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Wenn einen die Muse küsst Ada, Alexandra, der Stein und das Meer

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(Foto: imago images / Future Image)

Alexandra Helmig, Kinderbuchautorin. Auch bekannt als Ada Morghe. Unter diesem Namen singt sie, den anderen benutzt sie, wenn sie Schriftstellerin ist. Oder Schauspielerin. Oder Regisseurin. Oder Drehbuchautorin. Jetzt ist sie für einen Literaturpreis nominiert, für "Der Stein und das Meer".

"Die Lust am Fabulieren und Philosophieren" - die wurde ihr jetzt sogar schriftlich bescheinigt. Das Schöne bei Alexandra Helmig ist, dass das alles auch tatsächlich Hand und Fuß hat. Sie redet nicht nur, sie macht. Sie schreibt, sie macht Filme, sie steht selbst vor der Kamera, sie macht Musik. Sie ist Energie pur, scheint als Kind in diesen Topf mit dem Zaubertrank gefallen zu sein. Und das merkt man denn eben auch, wenn es um die Qualität geht.

Zum Beispiel beim Bilderbuch "Der Stein und das Meer" von Alexandra Helmig (Text) und Stefanie Harjes (Illustration); Es ist in der Sparte Bilderbuch für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2021 nominiert. Die Nominierungsbegründung der Jury: "Alexandra Helmig erzählt von einem kleinen grünen Stein auf einem Felsen im Meer, nicht weit vom Ufer entfernt. Seit Jahrtausenden liegt er dort und beobachtet, was um ihn herum geschieht. Doch mit der Zeit wächst die Neugier, den Platz zu verlassen und selbst ins Meer einzutauchen. Der nächste große Sturm schwemmt ihn mit. Und wer dieses Bilderbuch betrachtet, darf ihn begleiten bis zum erstaunlichen Ende der poetischen Geschichte, in der ein Kind letztlich die entscheidende Wendung herbeiführt." Schön, oder?

Kinder Kunst Haus

Überhaupt, Kinder - für die, nicht nur ihre eigenen, hat Alexandra ein großes Herz, sie spielen eine zentrale Rolle in ihrem Leben. Sie betreibt, mit anderen zusammen und neben ihren sonstigen Tätigkeiten, das Kinderkunsthaus München. "So eine Pandemie fordert einen natürlich heraus", begründet sie das, "immerhin kommt man aber zu Dingen, zu denen man sonst nicht kommen würde."

Dazu gehört auch das Projekt Kinderkunsthaus. "Wir haben quasi jeden Tag Kreativ-Tipps auf Instagram hochgeladen." Helmig betont, wie gut das Online läuft, wenn man in einem Workshop zusammen arbeitet, während "Livestreams in der Musik nie das ersetzen, was einem ein Konzert geben kann. Das vermisse ich sehr!" Nun ja, es ist Licht am Ende des Tunnels zu sehen, und das schätzt die Künstlerin natürlich, wie alle anderen auch, sehr. Sie hatte sich dennoch nicht davon abbringen lassen, ihr Album trotz Lockdown herauszubringen. "Ich wollte mich nicht hindern lassen, das wie geplant durchzuziehen", sagt sie lachend, "und ich bereue es auch nicht, denn Musik ist das, was uns in unserer Zurückgezogenheit doch geholfen hat."

Und ja, die Welt dreht sich weiter, die letzten Monate haben neue Kräfte freigesetzt, die neuen Erfahrungen bringen uns weiter - das steht für Alexandra Helmig, die ihre Musik unter dem Namen Ada Morghe herausbringt, fest. "Ich habe Dinge gemacht, die ich sonst nicht gemacht habe, und das macht mich glücklich." Helmig hat Gitarre gelernt, "Akkorde, und auftreten würde ich damit jetzt noch nicht, aber ich bin ganz zufrieden. Jetzt bin ich gespannt darauf, ob wie alle unser normales, geschäftiges Leben wieder aufnehmen können, nachdem wir es uns in unserem jeweiligen Kokon gemütlich gemacht haben."

Typisch für Alexandra Helmig: Zwischen den Zeilen werden bedeutsame, nahezu philosophische Fragen aufgeworfen und Gedanken angeregt, die weit über die Handlung einer Erzählung hinausgehen. Dazu kommen die Bilder von Stefanie Harjes: sie inspirieren diese Gedankenreise, indem sie durch ihre surrealen Elemente in den Zeichnungen, Collagen und Scherenschnitten das Realitätsenthobene, Wirklichkeitsentrückte hervorheben und eine eigene Wahrheit miterzählen.

Jeder ist kreativ

Die Geschichte scheint nicht von dieser Welt zu sein - ähnlich wie ihre Erzählerin. Wie schafft sie das alles? Hat ihr Tag nicht auch nur 24 Stunden, ihre Woche nur sieben Tage wie die von Normalsterblichen? Helmig lacht im Gespräch mit ntv.de, sie lacht überhaupt viel und versucht, der ganzen Situation, die Corona & Co in den letzten Monaten mit sich gebracht hat, das Beste abzugewinnen. "Jeder ist doch kreativ, jeder kann es zumindest sein. Ich höre immer von so vielen Leuten, dass sie sich da nicht herantrauen und hier nicht, aber wenn man erstmal einen Anstoß gegeben hat, dann geht es mit den meisten durch. Kreativ sein bedeutet ja nicht, dass man etwas ganz toll können muss, sondern es bedeutet, dass es kein Richtig und kein Falsch gibt. Man muss eine Atmosphäre schaffen, in der man sich traut."

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Sie traut sich auf jeden Fall vieles, zum Beispiel Eisbaden im Lockdown-Winter. "Das war so ein Trend, den musste ich einfach mal mitmachen, und es hat richtig süchtig gemacht." Doch zurück zu Kreativität: "Den meisten wird die Kreativität ja bereits in der Schule ausgetrieben, dort wird einem gesagt, so und so hat ein Haus auszusehen, dabei können Häuser ja ganz unterschiedlich sein." Ist Kreativität also eine Lebenshaltung? "Auf jeden Fall! Du kannst nur kreativ sein, wenn du in gewisser weise angstfrei bist. Man muss sich ausprobieren und nicht auf die hören, die einem einreden wollen, dass das eine besonders komische Idee ist."

Lust am Fabulieren

Alexandra Helmig also muss sehr angstfrei sein - bei so viel Kreativität! Während andere nicht wissen, wie und wo sie anfangen sollen, macht sie es einfach. Wie auch in ihrem Kinderbuch: da spielt sie mit Bekanntem und Vertrautem, das macht das Bilderbuch so reizvoll und verleitet die jungen Leser und Betrachter, die bereits zitierte "Lust am Fabulieren und Philosophieren" wachzuhalten.“ Verleger Sebastian Zembol hebt hervor: "Gemeinsam mit den beiden Künstlerinnen freuen wir uns riesig, dass diese Nominierung dem im ersten Lockdown im vergangenen Jahr erschienenen Buch einen zweiten Aufmerksamkeit ermöglicht."

Quelle: ntv.de

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