Politik

Interview mit Jens Spahn "Ich würde mich mit Astrazeneca impfen lassen"

Die Pandemie mache es notwendig, "auf Sicht zu fahren", sagt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn im Interview mit ntv und RTL. Noch könne niemand sagen, "was Ostern nicht geht".

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat mit Blick auf die Osterferien vor zu großen Hoffnungen wie auch vor Schwarzmalerei gewarnt. "Ich traue mir heute noch keine Aussage darüber zu", sagte der CDU-Politiker im Interview mit ntv und RTL auf die Frage, ob dann Urlaub möglich sein werde.

Spahns Parteikollege, der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer, hatte gesagt, "Osterurlaub in Deutschland kann es dieses Jahr leider nicht geben". Spahn sagte dazu: "Wir sollten weder falsche Erwartungen wecken, nach dem Motto: Ostern ist alles wieder wie vorher. Noch kann jetzt schon jemand wirklich sagen, was Ostern nicht geht."

Kretschmer habe mit seinem Satz sagen wollen: "Leute, selbst wenn wir jetzt die Zahlen runterbringen, diese Pandemie geht noch etwas länger." Das sei die eigentliche Botschaft gewesen, so Spahn. "Aber sie hat natürlich jetzt gerade, wo alle sich so drauf freuen, dass es vielleicht bald wieder ein bisschen losgeht, eher noch mal bei vielen etwas den Frust erhöht." Die Pandemie mache es notwendig, "auf Sicht zu fahren".

Impfzentren werden "in den nächsten Wochen" unter Stress geraten

Mit Blick auf anstehende Impfstoff-Lieferungen nach Deutschland sagte der Gesundheitsminister, es werde "eine Phase kommen, wo die Impfzentren unter Stress kommen, und wo wir dann den nächsten Schritt gehen müssen, zum Beispiel dann auch die Arztpraxen einzubinden". Schon in den nächsten Wochen könne man durch die erhöhten Lieferungen an ein Limit der Kapazitäten in den Zentren kommen. "Dann reden wir über Öffnungszeiten am Wochenende", sagte Spahn.

Spahn betonte, dass alle drei in Deutschland zugelassenen Impfstoffe sicher seien und wirksam gegen eine Covid-19-Erkrankung schützten. Auf die Frage, ob sich Spahn auch mit dem Impfstoff der Firma Astrazeneca impfen lassen würde, bei dem zuletzt vermehrt Reaktionen bei geimpften Personen aufgetreten waren, sagte Spahn: "Ja, ich würde mich impfen lassen, wenn ich eine Impfung angeboten bekommen würde. Ausdrücklich auch mit Astrazeneca. Das ist ein sicherer und wirksamer Impfstoff."

Kanzlerkandidat? "Ich bin ausgelastet"

Spahn erklärte, dass man zwischen Nebenwirkungen und Impfreaktionen unterscheiden müsse: "Solange diese Impfreaktion nach ein bis zwei Tagen wieder abklingt, ist das zwar nicht schön, aber es zeigt eigentlich, dass das Immunsystem angesprungen ist und es funktioniert." Auch gegen die Mutation des Virus, die in Großbritannien entdeckt wurde, gebe es Nachweise, dass Astrazeneca wirksam sei. Einschränkend fügte er hinzu: "Bei der Mutation, die zuerst in Südafrika entdeckt wurde, gibt es zumindest Daten, die darauf hinweisen, dass das nicht vollumfänglich sein könnte."

Eine Frage nach seinen Ambitionen auf die Kanzlerkandidatur der Union wehrte Spahn lachend ab. "Nee, ich bin, ehrlich gesagt, gerade ziemlich ausgelastet mit Bundesminister für Gesundheit." Als CDU-Vorsitzender sei Armin Laschet "natürlich der natürliche Kandidat der CDU". Laschet und CSU-Chef Markus Söder würden "zur gegebenen Zeit einen klugen Vorschlag machen, da bin ich sicher".

Quelle: ntv.de, hvo