Kino

"Weil sie nicht anders kann!" "Frau Mutter Tier" platzt vor Energie

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Christin Suckow und Annette Frier in einer super Supermarkt-Szene ...

(Foto: dpa)

Eine Komödie von und mit vielen Frauen - aber nicht nur für Frauen, denn diese Situationen kennen wir alle, egal, aus welcher Perspektive: Drei Frauen, vier Kinder und unendliche Varianten des Wahnsinns: "Frau Mutter Tier" zeigt mit amüsiertem Blick  wie ganz verschiedene Frauentypen in unserer Gesellschaft existieren können und lädt die Zuschauer ein, über diese Schwierigkeiten zu lachen und über die gefundenen Lösungen zu staunen. Regisseurin Felicitas Darschin inszenierte diese frische Komödie nach einem Drehbuch von Alexandra Helmig und Rudi Gaul. Julia Jentsch glänzt als perfektionistische Übermutter Marie, deren Leben vielleicht doch nicht die Hochglanzversion ist, die es zu sein scheint. Alexandra Helmig ist die verhinderte Karrierefrau, die ihr Kind zunächst verleugnet und ihren Mann fast wieder an Schwiegermutti verliert, Annette Frier rockt in ihrer Rolle als ordnungsliebende Supermarktleiterin. Mit allen dreien sprach n-tv.de in München über die Frau, die Mutter und das Tier in ihnen.

n-tv.de: Julia Jentsch in einem komödiantischen Film - na endlich ...

Julia Jentsch: Das macht auf jeden Fall Spaß! Aber ich hatte schon immer mal auch komödiantische Rollen zwischendurch. Stimmt jedoch -  ich habe mehr ernsthafte und dramatische Rollen gespielt bisher.

Und haben Sie jetzt Blut geleckt?

Ja, schon, ich hätte da natürlich Lust drauf, aber es ist immer eine Frage des Angebots und des Drehbuchs. Tendenziell ist es so, dass es bei den meisten ernsthaften Stoffen einfach die besseren Bücher gab.

Das Drehbuch war hier ja nicht der Engpass, denke ich mal, Sie spielen schließlich mit in diesem Film, der von Frauen dominiert wird …

Ja, und zwar sowohl vor als auch hinter der Kamera. Die Hauptrollen sind von Frauen besetzt, die Autorin, die Regisseurin, auch Set-Design, Maske und Kostüm waren von Frauen besetzt, selbst die Position Oberbeleuchtung war von einer Frau besetzt. Ich habe das sehr genossen, mit so vielen Kolleginnen zu drehen. Es war einfach eine besondere Situation.

Frauen können eben wirklich gut zusammenarbeiten …

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Julia Jentsch

(Foto: imago images / Future Image)

Es ist sehr gut aufgegangen. Keine Spur von Zickereien oder was man Frauen sonst so gern unterstellt.

Außer in der Geschichte selbst …

Oh ja, da sind natürlich etliche Unstimmigkeiten, vor allem auf dem Spielplatz.

Die drei Frauen im Film sind streng miteinander. Wie im echten Leben, oder? So verschieden wir sind, so gern wir Schwestern wären - wir sind noch immer gnadenlos im Urteil über die andere.

Alexandra Helmig: Genau. Aber im Film sind die einzelnen Figuren natürlich überspitzt dargestellt. Ich selbst habe sowohl dieses Vergleichen untereinander kennengelernt als auch sehr viel Solidarität. Und ebenso immer dieses Gefühl: "Egal, wie ich es jetzt mache, es ist falsch." Wenn man arbeitet, kommt unweigerlich die Frage: "Und wie machen Sie das mit der Betreuung?"

Eine Frage, die einem Mann nie gestellt werden würde …

 … stimmt, und wenn man wie Marie im Film sagt: "Ich habe zwei Kinder und bin Hausfrau", dann kommt dieser mitleidige Blick und nach drei Sekunden die Frage: "Und sonst so?"

Annette, deine Rolle - Biomarktleiterin - sollte eigentlich von einem Mann gespielt werden …

Annette Frier: Das tut mir sehr leid für die potenziellen männlichen Kollegen, aber das ist nun mal meine Rolle. Das Drehbuch habe ich übrigens schon mit der "Gitti" bekommen. Ich kannte bereits das Theaterstück "Frau Mutter Tier", und das ist schon Jahre her, und dann das Drehbuch, da war viel Zeit dazwischen. 

Ist doch schön, dass die Frauen im Film im Vordergrund stehen. Das hat Spaß gemacht beim Drehen, oder?

Ich betrachte mich ja eher als Gast bei diesen Dreharbeiten, das war toll. Das hat mir viel Freude gemacht, ohne jede Verantwortung außer für diese zwei Tage zu spielen. Mir das mit Julia Jentsch und der Regisseurin zu erarbeiten war großartig. Zumal ich mit Alexandra ja schon oft darüber geredet hatte im Vorfeld. Und dann kamen wir auf diesen Wutbürger-Charakter. Völlig überzeichnet zwar, aber ich bin nicht frei davon, ich habe einige Anteile eines Wutbürgers in mir, auch als Mutter. Ein Riesenspaß!

Als Mutter kann man sich in "Frau Mutter Tier" jedenfalls an einigen Stellen wiederfinden: Entweder aktiv, weil man so ist, oder passiv, weil man so gesehen wird. Auf jeden Fall ist es sehr lustig anzusehen und manchmal auch ein bisschen mit Selbsterkenntnis verbunden .

Alexandra Helmig: An welcher Stelle?

Also die Sache mit den Bio-Keksen kam mir sehr bekannt vor: Im Kinderladen soll man für 40 Kinder Bioessen kochen, kein Gluten, kein Mehl, kein Zucker, keine Nüsse, und bei Aldi hat man dann den einen oder anderen Elternteil, der immer besonders auf Bio gepocht hat, trotzdem getroffen. 

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Alexandra Helmig

(Foto: imago images / Future Image)

(lacht) Ja, man muss eine Balance finden. Auch wenn es darum geht, den nicht berufstätigen Müttern etwas aufzudrücken, wie: "Ach, du fährst doch sowieso, kannst du mein Kind nicht mitnehmen? Und morgen auch?"

Wie können wir Frauen aber mehr an einem Strang ziehen wollen, wenn wir es doch bereits auf dem Spielplatz nicht lassen können, der anderen ihre selbstgebackenen Bio-Kekse zu neiden und festzustellen, dass sie nicht mal fett ist …?

Annette Frier: Es fällt meiner Meinung nach IMMER schwer an einem Strang zu ziehen. In jeder Gruppe fällt das schwer. Gruppen haben die Verpflichtung zur Solidarität, und dann haben sie noch die Mühen des Alltags zu bestehen. Da wäre ich allerdings Millionär, wenn ich genau wüsste, wie das besser klappen könnte. Als Komödiantin ist meine beste Waffe der Humor. Mir gefällt übrigens der Hashtag "TimesUp" auch viel besser als der Hashtag "MeToo". Ich gehe lieber drei Schritte nach vorne oder überspringe hier und da mal einen Punkt, als dass ich mich wieder zurückwende. Man muss sich Zeit nehmen. Es kostet Mühe und Solidarität. Und echte Solidarität, das habe ich mittlerweile begriffen, ist nicht, mal eben in einem Interview drei Dinger rauszuhauen. Für mich bedeutet Solidarität, dass ich verantwortlich bin, für den Raum in dem ich bin, für meine Kreise, da wo ich arbeite oder esse oder trinke, dass ich dafür gerade stehe. So wie alle anderen auch in diesem Raum. Und das ist anspruchsvoll genug. Ein gutes Training.

Als Frau, vor allem als Mutter, kann man ja viel falsch machen. Man ist entweder eine "Rabenmutter" oder eine "Helikopter-Mom" oder "nur Hausfrau". Diese Stempel werden gern vergeben, die drücken Frauen sich auch gegenseitig auf, oder?

Julia Jentsch: Kann ich gar nicht so einfach beantworten, denn in meinem Umfeld ist das nicht so. Da sind sehr offene Menschen, eigentlich wird keiner abgeurteilt. Wenn man es gesellschaftspolitischer betrachtet, mag das sein. Allein die Vielzahl an Büchern und Magazinen, die es zu dem Thema gibt, lässt ja darauf schließen, dass es ein Thema ist.

Alexandra, der Film, das Buch zuvor, beruht auf deinen eigenen Erfahrungen, oder?

Alexandra Helmig: Ja, ich habe mich selbst beobachtet, war oft irritiert, belustigt geradezu. Es gibt Situationen, in denen es nur hilft, über sich selber zu lachen. Ich habe zum Beispiel bei meiner kleineren Tochter, die extrem willensstark ist und bei der ich oft dachte: "Muss dieser Anfall ausgerechnet jetzt, ausgerechnet hier stattfinden?" vieles nur mit Humor überlebt. Ich finde mich aber in vielen Rollen wieder.

Und in welcher Rolle siehst du im Film am meisten von dir?

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Die Frauen im Film sind überzeichnet, plakativ - da ist natürlich auch viel Klischee dabei. Mir war wichtig, jede Figur für sich ernst zu nehmen. Auch die Schwiegermütter, bei denen man oft mal denkt : "Boah, ist die nervig!" Da gibt's aber die Momente, wo man diese Frauen versteht, wo man Mitgefühl hat. Jede von uns hat ihre Geschichte! Das Schöne an Kindern ist ja, dass Rollenbilder sich ändern, und damit auch Familienkonstellationen. Und zwar nicht nur für einen selbst, sondern auch für Eltern. Man muss sich immer wieder neu auseinandersetzen.

Sind Frauen mit sich - und mit anderen Frauen - zu hart?

Julia Jentsch: Da das Bild lange Zeit ja ein anderes war, also der Mann geht arbeiten, er durfte sich auf den Beruf konzentrieren, und die Frau kümmerte sich um die anderen Bereiche wie Haushalt und Kinder und Gäste, bedarf es vielleicht noch mehr Zeit, um dieses Bild weiter aufzubrechen. Auf der anderen Seite müssen sich Männer, die sich  dafür entscheiden, Vollzeit-Papa zu sein, sicher auch oft rechtfertigen.  

Man selbst kann schon ganz schön gemein sein zu seiner Mutter. Im Film wird das ja auch anhand der ganz jungen Alleinerziehenden klar …

Alexandra Helmig: Ja, das war mir ganz wichtig. Denn bei der von Kristin Suckow gespielten jungen Mutter geht es mehr um die Abnabelung der beiden voneinander als um die Tatsache, dass da noch ein kleines Kind ist. Dass eine Mutter eben auch das Recht hat, ein eigenes Leben zu führen und sich nicht immer nur um die Angelegenheiten der Tochter zu kümmern hat.

Die Männer kommen nicht ganz so gut weg …

"Frau, Mutter, Tier" ist schon ein Film von Frauen für Frauen, vor und hinter der Kamera. Ich hoffe dennoch sehr, dass Frauen auch ihre Männer mit ins Kino nehmen! Sie sind eindeutig in der Nebenrolle, ich finde das aber ganz in Ordnung, denn oftmals haben ja eher Schauspielerinnen die Deko-Rolle (lacht).

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Lieblingsszene: Alexandra Helmig als Nela, Florian Karlheim als Lutz und Oscar als Leo.

(Foto: dpa)

Mit Entwicklungspotenzial allerdings auch für die Männer im Film …

Ja, da ist meine Lieblingsszene die, als mein Film-Mann sich endlich eindeutig positioniert - sich seiner Mutter entgegenstellt, die natürlich nur das Beste für ihn will … Aber er hat ja nun eine andere Frau in seinem Leben, seine Frau, und sagt: "Lieb von dir, aber wir machen das anders."

Haben Frauen noch immer ein schlechtes Gewissen, egal, wie sie es nun anstellen: Arbeiten gehen oder Hausfrau sein?

Auf jeden Fall. Man muss Zutrauen haben, zu seinem Mann, zu Großeltern, zu Babysittern - die sind alle durchaus in der Lage, sich um ein Kind zu kümmern.

Das kann die von Julia Jentsch dargestellte Marie ja überhaupt nicht …

(lacht) Nee, da darf der Mann noch nicht mal die umgekippte Milch aufwischen. Das tut richtig weh, das zu beobachten. Der Mann bekommt keine Chance, sich dem Kind zu nähern.

Frau Jentsch, Sie spielen die Marie, die kontrollierte Mutter, die alles im Griff hat. Liegt Ihnen diese Rolle auch als Mutter?

Julia Jentsch: Sagen wir mal so, am wenigsten sehe ich mich in der Rolle der Nele, die Alexandra spielt: Das Kind bei der Arbeit verheimlichen, diese Über-Schwiegermutter zu Hause, der Mann, der zu Hause keine richtige Hilfe ist - also das bin ich am wenigsten. Aber sonst gibt es Momente in jedem Charakter, die ich ansatzweise auch für mich nachvollziehen kann. Die Marie hat allerdings ganz andere Ansprüche als ich, auch ein ganz anderes Leben. Aber in manchen Momenten versteh'  ich sie sehr gut: Was man alles organisieren und unter einen Hut kriegen muss als Mutter, das kann ich nachvollziehen. Oder dieses Vergleichen mit anderen und die Frage: "Aha, sie macht das so, wie mach' ich es eigentlich?". Man hinterfragt sich doch, was die bessere Variante ist, davon ist man nicht frei. Solche Situationen kenne ich, und jeder und jede kann sich etwas herauspicken. Der Film bietet ja nur einen Ausschnitt aus noch vielen weiteren Möglichkeiten, wie man als Mutter sein könnte.

Annette, welche plakative Rolle der Mutter passt denn am besten zu dir? Irgendwo findet man sich ja immer ein bisschen wieder? Eher Helikopter, eher lässig …

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Frier und Suckow, die können alles: angepasst, freiheitsliebend, witzig, spießig.

(Foto: imago images / Future Image)

Annette Frier: Ich fühle mich immer wieder zu anderen Figuren hingezogen. Wie im echten Leben. Das kann springen. Ich glaube, dass wir das alles in uns haben: die totale Spießerin, die Freiheitsliebende, die Angepasste, die Brave, die Krawalltante, und je nach Lebensphase hat mal die eine, mal die andere Rolle Oberhand. Das mag an meinem Beruf liegen, aber auch als Mutter kenn' ich mich in verschiedenen Perspektiven. Ich kenn' mich sehr streng, aber auch sehr milde, ich kenn'  mich als humorvolle Mutter, aber auch als mal frustriert … das hat viel mit Lebenssituation und mit Tagesform zu tun.

Kinder halten einem ja gern mal den Spiegel vor, und durch das starke Mitwirken der Mütter und Schwiegermütter in dem Film ist mir mal wieder deutlich geworden, was meine Mutter so alles mit mir mitmachen musste …

Ja, der Film ist quasi ein kleines Sittengemälde.

Wie können wir es denn besser machen?

Alexandra Helmig: Ganz wichtig ist es, denke ich, mit dem Partner die K-Themen (Kinder, Küche, Karriere) anzusprechen. Und das Leben paritätisch zu regeln, ansonsten kann es nicht klappen. Aber ein Patent-Rezept habe ich auch nicht, denn es gibt ja so viele verschiedene Konstellationen. Dennoch - es wird noch eine Weile dauern, ehe wir uns von unseren Rollenbildern verabschiedet haben. Wir denken zwar, wir sind fortschrittlich, aber da ist noch viel Luft nach oben.

Wir bewegen uns natürlich immer noch in Klischees, fürchte ich …

Wenn ein Paar sich das leisten kann, Familie ganz klassisch wie früher anzugehen - Mann arbeitet, Frau bleibt zu Hause - dann ist das wunderbar. Bei anderen stellt sich die Frage gar nicht, da müssen beide arbeiten. Was ich jedoch beobachtet habe ist, dass Kinder darauf gut reagieren, wenn ihre Mutter auch arbeitet, solange sie das mit Leidenschaft macht. Dann können Kinder das nachvollziehen. So habe ich das jedenfalls bei meinen Töchtern erlebt.

Du hast eine richtige Traumkarriere hingelegt: Du sitzt auf dem Spielplatz und denkst dir, ach, aus dem, was ich hier so sehe, mach ich mal ein Buch. Das wurde dann zum Theaterstück - jetzt läuft es im Kino. Du spielst eine Hauptrolle, du bist am Drehbuch beteiligt und du produzierst das Ganze mit. Und obendrein, als Sahnehäubchen, singst du auch noch auf dem Soundtrack.

Absolut! Im Nachhinein wirkt das total geplant und strategisch (lacht). Das war natürlich nie so! Es gab auch die Momente in denen ich dachte: "Ja, war schön, aber leider wird nichts draus". Trotzdem war immer so eine Kraft in mir, die gesagt hat: "Mach' weiter!" Und es haben mich auch immer wieder Menschen ermutigt. Das mit der Musik kam dann noch on top! Das ist ein Geschenk!

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So sieht das aus, wenn Frauen vor und hinter der Kamera stehen: Kristin Suckow, Julia Jentsch, Stefanie von Poser, Alexandra Helmig, Ines Hollinger und Annette Frier.

(Foto: imago images / Future Image)

Wie ist das eigentlich, mit einer Frau wie Alexandra Helmig am Set zu sein, die quasi den ganzen Tag alles macht? Kriegt man da als "normale" Frau nicht Komplexe? Wobei ich jetzt gar nicht sagen will, dass alle anderen "normale" Frauen sind, ihr wuppt ja auch sehr viel ….

Annette Frier: Alexandra ist ja meine Freundin, deswegen bekomm' ich schon mal keine Komplexe (lacht), sondern bin total beschenkt, weil das ja super ist, wenn man mit jemandem befreundet ist, der viel zu geben, viel zu verhandeln hat. Das ist total abwechslungsreich. Ich glaube, das ist eine energetische Frage. Diese ganze Energie von ihr, die muss ja irgendwo hin. Das macht die ja nicht, um sich selbst den ganzen Tag geil zu finden, sondern weil sie nicht anders kann. Zu viel überschüssige Energie würde ich mal zusammenfassen. Das muss raus! Zum Trost für uns Normale: Das ist ein biologischer Überschuss, das ist nichts Schlimmes, also nur eine chemische Reaktion. 

Wie viele Stunden hat dein Tag, Alexandra?

Alexandra Helmig: Ach, das wirkt doch nur so irre, weil jetzt alles gleichzeitig passiert, der Film und das Album. Aber ich hab' ja nicht alles gleichzeitig gemacht. Ich bin überhaupt keine Multitaskerin. Das ist, glaube ich, der Schlüssel. wenn ich etwas tue, dann tauche ich ab, dann bin ich weg.

Und die Musik?

Viele kennen Ada Morghe, aber wissen gar nicht, dass ich das bin. Das gibt eine gewisse Freiheit. Ich habe eigene Lieder geschrieben, am Klavier habe ich mich immer zu Hause gefühlt. Die Filmmusiker haben einen Song von mir für den Film ausgesucht, und mich meinem Musikproduzenten Hans-Martin Buff empfohlen. Keine fünf Wochen später stand ich in den Abbey Road Studios und habe mit Weltklasse-Musikern mein Album aufgenommen. Das war alles 2017, nach den Drehabreiten. Mittlerweile ist das Album bei Sony erschienen und die Musiker und ich sind zu einer Band zusammengewachsen. Wir hatten gerade unser Release-Konzert und fiebern unserer Tour entgegen!  Die haben alle Bock …

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Ja, sie singt auch noch ....

… und Zeit …

 … ja, es passt irgendwie! Wir sind alle total unterschiedlich, aber das ist eine musikalische Liebesgeschichte, es ist Magie.

Annette, warst du eigentlich gern auf dem Spielplatz?

Annette Frier: Geht so … ich muss zum Glück nicht mehr (lacht).

Das ist doch der reinste Wettbewerb da …

Ja, Neid ist eine furchtbare Todsünde, wie ich finde. Dagegen muss man aktiv angehen. Ich glaube aber, man ist als junge Mutter, rein biologisch betrachtet, irre angreifbar. Und gerade, wenn es das erste Kind ist. Man ist so hilflos, und wahnsinnig anfällig für Vergleiche. Das ist von vornherein eine Sackgasse. Das weiß eigentlich jeder, wie unsinnig das ist, sich mit jemand anderem zu vergleichen. Aber das bleibt nicht aus. Nehmen wir mal die Sozialen Medien: Da hat man es quasi nur mit erfolgreichen, geilen, schönen, reichen und vor allem gut ausgeleuchteten Menschen zu tun.. Eigentlich wissen wir doch, dass das alles ein Riesenfake ist, aber dass es eben auch zum Spiel dazugehört.

Fühlst du als sehr bekanntes Fernseh- und Filmgesicht dich manchmal sehr unter Beobachtung, Stichwort "Essen gehen mit den Kindern"?

Also du meinst, wenn wir mit unseren schlecht erzogenen Kindern im Restaurant sind (lacht)? Ja, dann fühle ich mich permanent unter Beobachtung. Ehrlicherweise geh' ich gar nicht so oft essen. Ich werde fuchsteufelswild, wenn ich merke, dass ich so nebenbei mit meinen Kindern fotografiert werde, da könnte ich Herbert Grönemeyer-mäßig ausrasten! Dann bin ich unsouverän, das merken die Kinder und schon ist die Stresssituation da. Da bin ich lieber bei Freunden zum Essen eingeladen. Ich habe meine Kinder die ganzen Jahre aus der Öffentlichkeit rausgehalten, das kann von mir aus auch so bleiben.

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Ach ja, Männer spielen auch mit, Max von Thun zum Beispiel. Sehr schön.

(Foto: imago images / Future Image)

Der Film bietet auf jeden Fall unendliche Möglichkeiten für eine Serie, denn alle Figuren haben so viel Potenzial, dass man sie gerne noch dabei beobachten würde, wie sich jeder einzelne weiterentwickelt.

Alexandra Helmig: Ja, also Ideen und Stoff hätte ich genug, ich musste wirklich viel weglassen.

Können Sie sich eine Fortsetzung vorstellen, Frau Jentsch?

Julia Jentsch: (lacht) Ja, ich auch! Ich wüsste gerne, wie Maries neues Leben aussehen könnte. Ich würde das gerne zeigen.  

Annette, du hast vorhin gesagt, mit Humor geht alles besser - gerade in der Comedy-Szene ist es aber gar nicht so einfach, eine komische Frau zu sein, oder?

Annette Frier: Es ist schon besser geworden. Aber da müssten wir uns bitte mal zwei Stunden extra Zeit nehmen, um darüber zu sprechen (lacht)!

Mit Alexandra Helmig, Julia Jentsch und Annette Frier sprach Sabine Oelmann

"Frau Mutter Tier" läuft im Kino

Quelle: n-tv.de