Panorama

"Impfstoffe sind extrem gut" Astrazeneca für Drosten nicht zweitklassig

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Alles ein großes Missverständnis? Virologe Drosten versteht nicht, warum der Astrazeneca-Impfstoff so in Verruf geraten ist.

(Foto: AP)

Noch vor ein paar Wochen war der Impfstoff von Astrazeneca begehrter Zankapfel: Die EU stritt erbittert und öffentlich um Liefermengen. Inzwischen sollen immer mehr Menschen eine Impfung damit ablehnen - zu Unrecht, sagt Virologe Christian Drosten und erklärt, warum das Vakzin ein wichtiger Baustein im Kampf gegen die Pandemie bleibt.

Der Virologe Christian Drosten hält den derzeit viel diskutierten Corona-Impfstoff von Astrazeneca unverändert für ein wichtiges Instrument im Kampf gegen die Pandemie. Es gebe keinen Grund, in Deutschland nicht mit dem Mittel zu arbeiten, sagte der Charité-Virologe im Podcast "Coronavirus-Update" bei NDR-Info.

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Wenn er sich die öffentliche Diskussion um diesen Impfstoff anschaue, habe er den Eindruck, dass vieles falsch verstanden worden sei. Drosten sprach sich dafür aus, hierzulande unbedingt auch auf den nach seiner Einschätzung "sehr guten" Astrazeneca-Impfstoff zu bauen. "Wir müssen alles dransetzen, jetzt so schnell wie möglich in der Breite zu impfen", bilanzierte der Virologe. "Die Impfstoffe, die wir haben, die sind extrem gut gegenüber dem, was man erwarten konnte. Es gibt immer irgendwo ein Haar in der Suppe und manche schauen da mit dem Vergrößerungsglas drauf." Das solle man nicht tun. Wichtig sei, dass die Impfstoffe das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs minimierten.

Die Wirksamkeit des Mittels liegt mit etwa 70 Prozent um gut 20 Prozentpunkte unter der Wirksamkeit der Impfstoffe von Biontech und Moderna. Zudem soll der Impfstoff von Astrazeneca in Deutschland wegen fehlender Daten zur Wirksamkeit bislang nur an unter 65-Jährige verimpft werden.

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Drosten schätzt britische Mutante als relevanter ein

Kürzlich war bekannt geworden, dass der Astrazeneca-Impfstoff bei einer zunächst in Südafrika entdeckten Variante wohl weniger vor milden und schweren Verläufen von Covid-19 schützt. In Südafrika ist eine geplante Impfaktion mit dem Impfstoff daher kurzfristig ausgesetzt worden.

Drosten hält für Deutschland allerdings vielmehr die Variante aus Großbritannien (B.1.1.7) für relevant, wie er erläuterte. Deren Anteil wachse hierzulande, ebenso wie in anderen Ländern. B.1.1.7 bedeute aber laut einer Studie keinen Nachteil für die Schutzwirkung des Astrazeneca-Impfstoffs.

Dennoch liegt in den Bundesländern der Astrazeneca-Impfstoff offensichtlich auf Halde. Bundesweit wurden von 736.800 bislang gelieferten Impfdosen nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) lediglich 64.869 Dosen verimpft. Noch vor wenigen Wochen waren die ersten Lieferungen des Corona-Vakzins hart umkämpft gewesen und um die Liefermengen ein Streit zwischen der EU und dem Hersteller entbrannt.

5,6 Millionen Astrazeneca-Impfdosen bis 1. April

Am Donnerstag soll es zudem noch mehr Nachschub geben. Laut Bundesgesundheitsministerium sollen dann von Astrazeneca noch einmal 736.800 Impfdosen geliefert werden, am 27. Februar dann weitere gut eine Million Impfdosen. Insgesamt werden demnach bis einschließlich 1. April rund 5,6 Millionen der Dosen erwartet.

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, äußerte jedoch auch Verständnis etwa für medizinisches Personal, das sich nicht mit dem Astrazeneca-Impfstoff impfen lassen wolle. Zwar sei dieser Impfstoff "genauso sicher wie die anderen", hob er in der "Rheinischen Post" hervor, doch "die geringere Wirksamkeit lässt sich nicht wegdiskutieren". Angesichts des bereits vorhandenen Imageproblems schlug Montgomery vor, das Mittel vorzeitig auch Menschen mit geringerer Impf-Priorität anzubieten.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wertete die 70 Prozent auf Twitter als "hohe Wirksamkeit". Im Interview bei RTL/ntv sagte der Minister mit Blick auf Astrazeneca: "Ja, ich würde mich impfen lassen, wenn ich eine Impfung angeboten bekommen würde. Ausdrücklich auch mit Astrazeneca. Das ist ein sicherer und wirksamer Impfstoff." Zu Berichten über vermehrte Nebenwirkungen bei dem Präparat, sagte Spahn, häufig gehe es hier um "Impfreaktionen", die zeigten, "dass das Immunsystem angesprungen ist".

Quelle: ntv.de, joh/dpa/AFP