Politik

Corona-Talk bei "Anne Will" Ärztin rechnet mit Kollaps in wenigen Wochen

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Helfen strikte Ausgangsregeln, um die Zahl der Infektionen in den Griff zu bekommen?

(Foto: NDR/Wolfgang Borrs)

Ausgangsregeln und Kontaktverbote: Um die Corona-Krise in den Griff zu bekommen, zieht der Staat die Stellschrauben enger. In ihrer Sendung diskutiert Anne Will mit ihren Gästen über Sinn und Zweck der Maßnahmen. Für Alarmstimmung sorgen dabei die Äußerungen einer Medizinerin.

Das Coronavirus hat Deutschland fest im Griff. Restaurants, Geschäfte und öffentliche Einrichtungen sind geschlossen, Veranstaltungen abgesagt. Mittlerweile haben Bund und Länder ein zweiwöchiges Kontaktverbot erlassen. Und nun befindet sich auch noch Kanzlerin Angela Merkel in Quarantäne. Wo soll das alles hinführen, fragen sich viele Bürger. Die Talkgäste bei Anne Will versuchen darauf eine Antwort zu geben. In der Sendung sorgt dann vor allem die pessimistische Lageeinschätzung der Medizinerin Bernadett Erdmann für Beunruhigung.

Erdmann hält die Einführung des am Sonntag beschlossenen bundesweiten Kontaktverbots für richtig. Allerdings glaubt die Chefärztin des Klinikums Wolfsburg, dass diese Entscheidung zu spät kommt. "Ich befürchte, dass wir in wenigen Wochen vor einem Kollaps stehen, weil wir die Versorgung nicht mehr sicherstellen können", sagt Erdmann. Denn schon jetzt herrsche in den Krankenhäusern ein massiver Personalmangel in allen Bereichen. Auch der Mangel an Schutzkleidung sei ein Problem. Laut Erdmann habe ihre Klinik Reserven für eine Woche. Und noch ein weiterer Aspekt beunruhigt die Medizinerin: Die soziale Isolation der Menschen. Erdmann rechnet in nächster Zeit mit einer Zunahme depressiver Patienten und einer Erhöhung der Suizidrate. Auch von vermehrten Fällen häuslicher Gewalt geht die Chefärztin aus.

Helfen also strikte Ausgangsregeln, wie beispielsweise in Bayern, um die Situation in den Griff zu bekommen? Im Freistaat ist das Verlassen der eigenen Wohnung nur noch bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt. Gegenüber Moderatorin Will verteidigt Ministerpräsident Söder die Maßnahme mit Bayerns Nähe zu Österreich und Italien, wo das Coronavirus besonders schlimm wütet. Wills Gegenargument, dass die Fallzahlen in NRW viel höher seien als im Freistaat, wischt Söder zur Seite. Wichtig sei es, die Zahl der Infizierten niedrig zu halten. "Es gibt keinen Anlass, zu zögern oder zu warten", mahnt der per Video zugeschaltete CSU-Chef. Eine Prognose, wie lange die Maßnahmen gelten sollen, gibt Söder nicht.

"Der richtige Weg"

Auch Kanzleramtschef Helge Braun hält sich bei der Frage bedeckt. Man müsse die Situation immer wieder neu bewerten und dann die Maßnahmen anpassen, so der Leiter des Corona-Krisenstabs der Bundesregierung. Als Bestrafung will Braun das nun erlassene Kontaktverbot übrigens nicht verstanden wissen. In den ersten Tagen hätten viele Menschen die Empfehlungen der Regierung nicht mitbekommen. Das Verhalten der Bevölkerung sei aber mit jedem Tag besser geworden. Doch die wenigen, die sich nicht an die Empfehlungen halten, gefährden viele Menschen, erläutert Braun. Deshalb sei das Kontaktverbot nun der richtige Weg.

*Datenschutz

Einen Ausblick, wie lange die Corona-Pandemie anhalten könnte, gibt die Virologin Melanie Brinkmann. Demnach hält es die Professorin der Technischen Universität Braunschweig für realistisch, dass es im kommenden Jahr einen Impfstoff geben wird. Dass die derzeitigen staatlichen Maßnahmen aber bis dahin aufrechterhalten werden, hält die Wissenschaftlerin für nicht umsetzbar. Dem stimmt auch Braun zu. "Der Fokus muss sein, die Risikogruppen zu schützen", betont Brinkmann. Heißt im Klartext: Für ältere Personen und Menschen mit Vorerkrankungen dürften die Maßnahmen, im Gegensatz zum Rest der Bevölkerung, nicht gelockert werden.

Sebastian Fiedler, Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, richtet den Blick bereits in die Zukunft. Für ihn ist klar: Es wird auch eine Zeit nach der Corona-Krise geben. Deshalb sei es schon jetzt wichtig, darüber zu diskutieren, wie das Zusammenleben nach der Pandemie aussehen soll. Wichtig sei deshalb der gesellschaftliche Zusammenhalt. Als positives Beispiel hebt Fiedler dabei die überparteiliche Zusammenarbeit im Landtag von NRW sowie im Bundestag hervor. Genauso sieht es der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans. Der CDU-Politiker ist sich sicher: "Diese Krise wird uns noch lange beschäftigen."

Quelle: ntv.de