Panorama

Gewalt gegen Polizisten "Querdenker" demonstrieren trotz Verbot

Deutschlandweit protestieren Gegner der Corona-Maßnahmen gegen die bestehenden Auflagen. Ungeachtet des Versammlungsverbots marschieren "Querdenker" durch Dresden. Vier Polizisten werden verletzt. Derweil wird in München eine Demonstration wegen Hygiene-Verstößen aufgelöst.

In Dresden haben sich trotz des Verbots der "Querdenken"-Demonstration nach Polizeiangaben Hunderte Kritiker der Corona-Maßnahmen in der Stadt versammelt. Bei den Protesten sind vier Polizisten verletzt worden, teilte die Polizeidirektion Dresden mit. Zudem wurden bisher 32 Straftaten registriert - unter anderem wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte und Beleidigung.

Insgesamt wurden 49 Platzverweise erteilt sowie knapp 400 Anzeigen wegen Verstoßes gegen die sächsische Corona-Schutzverordnung gefertigt. Die Zahl werde sich noch erhöhen, weil am Abend noch rund 200 Menschen kontrolliert wurden, hieß es. Laut dem Sender MDR wurden Polizeisperren durchbrochen und Polizeibeamte zu Boden gerissen.

Sachsens CDU-Generalsekretär Alexander Dierks verurteilte die Gewalt. "Sogenannte Querdenker zeigen ihr wahres Gesicht: Gewaltbereite Extremisten am Werk", twitterte er. Sachsens SPD-Chef und stellvertretender Regierungschef Martin Dulig äußerte sich schockiert. "Jeder, der auf dieser verbotenen Demo mitläuft, macht sich gemein mit den verübten Straftaten. Corona wird so nicht aufgehalten, im Gegenteil! Hier wird mit unser aller Gesundheit gespielt."

Weder Masken noch Abstand

Zuvor hatte eigentlich die als rechts geltende Gruppierung "Heidenauer Wellenlänge" eine Kundgebung angemeldet. Es kamen laut Polizei aber weitaus mehr als die angemeldeten 150 Teilnehmer. Sie kritisierten mit Sprüchen die Corona-Maßnahmen, viele trugen keine Maske und achteten nicht auf die Mindestabstände. Die Polizei forderte die Menschen mehrfach auf, den Ort zu verlassen. Das Geschehen war am frühen Nachmittag zeitweise unübersichtlich, die Stimmung angespannt.

Die Polizei berichtete von mehreren Hundert Demonstranten in Richtung Ostragehege sowie von mehreren Hundert Menschen, die sich in der Innenstadt versammelten. Die Beamten sperrten Straßen ab, um beide Protestzüge zu stoppen. Immer wieder waren etwa Rufe zu hören wie "Die Pandemie ist vorbei." Wasserwerfer seien auf dem Weg zum Ostragehege, twitterte die Polizei. Dort sollen sie das Impfzentrum absichern, hieß es.

In der Nacht hatte das Sächsische Oberverwaltungsgericht in Bautzen per Beschluss das Verbot der "Querdenken"-Demonstration des Dresdner Verwaltungsgerichts bestätigt. Die Beamten gingen bereits im Vorfeld davon aus, dass trotz Verbots in der Szene für spontane Aktionen mobilisiert wird. Das Königsufer, an dem die "Querdenken"-Demo ursprünglich stattfinden sollte, war mit Gittern weiträumig abgesperrt, zahlreiche Zufahrtsstraßen wurden gesperrt. Unter anderem war ein Polizeihubschrauber im Einsatz.

Teilnehmer in München ignorieren Maskenpflicht

In München löste die Polizei derweil eine Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen mit mehreren Tausend Teilnehmern in der Nähe des bayerischen Landtags auf. "Die Demonstration wurden wegen mehrerer nicht-eingehaltener Auflagen polizeilich beendet, also aufgelöst", sagte ein Polizeisprecher.

So sei nicht nur die zugelassene Teilnehmerzahl überschritten worden. Vielfach sei die Maskenpflicht ignoriert und der Mindestabstand nicht eingehalten worden. Der Aufforderung, die Demo zu verlassen, kamen allerdings nicht alle Teilnehmer nach. "Wir sind gerade dabei, zu schauen, wie wir jetzt damit umgehen", sagte der Sprecher.

Hunderte protestieren in Stuttgart

Auch in Stuttgart kommt es zu Protesten gegen die Corona-Politik. Unter dem Motto "Es reicht" haben am Hunderte Menschen gegen ein Jahr Lockdown-Politik, Schulschließungen, Isolation und Pleiten demonstriert. Ihre Zahl lag weit über den ursprünglich angemeldeten 750 Teilnehmern, sagte ein Polizeisprecher. Angaben zur genauen Zahl konnte der Sprecher nicht machen.

Zu Beginn der Kundgebung am Schlossplatz hätten 80 bis 90 Prozent der Demonstranten weder Masken getragen noch den vorgeschriebenen Mindestabstand eingehalten - trotz Lautsprecherdurchsagen und gezielter Ansprache durch Polizeibeamte. Nachdem der Veranstalter die Versammlung wegen des schlechten Wetters für beendet erklärt habe, hätten sich die Protestierenden in verschiedenen Aufzüge geteilt. In kleinerer Besetzung seien sie dann jeweils durch die Stadt gezogen, sagte der Polizeisprecher weiter.

Mehr Teilnehmer als angemeldet

In Berlin protestieren zur gleichen Zeit deutlich mehr Menschen als erwartet gegen die Auswirkungen des Corona-Lockdowns wie Schulschließungen, Isolation und Einschränkungen der Wirtschaft. Bei regnerischem Wetter trafen sich am Mittag nach Polizeiangaben "in der Spitze rund 1000 Demonstranten" vor dem Bundesgesundheitsministerium zu einer Kundgebung. "Die Demonstranten haben sich später verstreut und auf 400 verringert", sagte eine Polizeisprecherin. Angemeldet waren nach Polizeiangaben 50 Menschen.

In Hannover haben nach Polizeiangaben knapp 800 Menschen protestiert. Damit kamen deutlich weniger als die angemeldeten 1500 Teilnehmer. Die Polizei war mit vielen Einsatzkräften vor Ort. Nach einer ersten Einschätzung blieb die Veranstaltung bei stark wechselhaftem Wetter weitgehend friedlich. Mehrfach kontrollierten Polizisten die Einhaltung der Maskenpflicht und ahndeten Verstöße. Unter dem Motto "Ein Jahr Lockdown-Politik - es reicht" hatten Kritiker der staatlichen Corona-Maßnahmen für heute Demonstrationen vor Parlamenten überall in Deutschland angekündigt.

Quelle: ntv.de, mdi/dpa/AFP

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.