Abstand bevölkerungsreichsten Bundesland war es im Kreis Heinsberg auch zum ersten größeren Ausbruch des Erregers in der Bevölkerung gekommen.

Vergleichsweise hohe Inzidenz-Zahlen zeigen sich auch in Niedersachsen (15,8), Hessen (13,0) und vor allem im Saarland. Dort wurde das Coronavirus bereits bei 25,7 Personen je 100.000 Einwohnern nachgewiesen. Gemessen an den absoluten Zahlen liegt das Saarland mit 217 bestätigten Infektionen bundesweit im unteren Drittel. Relativ zur Bevölkerung taucht das Land, das insgesamt etwas weniger als eine Million Einwohner zählt, jedoch auf Platz 4 auf und liegt damit mit erkennbarem Abstand vor dem Land Berlind und dem Freistaat Bayern.

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In der Berichterstattung über die Ausbreitung von Sars-CoV-2 in Deutschland dient die Inzidenz lediglich zur groben Orientierung. Die Kennziffern liefern Anhaltspunkte zur Einschätzung, sagen aber nichts über das Ansteckungsrisiko oder die tatsächlichen Belastungen im Gesundheitssystem aus.

Bei der Berechnung der Inzidenz orientiert sich ntv.de an einer vereinfachten Methodik, wie sie auch vom Robert-Koch-Institut (RKI) bei der Bekanntgabe der amtlichen Fallzahlen veröffentlicht wird. Im Unterschied zum RKI kommen hier aber die tagesaktuell aus den Ländern gemeldeten Daten zur Anwendung.

Die Zahlen müssen derzeit mitunter mehrfach täglich nach oben angepasst werden - ebenso schnell kann sich damit auch die Rangfolge in der Inzidenz-Tabelle ändern. Die deutschlandweit niedrigsten Werte zeigen sich aktuell weiter in Sachsen-Anhalt (9,8), Thüringen (9,6) und Brandenburg (9,2).

Der Freistaat Sachsen dagegen rückte mit der Bekanntgabe neuer bestätigter Coronavirus-Infektionen im Tagesverlauf gleich um mehrere Plätze nach oben: Am Abend rangiert das Land mit einer Inzidenz von 13,8 (bei 562 Fällen) noch vor Schleswig-Holstein (11,1 / 321 Fälle) und auch vor Hessen, das mit 813 Coronavirus-Fällen aktuell rund 250 Infizierte mehr zählt.

Quelle: ntv.de